Frauenparkplatz-Schild in Eichstätt
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Ob die Frauenparkplätze in Schlüchtern in Zukunft wie in Eichstätt (Bayern) in der Farbe Pink ausgewiesen werden, ist wohl zu bezweifeln.

Auf Antrag der Grünen

Schlüchtern will Frauenparkplätze einrichten - Ein Irrtum hält sich hartnäckig

  • Ann-Katrin Hahner
    vonAnn-Katrin Hahner
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  • Alexander Gies
    Alexander Gies
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Die Stadt Schlüchtern im Main-Kinzig-Kreis will an vier Stellen in der Stadt und am Bahnhof Frauenparkplätze einführen um für ein erhöhtes Sicherheitsgefühl zu sorgen. Ein Irrtum bezüglich Frauenparkplätzen hält sich jedoch hartnäckig.

Schlüchtern - Dass in der Stadt im Main-Kinzig-Kreis in Zukunft neue Frauenparkplätze entstehen sollen, wurde zuletzt bei der Stadtverordnetensitzung auf Antrag der Grünen einstimmig beschlossen. Lediglich die FDP enthielt sich. Konkret soll der Bürgermeister als Ortspolizeibehörde an vier Punkten in Schlüchtern Stellflächen für Frauen ausweisen. Diese befinden sich am Untertor, an der Stadthalle, An den Lindengärten (Gama) und in der Grabenstraße.

Da Bürgermeister Matthias Möller (parteilos) die Einführung von Frauenparkplätzen am Bahnhof nicht selbst veranlassen kann, soll er beim Eigentümer darauf hinwirken, dass auch dieser Frauenparkplätze anlegt. Bei Frauenparkplätzen handelt es sich klassisch um Parkplätze, die gut ausgeleuchtet und einsehbar sind. Oft würden sie auch von Kameras überwacht.

Main-Kinzig-Kreis: Stadt Schlüchtern will Frauenparkplätze einführen - Ein Irrtum hält sich hartnäckig

Die Grünen hatten argumentiert, aus Angst, belästigt oder bedroht zu werden, würden viele Frauen bestimmte öffentliche Räume - sogenannte Angsträume - gerade abends und nachts meiden. Auch die genannten Bereiche seien bislang entweder mäßig beleuchtet, zu abgelegen oder unübersichtlich, heißt es in der Begründung der Partei. Frauenparkplätze könnten hingegen „das subjektive Sicherheitsgefühl beim Parken in Abend-und Nachtstunden heben und Angsträume für Frauen gar nicht erst entstehen lassen“. (Lesen Sie hier: Geldbotin in Schlüchterner Bankfiliale überfallen)

Was allerdings vielen Autofahrern nicht bekannt ist: Auf Frauenparkplätzen dürfen nicht nur Frauen parken. Denn die Deutsche Straßenverkehrsordnung kennt keine Frauenparkplätze. Ein Strafzettel winkt Männern also nicht, wenn sie diese benutzen, weil beispielsweise kein anderer Platz in einem Parkhaus oder einer Straße frei ist. Wie eine Umfrage der R+V24-Direktversicherung aus dem Jahr 2019 zeigte, ist sich über die Hälfte der Befragten (57 Prozent) dieser Tatsache allerdings nicht bewusst.

Frauenparkplätze: Parken für Männer nicht verboten - Streit vor Münchner Gericht

„Es ist zwar wenig rücksichtsvoll, wenn Männer auf diesen Plätzen parken,“ sagte Anka Jost (KFZ-Expertin bei R+V24) damals zu der Umfrage. „Eine Ordnungswidrigkeit gemäß Straßenverkehrsordnung ist es jedoch nicht.“ Allerdings könne der Betreiber eines Parkhauses und -platzes von seinem Hausrecht Gebrauch machen und Hausverbot erteilen, weil die Parkenden gegen die Nutzungsordnung verstoßen. Gleiches gelte im Übrigen für Mutter-Kind-Parkplätze., die bei Supermärkten zu finden sind. Wer hier aus Bequemlichkeit parke, riskiere keinen Strafzettel - könne aber des Parkplatzes verwiesen werden.

Video: Was mache ich, wenn nur noch ein Frauenparkplatz frei ist?

Dass die Einführung von Frauenparkplätzen im öffentlichen Raum manches Mal sogar zu Streit führen kann, zeigte sich im Jahr 2019 im bayerischen Eichstätt. Damals kam es zwischen der Stadt und einem Jurastudenten zum Rechtsstreit. Der damals 26-Jährige warf der Stadt vor, mit der Einrichtung der Frauenparkplätze Männer und Frauen gleichermaßen zu diskriminieren. (Lesen Sie hier: Schlüchtern - So soll der Riedbachweg sicherer werden)

Seine Erklärung zur Diskriminierung der Frauen: Mit Frauenparkplätzen würde man suggerieren, dass Frauen nicht so weit laufen könnten und schutzbedürftig seien. „Diese Parkplätze suggerieren, dass öffentliche Sicherheit primär für Frauen gilt. Bedeutet das, dass Frauen ein größeres Recht auf Sicherheit haben als Männer?“, fragte der Student aus dem Rheinland damals. Die Klage wurde vor dem Verwaltungsgericht in München verwandelt - am Ende einigten sich jedoch sowohl Stadt als auch Kläger.

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