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Mobile Wand aus Plastik statt vieler Sandsäcke: Gründau kauft Hochwasserschutz für Bürger

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Ramona Ott demonstriert, wie schnell das mobile Hochwasserschutzsystem aufgestellt werden kann.
Ramona Ott demonstriert, wie schnell das mobile Hochwasserschutzsystem aufgestellt werden kann. © H. Schricker

Starkregen sorgen im Bergwinkel immer wieder für Überschwemmungen mit hohen Schäden. Gründau setzt jetzt auf ein mobiles Hochwasser-Schutzsystem.

Gründau - Das mobile System, „Boxwall“ genannt, besteht aus Winkelbauteilen aus Polypropylen. Es wurde in Schweden entwickelt und wird dort hergestellt. Die Elemente sind sehr schnell aufgebaut und erhalten ihre Stabilität durch das aufgestaute Wasser. Im Vergleich zu Sandsäcken hat das System den Vorteil, dass es immer wieder verwendet werden kann. Außerdem ist es bedeutend leichter zu transportieren.

Es wird bei der örtlichen Feuerwehr auf Rollwagen gelagert, die jeweils Bauteile für eine 23 Meter lange Schutzwand enthalten. Sie ersetzen damit etwa 800 Sandsäcke, die in neun Gitterboxen transportiert werden müssten. Jedes Element mit 50 Zentimetern Höhe und einer Länge von 90 Zentimetern wiegt sechs Kilogramm.

Main-Kinzig-Kreis: Gründau kauft mobilen Hochwasserschutz für Bürger

Da der Hersteller nur ganze Paletten mit 26 Bauteilen für 23 Meter anbietet, sollen in Gründau (Main-Kinzig-Kreis) Sammelbestellungen für interessierte Bürger ermöglicht werden. Die komplette Palette kostet 3500 Euro netto, eine Wand für sechs Meter würde dann bei etwa 900 Euro netto liegen.

„Damit kann man schon eine Hofeinfahrt und das eine oder andere Kellerfenster schützen“, sagt der Gründauer Gemeindebrandinspektor Gerd Wiegand. „Und jeder sollte doch das Interesse haben, sein persönliches Hab und Gut so gut wie möglich zu schützen“. (Lesen Sie hier: Hochwasserschutz: Positive Signale aus Kassel? Hünfeld hofft auf Teilgenehmigung für Grabensystem)

Daneben gibt es 30-Grad-Bögen für Innen- und Außenkurven. Mit zusätzlich verschraubten Bauteilen können Höhenunterschiede wie Bordsteine überbrückt und Wandanschlüsse hergestellt werden. Das System ist sehr einfach in der Handhabung. Zwei geübte Personen können in einer Stunde eine etwa 200 Meter lange Wand stellen.

Mobile Wand aus Plastik statt vieler Sandsäcke

Zu einem ersten Einsatz kamen die von der Gemeinde angeschafften Bauteile bereits am 4. Januar 2021. Ein kleines Hochwasser drohte den Ortsberingweg in Hain-Gründau zu überfluten. Innerhalb von 15 Minuten waren eine 12 Meter lange Schutzwand aufgestellt und die Gefahr gebannt.

Nach diesem erfolgreichen Einsatz wurden weitere Mittel im Gemeindehaushalt eingestellt, um zusätzliche Bauteile anzuschaffen. Die Stadt Gelnhausen und weitere Nachbarkommunen sind ebenfalls an dem System interessiert. Dadurch könne man sich sehr gut gegenseitig ergänzen, berichtete der Gemeindebrandinspektor. (hac)

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