Blick von der Kaiserpfalz auf die Marienkirche - Gelnhausen ist die Kreisstadt des Main-Kinzig-Kreises
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Blick von der Kaiserpfalz auf die Marienkirche - Gelnhausen ist die Kreisstadt des Main-Kinzig-Kreises

Alles zum Landkreis in Hessen

Main-Kinzig-Kreis: Einwohner, Sehenswürdigkeiten, Brüder Grimm, Politik und Corona - Ein Überblick

  • Sabine Kohl
    vonSabine Kohl
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Wie groß ist der Main-Kinzig-Kreis? Wie viele Einwohner hat er? Warum will die Stadt Hanau kreisfrei werden? Welche Sehenswürdigkeiten gibt es? Alle wichtigen Informationen zum Main-Kinzig-Kreis und der Stadt Hanau auf einen Blick.

Main-Kinzig-Kreis - Der Main-Kinzig-Kreis (MKK) ist der Landkreis des Bundeslandes Hessen mit den meisten Einwohnern. 421.965 Menschen (Stand: 30. September 2020) leben in dem 1397 km2 großen Gebiet zwischen der Stadt Frankfurt am Main im Süden und dem Landkreis Fulda im Norden. Auf einem Quadratkilometer Fläche leben damit durchschnittlich 301 Menschen. Gegründet wurde der Main-Kinzig-Kreis nach der Gebietsreform in Hessen im Jahr 1974. Er entstand durch die Zusammenlegung der ehemaligen Landkreise Schlüchtern, Gelnhausen und Hanau sowie der Stadt Hanau.

Kreisstadt des Main-Kinzig-Kreises ist die Barbarossastadt Gelnhausen. Seit dem 18. Juni 2017 ist Thorsten Stolz (SPD) Landrat des Main-Kinzig-Kreises. Er trat die Nachfolge von Erich Pipa, ebenfalls SPD, an, der das Amt seit 2005 innegehabt hatte.

Der Main-Kinzig-Kreis ist der Landkreis Hessens mit den meisten Einwohnern

Der Main-Kinzig-Kreis teilt sich in 12 Städte und 17 Gemeinden auf. Die größte Stadt des MKK ist die Sonderstatus-Stadt Hanau („Brüder-Grimm-Stadt“) mit 99.359 Einwohnern (Stand: 31. Dezember 2020). Es folgen die Städte Maintal, Gelnhausen („Barbarossastadt“), Nidderau, Bruchköbel, Schlüchtern, Erlensee, Langenselbold, Bad Soden-Salmünster, Wächtersbach, Steinau an der Straße und Bad Orb. Die 17 Gemeinden sind Biebergemünd, Birstein, Brachttal, Flörsbachtal, Freigericht, Großkrotzenburg, Gründau, Hammersbach, Hasselroth, Jossgrund, Linsengericht, Neuberg, Niederdorfelden, Rodenbach, Ronneburg, Schöneck und Sinntal.

LandkreisMain-Kinzig-Kreis
BundeslandHessen
Größe (Einwohner)421.965 (Stand: 30. September 2020)
Fläche1.397,55 km2
KennzeichenMKK und HU
LandratThorsten Stolz (SPD)

Main-Kinzig-Kreis und der „Huxit“: Hanau will zum 1. Januar 2022 kreisfrei werden

Im August 2018 hat die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Hanau beschlossen, eine Auskreisung aus dem Main-Kinzig-Kreis anzustreben und damit kreisfrei zu werden. Die Initiative ist mittlerweile unter dem Namen „Huxit“ bekannt. Die Kreisfreiheit ist zum 1. Januar 2022 angestrebt, zustimmen muss der hessische Landtag. Eine Auskreisung ist laut hessischer Gemeindeordnung ab einer Einwohnerzahl von 100.000 Einwohnern möglich. Die Verhandlungen zwischen der Stadt Hanau sowie dem Main-Kinzig-Kreis sind wegen der Corona-Pandemie allerdings zwischenzeitlich ausgesetzt worden. Wie die Stadt Hanau auf ihrer Internetseite mitteilt, sieht Hanau sich weniger als Teil des ländlich geprägten Main-Kinzig-Kreises, sondern fühlt sich in ihren Bedürfnissen als Quasi-Großstadt eher der Metropolregion Rhein-Main zugehörig. Als kreisfreie Stadt möchte sie alle wesentlichen kommunalen Aufgaben direkt vor Ort erledigen.

Beim Anschlag von Hanau hat der 43-jährige Deutsche Tobias R. am Abend des 19. Februar 2020 neun Menschen mit Migrationshintergrund in der Hanauer Innenstadt erschossen. Anschließend erschoss der Täter in seiner Wohnung zunächst seine Mutter und dann sich selbst. Die Tat mit rassistischem Hintergrund hat in ganz Deutschland für Aufmerksamkeit gesorgt. Zum ersten Jahrestag der Tat am 19. Februar 2021 haben Tausende Menschen der neun Opfer gedacht, unter anderem im Netz unter dem Hashtag #saytheirnames gedacht. Bei der offiziellen Trauerfeier war auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier anwesend.

