Durchsuchung im Main-Kinzig-Kreis

Weltweite Razzia gegen Drogenszene: Gruppe aus Hessen im Fokus der Polizei

Beamte von Zoll, Bundeskriminalamt (BKA) und Landeskriminalamt (LKA) haben am Montagmorgen in ganz Deutschland Gebäude durchsucht und Personen festgenommen, die dem Drogenmilieu zugerechnet werden - auch in Wächtersbach und Birstein. Das Landeskriminalamt in Wiesbaden spricht von einem „weltweiten Einsatz“.

+++ 11.28 Uhr: Die hessischen Ermittlungsbehörden nennen in einer Pressemeldung weitere Details zum Schlag gegen die organisierte Kriminalität: So sind am Montag allein in Hessen Dutzende Objekte durchsucht und mehr als 60 Personen festgenommen worden. Die Polizei stellte „zahlreiche Beweismittel“ sicher.

Im Fokus der Ermittler steht eine Gruppe aus dem Main-Kinzig-Kreis mit derzeit insgesamt 19 Beschuldigten im Alter von 25 bis 37 Jahren. Sie werden verdächtigt, bandenmäßig mit Drogen gehandelt zu haben. „Im Zuge der gestrigen Maßnahmen wurden Durchsuchungsbeschlüsse für über 30 Objekte der mutmaßlichen Tätergruppierung in Frankfurt am Main, Hanau, Friedberg, Offenbach, Mainz und Krefeld sowie im Main-Kinzig-Kreis, Wetteraukreis, Hochtaunuskreis, Main-Taunus-Kreis, Landkreis Darmstadt-Dieburg und im Kreis Bergstraße vollstreckt“, teilt die Polizei mit.

Hessen: Schlag gegen Drogenszene - Gebäude im Main-Kinzig-Kreis bei Razzia durchsucht

Die Beschuldigten wurden vorläufig festgenommen. Gegen fünf Personen bestehen bereits Haftbefehle des Amtsgerichts Hanau. Zwei der Beschuldigten wurden auf der Grundlage von Europäischen Haftbefehlen in den Regionen Alicante und Malaga in Spanien festgenommen. Sie sollen nun nach Deutschland ausgeliefert werden. Drei weitere Beschuldigte sollen am Dienstag dem Haftrichter in Hanau vorgeführt werden.

Das zweite große Ermittlungsverfahren in Hessen betrifft eine Tätergruppierung im Rhein-Main-Gebiet mit insgesamt 16 Beschuldigten im Alter von 24 bis 46 Jahren.

Insgesamt sind in Hessen am Montag rund 130 Objekten durchsucht und 60 Personen festgenommen worden. 1500 Einsatzkräfte waren beteiligt. Die Ermittler konnten insgesamt mehr als 120 Kilogramm Marihuana, 25 Kilogramm Haschisch, rund 6000 Cannabis-Pflanzen, drei Kilogramm Heroin, etwa ein Kilogramm Kokain sowie mehrere Schusswaffen, mehr als 30 hochwertige Fahrzeuge und Bargeld in Höhe von 250.000 Euro beschlagnahmt werden.

Durchsuchungen in Hessen: Polizei stellt Waffen, Drogen und Bargeld sicher

Update vom 8. Juni, 10.02 Uhr: Ermittler in Den Haag und in Hessen wollen am Dienstag über die Ergebnisse einer internationalen Razzia gegen die Drogenszene berichten. Dabei geht es um die festgenommenen Personen und die Hintergründe der großangelegten Ermittlungen gegen die Rauschgiftkriminalität.

Durchsuchungen hatte es sowohl in Europa unter der Koordination von Europol als auch außerhalb Europas gegeben. An der Pressekonferenz in Den Haag werden daher Vertreter von Europol, dem amerikanischen FBI sowie der Polizei aus den Niederlanden, Schweden und Australien teilnehmen.

