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Der Kalte Markt 2016: Frühestens nächstes Jahr wird sich wieder ein solches Bild bieten.

Wegen Corona

Kalter Markt findet nicht statt - Politikern und Organisatoren ist das Risiko zu hoch 

  • Alexander Gies
    VonAlexander Gies
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Die Hoffnung war gering, jetzt ist sie zerstoben: Der Kalte Markt 2021 findet nicht statt. Politik und Organisatoren wollen und können die Verantwortung für eine daraus eventuell erwachsene Corona-Infektionswelle nicht übernehmen.

Schlüchtern - „Die Stadtverordnetenversammlung stimmt der Durchführung des Kalten Marktes 2021 zu/nicht zu.“ So lautete die Frage, über welche die Mitglieder des Haupt- und Finanzausschusses am Donnerstagabend abstimmten, obwohl – wie Alexander Klüh (FDP) und andere feststellten – es nicht Aufgabe des Parlaments sei, darüber zu befinden. Aber die Fraktionsvertreter wollten sich auch nicht aus der Verantwortung stehlen. Wegen Corona gab es bislang zum Thema Kalter Markt noch keine Klarheit.

Nachdem unter anderem Helmut Meister (SPD) darauf hingewiesen hatte, dass sowohl Bürgergarde als auch die Kalte-Markt-Präsidenten und die beteiligten Vereine auf seine Nachfrage hin erklärt hatten, sie wollten den Markt wegen der Corona-Gefahr nicht durchführen, war die Entscheidung im Grunde gefallen: Einstimmig votierten die Fraktionsvertreter von CDU, SPD, FDP, Grünen und BBB gegen den Markt 2021.

Main-Kinzig-Kreis: Kalter Markt fällt aus - Organisatoren ist Risiko zu hoch 

Alle Redner hatten zuvor betont, wie sehr ihnen „das Herz blutet“, aber sie hätten sich eben auch gefragt, wie denn ein Kalter Markt auf Straßen, Gassen und Plätzen im Main-Kinzig-Kreis überhaupt zu organisieren sei. Das sei im Grunde unter Pandemiebedingungen unmöglich. Die Dippemess in Frankfurt finde zwar statt, aber dieses Areal sei im Gegensatz zur Schlüchterner Innenstadt auch gut abzugrenzen und zu kontrollieren. „Wir können die Verantwortung nicht tragen“, sagte Florian Varinli (CDU), und Rainer Wunderlich (SPD) betonte: „Das Risiko würde ich auf keinen Fall eingehen.“

Alexander Klüh (FDP) wies auf die ablehnenden Äußerungen der Vereine hin, aber auch darauf, dass der Markt ohnehin von den Behörden nicht genehmigt werde. Sylke Schröder (BBB) bekannte, die Entscheidung sei „unheimlich schwer“, aber das Bauchgefühl sage: „Wir können es nicht kontrollieren.“ Der Markt solle „entweder richtig oder gar nicht stattfinden“, betonte Schröder. Günther Koch (Grüne) sagte, es sei „zu gefährlich“.

Stadtverordnetenversammlung: Redner betonten, dass ihnen „das Herz blutet“

Bürgermeister Matthias Möller (parteilos) hatte zuvor noch einmal versucht, auf die Bedeutung des Festes für die Stadtgesellschaft, aber auch die Schausteller, den Handel und die Gastronomie hinzuweisen. „Für mich ist es das Größte, den Kalten Markt zu eröffnen“, sagte Möller.

Die Summe von 95.000 Euro, die für die Durchführung eingeplant war, soll nun zumindest zum Teil in Deko, Beleuchtung, Sitzmöbel oder Gemeinschaftswerbung fließen, um die lokale Wirtschaft zu stärken. In einer Umfrage, welche die BBB auf Facebook initiiert hatte, diskutierten viele in den zurückliegenden Tagen zum Teil hitzig. Stimmen wie „Soll stattfinden!“ oder „Mit Hygienekonzept. Sind doch alle geimpft“ stehen Stimmen gegenüber, die ein Fest angesichts des Infektionsgeschehens für unverantwortlich halten. Eine junge Frau schrieb: „Würde mir wünschen, dass alles ganz normal stattfindet“ – und spricht damit auch der Politik und den Organisatoren aus dem Herzen.

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