Am 19. Februar 2020 hat ein Attentäter mit rassistischem Motiv 9 Menschen in Hanau ermordet. Zum ersten Jahrestag am 19. Februar 2021 gedachten viele Menschen der Opfer.

Main-Kinzig-Kreis: Ein Landkreis, geprägt von den Flüssen Main und Kinzig

Seinen Namen hat der Main-Kinzig-Kreis von den Flüssen Main und Kinzig. Die Kinzig ist ein Nebenfluss des Mains und mündet bei Hanau in diesen. Die 86 Kilometer lange Kinzig entspringt in Sinntal-Sterbfritz und durchfließt den Main-Kinzig-Kreis von Nordosten nach Südwesten. Ebenfalls durch den Main-Kinzig-Kreis verläuft die Autobahn 66, die das Rhein-Main-Gebiet mit dem Landkreis Fulda verbindet. Den westlichsten Punkt des Main-Kinzig-Kreises bildet Maintal-Bischofsheim, den östlichsten Sinntal-Oberzell. Mit Birstein als nördlichster Gemeinde ragt der Main-Kinzig-Kreis in den Vogelsberg hinein, im Südosten mit Flörsbachtal in den bayerischen Spessart.

Das Wappen des Main-Kinzig-Kreises ist dreigeteilt und setzt sich aus den Symbolen der ehemaligen Altkreise Hanau, Gelnhausen und Schlüchtern zusammen. Der Schwan auf rotem Grund in der oberen Hälfte des Wappens entstammt dem Wappen des Altkreises Hanau und symbolisiert das Geschlecht der Herren von Hanau. Der schwarze Adler auf gelbem Grund entstammt dem Altkreis Gelnhausen, die rot-gelben Balken rechts unten symbolisieren den sogenannten Huttenschen Balken der Herren von Hutten aus dem Altkreis Schlüchtern.

Die Nähe zur Metropole Frankfurt am Main sowie die damit verbundene Anbindung an das nationale und internationale Verkehrsnetz locken viele Unternehmen in den Main-Kinzig-Kreis. Mehr als 25.000 Unternehmen und Gewerbetreibende sind im MKK angesiedelt. Darunter befinden sich auch einige Firmen von Weltrang, darunter die Woco-Gruppe in Bad Soden-Salmünster, Goodyear Dunlop Reifen in Hanau oder das Unternehmen Engelbert Strauss, das erst im November 2019 ein großes Produktions- und Logistikzentrum für individuell gefertigte Schuhe an der A66 bei Schlüchtern eröffnet hat.

Main-Kinzig-Kreis: Heimat der Brüder Grimm

Der Main-Kinzig-Kreis ist eng mit den Brüdern Grimm verbunden. In Hanau wurden die Autoren der berühmten Sammlung der Kinder- und Hausmärchen, Jakob und Wilhelm Grimm, sowie deren Bruder, der Maler Ludwig Emil Grimm, geboren. In Steinau an der Straße sind sie aufgewachsen. In Hanau finden deshalb jedes Jahr von Mitte Mai bis Ende Juli die Brüder-Grimm-Festspiele statt. Ebenfalls in Hanau beginnt - am Brüder-Grimm-Denkmal auf dem Marktplatz - die Deutsche Märchenstraße. Sie führt über Steinau an der Straße bis nach Bremen, wo die berühmten Stadtmusikanten ihre Heimat haben.

Die Brüder Grimm, Jakob und Wilhelm, wurden in Hanau geboren. Ihr Denkmal steht auf dem Hanauer Marktplatz. Hier beginnt die Deutsche Märchenstraße.

Zu den Sehenswürdigkeiten in Steinau an der Straße gehört das Brüder-Grimm-Haus, in dem Jakob und Wilhelm Grimm von 1791 bis 1798 lebten. Heute ist das Gebäude ein Museum, in dem der Besucher einiges über Leben und Wirken der Brüder sowie ihre Herkunft erfährt. Steinau an der Straße ist außerdem bekannt für die seit 1993 jedes Jahr stattfindenden Steinauer Puppenspieltage. Das Programm erstreckt sich über zwölf Tage und findet vor den hessischen Herbstferien statt.

Auf dem Programm stehen Vor- und Nachmittagsveranstaltungen für Kindergärten, Schulen und Familien sowie Abendvorstellungen für Jugendliche und Erwachsene. 2020 mussten die Puppenspieltage wegen der Corona-Pandemie ausfallen. Bekannt als Puppenspielstadt wurde Steinau an der Straße durch die Familie Magersuppe, die bis 2017 das Puppentheater „Die Holzköppe“ betrieben hat. Im ehemaligen Marstall bietet nun das „Theatrium“ Puppentheater für Jung und Alt an.

