Strafgesetzbuch auf einem Tisch während einer Verhandlung
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Die 51-jährige Angeklagte wurde zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. (Symbolfoto)

Gericht in Gelnhausen

51-jährige Mutter muss ins Gefängnis: Immer wieder Diebstähle und Verkehrsdelikte

Richterin Sarah Lehmann sah für die 51-Jährige keinen Spielraum mehr und verurteilte die Frau aus Schlüchtern wegen Diebstahls und Fahrens ohne Fahrerlaubnis zu einer achtmonatigen Haftstrafe ohne Bewährung. Außerdem verhängte sie eine einjährige Führerscheinsperre.

Schlüchtern - Bis dieses Urteil zustande kam, bedurfte es allerdings einiger Anstrengungen seitens der Justiz. Mehrfach war eine Gerichtsverhandlung anberaumt. Doch die Hausfrau und Mutter erschien nicht. Dann sollte sie polizeilich vorgeführt werden. Doch das ging im ersten Anlauf auch schief. Die Beamten fanden die 51-Jährige in gesundheitlich bedenklichem Zustand in ihrer Wohnung, sodass es damals nicht zu Gericht, sondern ins Krankenhaus ging. Dieses Mal klappte das Vorhaben. Zwei Schlüchterner Polizeibeamte brachten die Beschuldigte ins Amtsgericht Gelnhausen im Main-Kinzig-Kreis.

Wegen gleich drei Anklagen musste sie sich verantworten. So hatte sie in den Abendstunden des 12. Oktober 2019 in einem Schlüchterner Einkaufsmarkt Waren im Wert von fast 50 Euro eingesteckt und den Laden verlassen, ohne zu bezahlen. Ein aufmerksamer Kunde hatte das beobachtet und Mitarbeiter informiert. Die konnten die Dame auf dem Parkplatz stellen und einen Fluchtversuch unterbinden. (Lesen Sie hier: 19-jährige Dealerin wegen Drogenverkaufs vor Gericht verwarnt)

Main-Kinzig-Kreis: 51-jährige Mutter muss ins Gefängnis

Am 18. Dezember 2020 war die Frau von einer Polizeistreife am Steuer eines Autos in der Wassergasse angehalten worden. Dabei hatte sich herausgestellt: Führerschein nicht vorhanden, dafür Drogen im Blut. Dritter Anklagepunkt: Als sich die Frau zu einem früheren Zeitpunkt schon einmal vor Gericht verantworten sollte, hatte sie bei der Justiz und ihrem Anwalt ein Attest vorgelegt, wonach sie nicht verhandlungsfähig sei. Erst später war aufgefallen: eine Fälschung. Zwar hatte sie von ihrem Schlüchterner Hausarzt ein solches Schriftstück erhalten, allerdings in anderem Zusammenhang. Die Verhandlungsunfähigkeit hatte sie auf dem Dokument selbst ergänzt.

Den Vorwurf der Urkundenfälschung stellte das Gericht mit Blick auf das Gesamturteil ein. Bei den beiden anderen Vorwürfen legte die 51-Jährige ein Geständnis ab. Die Angeklagte ist in ihrem Leben schon häufig mit dem Gesetz in Konflikt geraten. 13 Eintragungen gibt es in ihrem Strafregister, häufig Diebstähle und Verkehrsdelikte. „Meistens nehme ich Sachen mit, die ich gar nicht benötige“, sagte sie. Diese verschenke sie anschließend im Bekanntenkreis. Ihr Verteidiger mutmaßte, dass es sich dabei um Kleptomanie handeln könnte.

Verteidiger der 51-Jährigen vermutet Kleptomanie

Lange Zeit habe sie ihre Probleme verdrängt, bekannte sie. Erst in jüngster Zeit wachse bei ihr die Einsicht über das Fehlverhalten. Deswegen sei sie vor Kurzem auch erstmals bei einem Psychiater gewesen. Die ganze Sache empfinde sie als „unangenehm und beschämend“. Mittlerweile habe sie nach eigenen Angaben ihre Alkoholsucht allein in den Griff bekommen und lebe seit Jahren abstinent. Ihre Therapie: Sie habe zeitaufwendig ihre dunkelbraune Terrasse weiß gestrichen. Auch Drogen nehme sie seit einigen Monaten keine mehr.

Für die Richterin wog schwer, dass die 51-Jährige zu den Tatzeiten zweifach wegen anderer Verurteilungen bereits unter Bewährung stand. Wegen eines einzigen Termins bei einem Psychiater sei keine tiefgreifende Änderung ihres Lebens ersichtlich. Deswegen komme nur eine Gefängnisstrafe in Betracht. Gleichlautend plädierte auch der Vertreter der Staatsanwaltschaft Hanau. Anders ihr Verteidiger, der von einer „Sonderkonstellation“ sprach und Bewährung forderte. Seine Mandantin ändere ihr Leben, glaubte er. Allerdings sind noch zwei weitere Anklagen gegen die Frau anhängig. (ls)

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