Dutzende Flaschen Pfefferspray stehen bei einem Waffenhändler in Frankfurt im Regal.
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Nach einer Pfefferspray-Attacke musste ein 81-jähriger Vermieter einer Ferienwohnung aus Bad Orb ins Krankenhaus (Symbolfoto).

Mit Einbrecher verwechselt?

Feriengast sprüht Vermieter Pfefferspray ins Gesicht - und hat Wildschwein-Erklärung parat

Nach einer Attacke mit Pfefferspray musste der Vermieter einer Ferienwohnung im Main-Kinzig-Kreis ins Krankenhaus. Hatte ihn der Feriengast mit einem Einbrecher verwechselt? Der Angreifer hatte auch eine kuriose Erklärung für das Reizgas parat.

Bad Orb/Gelnhausen - „Ich dachte, das wars.“ Der 81-Jährige hat schlimme Erinnerungen an den Abend des 28. November 2019. Damals wollte er Reparaturarbeiten in einer seiner Ferienwohnungen in Bad Orb im Main-Kinzig-Kreis verrichten. Doch bevor es dazu kam, wurde er von einem Gast aus Hamburg attackiert.

Dieser 45-Jährige musste sich deswegen jetzt wegen gefährlicher Körperverletzung vor dem Amtsgericht Gelnhausen verantworten. Die Staatsanwaltschaft Hanau hält ihm vor, dem Rentner mit Pfefferspray ins Gesicht gesprüht zu haben. Der Mann, der sich selbst als „nicht arbeitsfähig“ bezeichnete, nahm zu den Vorwürfen keine Stellung. Stattdessen gab sein Verteidiger eine Erklärung ab.

Main-Kinzig-Kreis: Feriengast sprüht Vermieter mit Pfefferspray an - kuriose Erklärung

Demnach hatte der Beschuldigte mit seiner Mutter in Orb eine Ferienwohnung des Geschädigten angemietet. Doch schon bald habe es Probleme gegeben, weil angeblich der Fernseher und die Waschmaschine nicht funktionierten. Seine Mutter habe sich daraufhin mehrmals im Touristenbüro beschwert. Dann kündigte der Vermieter seinen Besuch an, um zu reparieren. (Lesen Sie auch: Corona-Party im Main-Kinzig-Kreis gestoppt)

An dem Tattag sei der Angeklagte früh eingedämmert. Plötzlich sei er durch Stimmen und Schreie wach geworden. Seine Mutter sei an sein Bett gekommen und habe gerufen: „Da ist ein Einbrecher.“ Also sei er aufgestanden und zur Eingangstür gegangen. „In Panik“ habe er dann auf den Mann das Reizgas gesprüht.

Ganz anders die Sichtweise des Geschädigten. Er sei den beiden Feriengästen von Anfang an freundlich begegnet. Da sie ohne eigenes Auto angereist waren, habe er sie nach der Ankunft hilfsbereit zu einem Supermarkt gefahren, damit sie sich Dinge des täglichen Bedarfs besorgen konnten. Dann habe es nicht lange gedauert, bis die Beschwerde über angeblich defekte Geräte eingegangen sei – wobei es eine Waschmaschine in der Wohnung gar nicht gebe.

Er habe zeitnah zurückgerufen und sich beim Sohn erkundigt. Dieser habe angegeben, es sei alles in Ordnung. Doch die Mutter beschwerte sich weiter, sodass ihn die Kurverwaltung mahnte, er möge die Missstände beheben. Schließlich kam man überein, am Tattag in der Wohnung nach den Mängeln zu schauen.

Er habe aber ausdrücklich gesagt, dass es später werden könne, was für die Mutter angeblich kein Problem war. Zusammen mit seiner Frau fuhr der 81-Jährige dann gegen 20.30 Uhr zur Wohnung, wo noch Licht gebrannt habe, auf Klingeln aber niemand öffnete. Auf Rufen habe die 72-jährige Hamburgerin geantwortet, sie „empfängt heute keine Gäste mehr“.

Der Vermieter machte sich jedoch Sorgen um den Sohn, der sein Ansprechpartner war und von dem er seit Stunden nichts gehört hatte. Auf seine Bitte, diesen sprechen zu dürfen, ging das Licht in der Wohnung aus und alles wurde still. Um nicht vergeblich rund 60 Kilometer nach Orb angereist zu sein, kündigte der 81-Jährige nach eigenen Angaben laut an, dass er nun die Tür aufschließe.

Video: Es gibt nur eine Art, wie Sie Pfefferspray richtig einsetzen

Kaum hatte er das getan und die Tür etwas aufgestoßen, habe ihn der Angeklagte mit dem Pfefferspray attackiert. Der Angriff sei so heftig gewesen, dass er nichts mehr sehen konnte. Auch seine Frau bekam etwas ab. Beide mussten anschließend in eine Fachklinik, zumal der 81-Jährige ohnehin ein Augenleiden hat. Das Opfer war sich sicher, dass der Hamburger ihn im Licht eines Außenstrahlers erkannt hat.

Dennoch habe er mit einem „Mordsgerät“ einen heftigen Strahl auf ihn gerichtet. Die Ärzte diagnostizierten bei beiden Augen von ihm Verbrennungen von Binde- und Hornhaut. In der Wohnung waren so viele Rückstände des Reizstoffes, dass eine Fachfirma Wand und Boden reinigen musste. Seine Frau bestätigte die Angaben.

Die Mutter des Angeklagten räumte ein, den Mann an der Tür als den Vermieter erkannt zu haben. Das Spray haben sie und ihr Sohn stets „wegen Wildschweinen“ dabei. Richterin Sarah Lehmann vertagte die Entscheidung. Bei einem weiteren Termin will sie einen Mitarbeiter der Bad Orber Kurverwaltung sowie einen Polizeibeamten als Zeugen hören. (ls) 

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