Zahlreiche Hinweise deuten darauf hin, dass die Frau im Literaturcafé von ihrem Ehemann getötet wurde.
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Zahlreiche Hinweise deuten darauf hin, dass die Frau im Literaturcafé von ihrem Ehemann getötet wurde.

Damit habe niemand gerechnet

Tote in Steinau und Toter in Bad Orb: Tragisches Ende „andauernder Gewalt“

  • VonMarah Naumann
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  • Walter Kreuzer
    Walter Kreuzer
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Noch ist nicht offiziell bestätigt, dass der Ehemann der Frau, die am Donnerstag im Literaturcafé in Steinau Opfer eines Tötungsdelikts wurde, auch der Täter ist. Zahlreiche Hinweise deuten jedoch darauf hin. Demnach war das Opfer schon seit langer Zeit psychischer und physischer Gewalt durch den Ehemann ausgesetzt.

Steinau/Bad Orb - Der 68-jährige Mann, der am Donnerstagmorgen ebenfalls tot in einem Waldstück bei Bad Orb gefunden wurde, war im April wegen eines versuchten Tötungsdelikts an seiner Frau in Seidenroth festgenommen worden. Er soll die 52-Jährige am Abend des 1. April gewürgt und ihr ein Kissen auf das Gesicht gedrückt haben. Die Frau hatte aus dem Haus flüchten können. Der Mann war von Spezialeinsatzkräften festgenommen worden.

Die Waffen, die damals gefunden wurden, wurden einbehalten. Woher der Mann die Waffe hatte, mit der er sich am Donnerstag selbst getötet haben soll, ist unklar. Ob er im Besitz eines Waffenscheines war, konnte die Staatsanwaltschaft nicht sagen.

In der Pressemitteilung heißt es weiterhin, dass der Tatvorwurf damals nicht ausgereicht habe, um den Mann in Untersuchungshaft bringen zu können. Dass der 68-Jährige damals nicht zum ersten Mal gegen seine Ehefrau gewalttätig wurde, berichtete am Freitag eine Verwandte der beiden Toten, auf ihrem Twitter-Account. Sie stammt aus dem Main-Kinzig-Kreis, lebt mittlerweile aber nicht mehr dort.

Main-Kinzig-Kreis: Frau in Steinau getötet - Tragisches Ende „andauernder Gewalt“

In ihren Tweets, die sie mittlerweile wieder gelöscht hat, schilderte sie, dass ihre Tante bereits vor der Tat „andauernder psychischer Gewalt“ ausgesetzt war. Das Ehepaar hatte zuletzt getrennt gelebt. Weiterhin berichtete die Nichte via Twitter, dass die 52-jährige Frau und deren Tochter eine dauerhafte gerichtliche Verfügung gegen den Täter erwirkt hatten, die ihm verbot, sich ihnen zu nähern.

Um ihrer Cousine die Bestattungskosten für den mutmaßlichen Mörder ihrer Mutter zu ersparen, startete die Nichte der Toten am Freitag einen Spendenaufruf. Dabei kamen bereits am Freitag mehr als 2500 Euro zusammen.

„Wenn drei Mal in der Woche ein Polizeiauto in Seidenroth zu sehen ist, dann ist das außergewöhnlich. Sie hat regelmäßig kontrolliert“, äußert sich Seidenroths Ortsvorsteher Peter Spielmann. „Jeder im Dorf ist überrascht. Mit einer solchen Tat hat niemand gerechnet.“ Die Vorgeschichte mit dem Einsatz von Spezialkräften der Polizei sei bekannt gewesen.

Zeugin sieht „älteren Mann mit grauen Haaren“ in der Nähe des Cafés

Der Mann habe sich eine „Wohnung im Unterdorf genommen“, nachdem er sich in der Folge der Würgeattacke im Frühjahr dem Haus seiner Frau nicht mehr nähern durfte. In der Folge hatte er von der Stadt „in unserer Obdachlosenunterkunft in Bellings eine Wohnung zugewiesen bekommen“, berichtet Bürgermeister Christian Zimmermann (parteilos). Der Mann sei „mit der Polizei in seinem Haus gewesen, um Sachen zu holen. Nach ein paar Tagen war er nicht mehr bei uns“. Da hatte er offenbar die neue Bleibe in Seidenroth gefunden. Alle Maßnahmen haben nicht gefruchtet, wie sich am Donnerstag auf schreckliche Weise herausstellte.

Wann und wie die Frau getötet wurde, dazu wollte sich Oberstaatsanwalt Dominik Mies nicht äußern – unter Verweis auf die Obduktion, die etwa zeitgleich in Frankfurt vorgenommen wurde. Allerdings wurde am frühen Mittwochmorgen gegen 5.30 Uhr am ehemaligen Privatmuseum, das sich in der Brüder-Grimm-Straße in Nähe des Cafés befindet, ein „älterer Mann mit grauen Haaren“ gesehen. Die Zeugin, die mit ihrem Hund unterwegs war, hat „sich nichts dabei gedacht“. Ob diese Person überhaupt etwas mit dem Tötungsdelikt zu tun hat, ist bislang unklar.

Literaturcafé in Steinau bleibt vorerst geschlossen

An beiden Tatorten seien „umfangreiche kriminalpolizeiliche Maßnahmen“ getroffen worden. Die getötete Frau war seit drei Jahren als „Backfee“ im Literaturcafé beschäftigt. Ihre Arbeitszeit war in der Regel in den Morgenstunden, ehe das Café öffnete – so dürfte es auch Donnerstagfrüh gewesen sein. Das Auto des Opfers war auf dem Parkplatz hinter der Volksbank-Filiale nur wenige Schritte entfernt abgestellt. Der Tatort ist von der Polizei versiegelt worden.

Außer von der Brüder-Grimm-Straße aus gibt es einen rückwärtigen Zugang über die Märzgasse und einen Hof, wo seither Gäste an mehreren Tischen bewirtet wurden. Dort sollte am Samstag, 10. Juli, ein Konzert mit der Sängerin Uta Desch stattfinden. Dieses wird „aus Gründen, die sicherlich nachzuvollziehen sind, nicht stattfinden. Auch das Café bleibt vorläufig geschlossen, bis wir wissen, wie wir weitermachen wollen“, teilte Inhaberin Kirsten Ranft per E-Mail mit.

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