Weitere kulturelle Veranstaltungen im Main-Kinzig-Kreis sind unter anderem die Opernakademie Bad Orb, die KulturWerkWoche in Schlüchtern oder der Kultursommer Main-Kinzig-Fulda. Der Kultursommer ist eine Reihe von Musik-, Theater-, Literatur-, Kunst- und Filmveranstaltungen, die alljährlich in den Sommermonaten ausgerichtet wird. Träger sind der Main-Kinzig-Kreis sowie der Landkreis Fulda.

Main-Kinzig-Kreis und Spessart: Ein Paradies für Naturliebhaber

Radwandern als Freizeitvergnügen ist auf vielen Strecken im Main-Kinzig-Kreis möglich. Das Bild entstand nahe der Ronneburg.

Landschaftlich liegt der Main-Kinzig-Kreis im hessischen Spessart. Wanderer, Radfahrer und Mountainbiker kommen hier auf ihre Kosten. Mitten durch den Main-Kinzig-Kreis führt etwa der hessische Radfernweg R3. Touristisch vermarktet wird die Region von der Spessart Tourismus GmbH. Spaß für Sportliche und Familien bieten etwa der Europa-Kletterwald Steinau mit seinen mehr als 100 Kletterelementen in 20 Meter Höhe sowie der Europaseilbahn, einer der längsten Seilrutschen Europas. Einige Fahrgeschäfte, aber vor allem jede Menge Tiere gibt es im Erlebnispark Steinau zu erleben. Weniger Streichel- als vielmehr wilde Tiere gibt es in den insgesamt fünf Wildparks des Main-Kinzig-Kreises zu bewundern.

Eine bekannte Sehenswürdigkeit im Main-Kinzig-Kreis ist die Teufelshöhle bei Steinau an der Straße. Zwischen April und Oktober ist die ältestes Schau- und Tropfsteinhöhle Hessens zur Besichtigung geöffnet. Die Kreisstadt des Main-Kinzig-Kreises, Gelnhausen, trägt den Namenszusatz „Barbarossastadt“. Friedrich I. Barbarossa, von 1155 bis 1190 Kaiser des Heiligen Römischen Reichs, gründete Gelnhausen im Jahr 1170. Gleichzeitig ließ er wohl auch die Kaiserpfalz anlegen, die nach ihrer Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg heute zwar nur noch in Ruinen existiert, aber dennoch eine der am besten erhaltenen Kaiserpfalzen in Deutschland ist.

Einmal im Jahr - hier 2019 - findet auf den Straßen entlang der Kinzig der Radlersonntag Kinzigtal total. (Archivfoto)

Einmal im Jahr ist das Kinzigtal für Autofahrer gesperrt. Traditionell am zweiten Wochenende im September findet die Radfahrer-Veranstaltung Kinzigtal Total statt. 80 Kilometer Bundes-, Landes- und Kreisstraßen im Main-Kinzig-Kreis entlang der Kinzig - von der Quelle in Sinntal-Sterbfritz bis zur Mündung in Hanau - sind dann allein den Radlern vorbehalten. Begleitet wird die Veranstaltung durch zahlreiche kulturelle Veranstaltungen entlang der Strecke.

Der Main-Kinzig-Kreis wartet außerdem mit dem längsten Eisenbahntunnel Deutschlands auf. Der 10,8 Kilometer lange Landrückentunnel gehört zur ICE-Strecke Fulda - Würzburg und beginnt in der Gemeinde Sinntal, genauer an der Hopfenmühle zwischen Mottgers und Weichersbach. Er endet in der Gemeinde Kalbach im Landkreis Fulda. Seit 1994 überspannt die 985 Meter lange Kinzigtalbrücke als Teil der A66 das Kinzigtal bei Bad Soden-Salmünster. Sie ist die längste Straßenbrücke Hessens.

Corona im Main-Kinzig-Kreis: Karl Ruhr aus Erlensee war der Erste, der geimpft wurde

In der August-Schärttner-Halle in Hanau war Heinrich Raab aus Neuberg am 9. Februar der erste Besucher, der die Corona-Impfung erhielt.

Wie den Rest der Welt hat das Coronavirus seit dem März 2020 auch den Main-Kinzig-Kreis geprägt. Mit dem deutschlandweiten Corona-Impfstart am 27. Dezember 2020 sind auch im Main-Kinzig-Kreis die ersten Impfungen in Alten- und Pflegeheimen durchgeführt worden. Der Erste, der geimpft wurde, war der 85-jährige Karl Ruhr aus Erlensee. Am 9. Februar haben dann die beiden Impfzentren im Main-Kinzig-Kreis geöffnet, die in Gelnhausen und Hanau angesiedelt sind. 180 Menschen in beiden Zentren zusammen wurden an diesem ersten Tag geimpft. Aktuelle Informationen zur Corona-Situation im Main-Kinzig-Kreis erhalten Sie auf unserer Website im Ressort Kinzigtal.

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