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Bergfried am Schloss Steinau - Vom Geheimnis des Türmerzimmers

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Von: Walter Kreuzer

Der Turm des Steinauer Schlosses hat im Laufe der Jahrhunderte sein Aussehen mehrfach verändert.
Der Turm des Steinauer Schlosses hat im Laufe der Jahrhunderte sein Aussehen mehrfach verändert. © Walter Kreuzer

Zu einer mittelalterlichen Burg gehört ein Bergfried, ein Turm also. Aber zu einem Schloss? In Steinau ist das der Fall – und der Turm hat für den Besucher so manche Überraschung und Geheimnis zu bieten.

Steinau - Bevor es an den Aufstieg geht, erläutert Schlossverwalter Martin Kohlhaas die wechselvolle Baugeschichte des Steinauer Bergfrieds (Main-Kinzig-Kreis). Ein solcher durfte in der um 1200 errichteten Burganlage nicht fehlen. Schließlich galt es, die Stadt gegen Feinde zu verteidigen – und von wo aus hätte man diese sonst am ehesten entdecken sollen. Kohlhaas: „Der Bergfried war auch der letzte Rückzugsort der Burgbesatzung. 1571, einige Jahrzehnte nach dem Umbau der Burg zu einem Schloss, wurde ein Treppenturm angebaut.“

Dieser ist etwa 18 Meter hoch und reicht bis dahin, wo einst der Eingang zum Turm gewesen ist. „Bei einer Belagerung wurde die Leiter eingezogen. Bis dahin reicht heute auch die Sandsteintreppe. Die später entstandenen drei Stockwerke verfügen über Holztreppen“, erzählt Kohlhaas.

Main-Kinzig-Kreis: Geheimnis im Türmerzimmer vom Schloss Steinau

Auf dem Weg nach oben fällt etwas anderes auf: Im Treppenturm sind die Wände weniger als einen halben Meter stark. Weiter oben im eigentlichen Bergfried haben sie locker die doppelte Stärke.

Ganz oben – nach 176 Stufen und in der luftigen Höhe von 41 Metern – befindet sich die Türmerwohnung. Ganze 15 Quadratmeter misst diese. Immerhin verfügte sie über einen Ofen sowie Fenster, und der Türmer erhielt einen Mantel gestellt, wie ein Foto in dem Raum zeigt. Kohlhaas: „Man kann sich vorstellen, dass es einige Zeit gedauert hat, wenn Ersatz notwendig wurde.“

Vom Schlossturm aus konnte Blickkontakt gehalten werden. Hierzu gibt es einen Rundgang, in dessen Mitte die Stube zu finden ist. Zur Bellinger, Marborner, Seidenröther und Ohlwarte sind es Luftlinie jeweils etwa zwei Kilometer, zwischen den einzelnen Warten dürfte der Abstand etwa vier bis fünf Kilometer betragen. (Lesen Sie hier: „Grünes Licht“ für „Grünen Baum“ - Traditionslokal in Steinau hat neue Eigentümerin)

Gefahr aus der Ferne? Glocke warnte Stadtbewohner

Bei Gefahr wurde sich über Signale verständigt. Und die Stadtbewohner wurden mit der Glocke im Dach gewarnt. Bis vor einigen Jahrzehnten war der außenliegende Gang offen. Längst ist er geschlossen, und der Turm erhielt ein neues Dach zum Schutz vor der Witterung.

In einer Ecke steht ein Holzstuhl. Dieser ist neueren Datums und von dem Verwalter eigenhändig gezimmert. „Das ist der Thron. Wir beteiligen uns im Mai immer am Museumstag. Dann bieten wir Märchenlesungen hier oben an – und der Erzähler sitzt auf diesem Stuhl“, verrät er das Geheimnis der Türmerstube. Für die Zuhörer gibt es Sitzkissen, das Licht wird gedimmt, und dann wird den Geschichten der Brüder Grimm gelauscht.

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