Ein Fahrschul-Lkw mit Heuballen.
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Gerrit Beckmann fährt mit seinem Fahrschul-Lkw 120 Heuballen und weitere Spendengüter wie etwa ein Notstromaggregat in das Flutgebiet nach Erftstadt.

Weitere Tour geplant

Nach Flutkatastrophe: Fahrschul-Lkw fährt 120 Heuballen ins Krisengebiet - Hilfe für Landwirte

  • VonMarah Naumann
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Fahrschul-Inhaber Gerrit Beckmann aus dem Main-Kinzig-Kreis fährt 120 Heuballen für Landwirte ins Krisengebiet nach Erfstadt. Denn die Flutkatastrophe traf auch die Versorgung der Nutztiere.

Main-Kinzig-Kreis - Am Freitag, 6. August, transportiert Gerrit Beckmann insgesamt 120 Heu- und Strohballen in einen Stadtteil von Erftstadt in Nordrhein-Westfalen. Der Ort mit rund 50.000 Einwohnern wurde von den Fluten vor zwei Wochen besonders stark getroffen.

„Ich habe mich mit einem guten Freund unterhalten, der in der Landwirtschaft tätig ist. Wir haben beide gesagt, dass wir keine Geldspende machen, sondern stattdessen den Leuten dort direkt helfen wollen“, berichtet Gerrit Beckmann von der Ideenfindung für die Spendenaktion. „Ich habe nachts im Bett gelegen und überlegt, wie man den Leuten dort helfen kann und kam auf die Idee, mit meinem Fahrschul-Lkw Heu und Stroh zu sammeln und hinzufahren.“ (Lesen Sie hier: Flutkatastrophe in Westdeutschland: Mutter und Tochter aus dem Main-Kinzig-Kreis helfen)

Main-Kinzig-Kreis: Fahrschul-Inhaber fährt Heu für Landwirte in Flutgebiet

Beckmann ist Mitglied in einer Facebook-Gruppe für Flutopfer-Tiere in Not. Dort startete er einen Aufruf für die Sammlung von Kontakten zu Personen, die Hilfe benötigen. „Daraufhin kam der Kontakt mit einer Frau aus Erftstadt zustande“, so der Fahrschul-Inhaber. In einer großen Halle einer ehemaligen Brauerei in einem Stadtteil von Erftstadt sammle die Frau Hilfsgüter für landwirtschaftliche Betriebe, die sie von dort an andere Landwirte verteile oder für ihren eigenen Betrieb benötige.

So war die Idee des Heuballen-Transports geboren. Nachdem Gerrit Beckmann „die Steine ins Rollen gebracht“ hatte, indem er Aufrufe auf Facebook veröffentlichte, ließen die ersten Spender nicht auf sich warten. „Ein Landwirt rief mich an und sagte, er würde mir 40 Ballen auf einen Schlag schenken. Ein anderer sagte, er spendet Stroh, wenn ich es direkt am Feld abholen kann. Das habe ich auch gemacht“, freut sich Beckmann. Zahlreiche Landwirte aus Schlüchtern, Sinntal, Steinau und umliegenden Orten im Main-Kinzig-Kreis hatten sich gemeldet.

Seit dem Start der Aktion kamen so in kürzester Zeit insgesamt 120 Heu- und Strohballen zusammen - zu viele für Beckmanns Fahrschul-Sattelzug. Unterstützung beim Transport erhält er deshalb von Astrid Dietz, Fahrschul-Inhaberin aus Gründau-Rothenbergen, mit der Beckmann befreundet ist. Deren Bruder wird den eigenen Fahrschul-Lkw nach Erftstadt fahren. Martin Sperzel, Fuhrunternehmer aus Sinntal und ehemaliger Schulkollege von Gerrit Beckmann, hilft ebenfalls mit einem Sattelschlepper aus.

Doch nicht nur Stroh und Heu fahren die drei Lkw morgen in das Flutgebiet, wie Beckmann im Gespräch mit unserer Zeitung verrät:„Ich fahre auch Farben und Tapeten sowie Hunde- und Katzenfutter. Ein Futtermittelhandel hat Salzlecksteine für Tiere gespendet. Und von einem Autohändler habe ich ein nagelneues Notstromaggregat geschenkt bekommen, das ich am Freitag nach Erftstadt transportiere.“ (Lesen Sie auch: DFB-Star organisiert Benefizturnier für Flutopfer)

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In den vergangenen Tagen hätten sich noch mehr Landwirte gemeldet, die Heuballen spenden wollen, sogar ein Landwirt aus Motten (Landkreis Bad Kissingen) habe ihn angerufen. „Weil die Ernte in diesem Jahr gut war, bleibt Heu übrig. Und viele Landwirte haben wegen der Wetterlage ihr Heu noch auf dem Feld stehen“, berichtet der Fahrschullehrer.

Nun seien die Lager im Krisengebiet aber vorerst voll, die Spendengüter müssten erst an die Betroffenen verteilt werden. „Im September will ich nochmal hinfahren. Bis jetzt haben wir für diese Fahrt schon zwei Lkw voll“, freut sich Beckmann über die große Spendenbereitschaft der Menschen im Bergwinkel.

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