Nach Angaben der australischen Bundespolizei AFP gab es in dem Land bisher mehr als 200 Festnahmen. Rund 3,7 Tonnen Drogen, mehr als 100 Waffen und 45 Millionen australische Dollar (etwa 22 Millionen Euro) in bar seien beschlagnahmt worden. Die Ermittlungen, bei denen die Kommunikation zwischen Mitgliedern der organisierten Kriminalität in Zusammenarbeit mit dem FBI überwacht wurde, dauerten demnach seit rund drei Jahren. Auch in Neuseeland wurden den dortigen Behörden zufolge 35 Menschen festgenommen.

Nach Razzia: Ermittler berichten über Festnahmen aus der Drogenszene

Erstmeldung vom 7. Juni, 14.54 Uhr:

Wächtersbach - Es ist ein internationaler Schlag gegen die Drogenszene: Alleine in Deutschland durchsuchten Einsatzkräfte ab Montagmorgen in einer großangelegten Razzia über hundert Wohnungen, Lagerhallen und Geschäftsräumen. Die internationale Operation, die in 16 Ländern gleichzeitig stattfand, war nach Europol-Angaben einzigartig. Nach Angaben des Landeskriminalamtes (LKA) in Wiesbaden gab es dabei Festnahmen, die Zahl wurde zunächst nicht bekannt. Es sei auch um Waffenbesitz gegangen. In Deutschland lag der Schwerpunkt der Ermittlungen mit teils schwer bewaffneten Einsatzkräften demnach in Hessen.

Neben Hessen wurde auch in Essen im Rahmen der weltweiten Razzia gegen Drogenkriminalität ein Bürogebäude durchsucht. Der Zoll und Beamte der Spezialeinheit GSG 9 waren im Einsatz.

„Erste Zahlen werden wir erst morgen veröffentlichen können, da die Einsätze aktuell noch laufen und sich immer wieder neue Objekte zur Durchsuchung ergeben können. Die Situation ändert sich minütlich“, erklärt Virginie Wegner von der Pressestelle des hessischen Landeskriminalamts in Wiesbaden am Vormittag auf Nachfrage unserer Zeitung.

Drogen-Razzia im Main-Kinzig-Kreis: Wohnhaus in Wächtersbach von Durchsuchung betroffen

Bei den groß angelegten Durchsuchungen handele es sich um einen „weltweiten Einsatz“, dessen Hauptkern Betäubungsmittel seien. „Alles, was wir bis dato sichergestellt haben, asservieren wir gerade. Morgen werden wir dann definitiv sagen können, welche Mengen in Hessen aufgefunden wurden“, sagt Wegner betreffend der Einsätze in Hessen. Die Einsätze, zu denen auch die Durchsuchungen in einem Wohnhaus in Wächtersbach-Aufenau und eine Lagerhalle in Birstein im Main-Kinzig-Kreis zählen, werden von der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt und dem Zollfahndungsamt Frankfurt koordiniert. (Lesen Sie hier: Bei mehreren Durchsuchungen im Kreis Hersfeld-Rotenburg wurden Drogen und Schreckschusswaffen sichergestellt)

Wie die Gelnhäuser Neue Zeitung berichtete, seien am Montag im Rahmen des Großeinsatzes bewaffnete Einsatzkräfte in ein Wohnhaus im Wächtersbacher Stadtteil Aufenau gestürmt. Wie ein Sprecher des LKA betonte, sei das Ziel der Aktion ein Cryptonetzwerk im Drogenmilieu gewesen. Hinter dem Begriff Cryptonetzwerk verbirgt sich ein Internetverbund, der sich ähnlich wie das Darknet darstellt, jedoch wird die Vernetzung hier erst durch extra präparierte Geräte möglich, die dafür verkauft werden. Die Frankfurter Neue Presse wurde in ihrem Bericht noch konkreter: Demnach sollen Ermittler auf der ganzen Welt zuvor wochenlang an der Dechiffrierung von Nachrichten aus einem verschlüsselten Untergrund-Messengerdienst gearbeitet haben*.

Das Portal Osthessen-News berichtete zudem, dass auch eine Lagerhalle in Birstein von den Durchsuchungsaktionen betroffen gewesen sei. (akh, tmb) *fnp.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Stephan Witte/dpa

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