Eine Statue der Justitia hält eine Waage
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Eine Firmen-Inhaberin aus Schlüchtern muss sich aktuell vor dem Amtsgericht in Gelnhausen verantworten. (Symbolfoto)

Frau aus Schlüchtern vor Gericht

Fast 100.000 Euro Schaden: 54-Jährige soll Arbeitnehmer-Beiträge nicht bezahlt haben

Es geht um eine gewaltige Summe Geld: Fast 95.000 Euro soll die Inhaberin einer Schlüchterner Firma in der Zeit von Februar 2015 bis Oktober 2018 an Arbeitnehmer-Beiträgen für Sozialversicherungen von zwei Mitarbeitern nicht abgeführt haben.

Schlüchtern - Das wirft jedenfalls die Staatsanwaltschaft Hanau der 54-Jährigen aus dem Main-Kinzig-Kreis vor. Im Juristendeutsch heißt das: Vorenthaltung und Veruntreuung von Arbeitsentgelt.

Die Frau ließ den Vorwurf jetzt vor dem Amtsgericht Gelnhausen durch ihre Verteidigerin zurückweisen. Ihre Mandantin sei im festen Glauben gewesen, die beiden Arbeiter seien selbstständig tätig. Deswegen hätten sie auch regelmäßig für ihre Tätigkeiten Rechnungen geschrieben. Für die Beantwortung weiterer Fragen stand die Angeklagte nicht zur Verfügung. Sie habe Angst, mit Aussagen ihren Lebensgefährten mit in die Sache hineinzuziehen, begründete die Anwältin. (Lesen Sie auch: Main-Kinzig-Kreis: 71-Jähriger verprügelt - Zeitungsleser erkennt Phantombild)

Main-Kinzig-Kreis: Firmen-Inhaberin wird 100.000-Euro-Betrug vorgeworfen

Also musste sich Richter Wolfgang Ott auf Zeugen konzentrieren, eben die beiden Mitarbeiter. Sie waren eigens für ihre Aussage aus ihrem baltischen Heimatland die rund 1700 Kilometer weite Strecke angereist.

Die 44 und 49 Jahre alten Männer gaben über eine Dolmetscherin Einblicke in ihr berufliches Tun. Sie seien von dem Schlüchterner Unternehmen regelmäßig in Deutschland auf Baustellen geschickt worden, um bei Neubauten den Innenausbau vorzunehmen. Fliesen legen, Rigipsplatten stellen, Böden verlegen – in allen Arbeiten waren sie firm. Dabei benutzten sie eigenes Werkzeug, aber teilweise ein Fahrzeug der Firma aus dem Bergwinkel. Meist seien sie hier rund sechs Wochen tätig gewesen, um dann wieder zwei Wochen bei ihren Familien in Osteuropa zu verbringen.

Bei ihrer Tätigkeit, so gaben sie an, hätten sie vorwiegend Kontakt mit dem Lebensgefährten der Frau gehabt und weniger mit ihr selbst. Ihre Arbeitsstunden hätten sie regelmäßig aufgeschrieben und dem Mann übermittelt. Die dem Gericht vorliegenden Rechnungen hätte dieser dann angefertigt. Sie selbst seien dazu aufgrund von Sprachschwierigkeiten nicht in der Lage gewesen.

Eine vom Amtsgericht geplante Einstellung des Strafverfahrens scheiterte am Veto der Staatsanwaltschaft. Daher vertagte Richter Ott zunächst das Verfahren. Die Anklagebehörde solle nun die Rolle des Lebensgefährten in dem Sachverhalt klären. Möglicherweise werde dann auch gegen ihn ein Ermittlungsverfahren eingeleitet.

Das Schlüchterner Unternehmen ist übrigens mittlerweile in der Insolvenz, wie am Rande der Verhandlung bekannt wurde. (ls)

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