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Goldsucher in der kanadischen Wildnis: Jörg Lotz aus dem Main-Kinzig-Kreis ist Experte fürs Fernsehen

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Vor laufender Kamera besiegeln Jörg Lotz (rechts) und Fred Lewis, dass dieser in Lotz’ Claim nach Gold schürfen darf.
Vor laufender Kamera besiegeln Jörg Lotz (rechts) und Fred Lewis, dass dieser in Lotz’ Claim nach Gold schürfen darf. © Jörg Lotz

Der aus Wächtersbach stammende Ingenieur und Unternehmer Jörg Lotz (57) ist schon seit Jahren in Kanada unter die Goldsucher gegangen. Mittlerweile avanciert er zum Fernsehstar. Er ist in „Gold Rush“ zu sehen, einer TV-Show, die in Deutschland bei DMAX gezeigt wird.

Wächtersbach/Schlüchtern/Whitehorse - Jörg Lotz ist vielen als Experte der Goldsucher-Show bekannt. Seine Ausbildung hat er in Schlüchtern (Main-Kinzig-Kreis) mit einer Maurerlehre und Fachabitur (Bau) an der Kinzig-Schule gestartet, ehe er studierte. Seit fast 25 Jahren hat er ein Ingenieurbüro in Wächtersbach: „Ich habe Erfahrung darin, im Boden rumzuwühlen“, berichtete er unserer Zeitung im Jahr 2019, als er auf der roten KN-Couch Platz nahm. Wir titelten damals: „Herr über 700 Claims“. Der Yukon ist so etwas wie Lotz’ zweite Heimat geworden, und der Ingenieur plant, sein geländegängiges Expeditionsmobil von Wächtersbach in das kanadische Territorium zu bringen. (Lesen Sie hier: Azubi aus dem Main-Kinzig-Kreis überzeugt als Koch in Salzburg)

In der Reality-Show werden die Erlebnisse von verschiedenen Goldschürfern im Yukon und im angrenzenden Alaska geschildert. Das TV-Team begleitet sie durch die aufregende Goldwaschsaison im kurzen Sommer des hohen Nordens. Lotz ist darin als Claim-Besitzer zu sehen, der ein neues Team von Goldsuchern auf seinen Flächen arbeiten lässt.

Vom Main-Kinzig-Kreis in die kanadische Wildnis: Goldsucher Jörg Lotz ist Experte fürs Fernsehen

„Wir investieren in die Erkundung neuer Goldvorkommen mit wissenschaftlichen und ingenieurtechnischen Verfahren und sichern uns die Claims, das heißt die Schürfrechte. Dann bauen Schürfer auf den Claims das Gold ab, und wir erhalten einen Anteil oder wir verkaufen die Claims. In der Show ist zu sehen, wie Fred Lewis zu mir kommt und nach Flächen zum Schürfen fragt. Wir werden uns einig, und die Show zeigt jede Woche, wie Fred auf unseren Claims am California Creek seine Mine aufbaut, Gold sucht und auch findet“, berichtet Lotz über seine Tätigkeit und die TV-Show.

Auf die Frage, wie es denn so war vor der Kamera, erzählt er: „Es hat mir wirklich Spaß bereitet, aber es steckt ein riesiger zeitlicher Aufwand dahinter. Manchmal wird stundenlang gedreht, aber es landen nur ein paar Sekunden in der Show – oder auch gar nichts davon. Wir hatten den ganzen Sommer über jeden Tag eine Filmcrew mit zwölf Leuten auf unseren Claims. Szenen müssen wiederholt oder von verschiedenen Perspektiven aufgenommen werden. Man muss auch teilweise den Inhalt eines 15-minütigen Gespräches mit drei Sätzen zugespitzt auf den Punkt bringen, und dann wird noch entsprechend geschnitten. Dabei soll auch etwas Spannung aufgebaut werden. Trotzdem gibt es kein Drehbuch, und es werden keine Inhalte erfunden. Natürlich ist es aber eine Unterhaltungssendung und keine geowissenschaftliche Dokumentation.“

Als Fernsehstar fühlt sich der Wächtersbacher noch nicht, aber es gibt zunehmend Reaktionen von Fans. Doch das kann ein zweischneidiges Schwert sein: „Fred Lewis, der auf unseren Claims schürft, ist ein ‚Greenhorn‘, aber er hat den Mut, es anzugehen. Ihm schlägt auch Kritik und Neid entgegen. Viele in den USA regen sich über seinen Haarschnitt auf, aber das trägt er gelassen. Wir stehen nicht im Fokus, aber das kann sich noch ändern.“ Die Show läuft in den USA über 23 Wochen jeden Freitag zur „Prime Time“ und hat sehr hohe Einschaltquoten. In Deutschland läuft sie immer mittwochs auf DMAX, jedoch mit 13 Wochen Verzug.

Dieses Expeditionsmobil will Jörg Lotz nach Kanada überführen.
Dieses Expeditionsmobil will Jörg Lotz nach Kanada überführen. © Jörg Lotz

Im April wird Jörg Lotz wieder im Yukon sein und an seinem Blockhaus weiterbauen. Erst im Mai, nach der Schneeschmelze, kann wieder geschürft werden. Dieses Jahr wird der Ingenieur ein großes Expeditionsmobil nach Kanada überführen. Der 33-Tonner „6x6 MAN“ hat einen Spezialaufbau des Herstellers Actionmobil aus Österreich, einer Manufaktur für Luxus-Fernreisemobile. Dorthin hat Lotz gute Kontakte: Firmengründer ist sein Großonkel Otti Reitz, der in Wächtersbach geboren ist.

Jörg Lotz will 33-Tonner nach Kanada überführen

Das eindrucksvolle Fahrzeug steht schon in seinem Hof in Wächtersbach, wo es noch für die lange Reise aus- und aufgerüstet wird. Die gemütliche Wohnkabine bietet einen bequemen und sicheren Aufenthalt auch im harten Klima der Subarktis. Zurzeit wird im hinteren Teil des Fahrzeugs noch eine Werkstatt mit Kran eingebaut.

Die Reise geht im Sommer zunächst per Schiff nach Halifax im Osten Kanadas und dann 7500 Kilometer quer durch Kanada bis hoch an die Grenze zu Alaska. Zwei bis drei Wochen plant Lotz für die Fahrt ein, die Schiffsreise dauert nur gut zehn Tage. Ob das Fahrzeug dann auch im nächsten Sommer im TV zu sehen sein wird, kann der Wächtersbacher noch nicht sagen: „Die Show ‚Gold Rush‘ wird wieder auf unseren Claims gedreht werden, aber was gezeigt wird, weiß ich natürlich noch nicht. Ich habe zurzeit aber auch intensive Gespräche mit einer weiteren TV-Produktion, bei der es ebenfalls ums Goldsuchen geht. Da wird sicher noch mehr von mir und sicher auch von meinem ‚Yukonwolf‘, so ist das Auto getauft, zu sehen sein.“

Video: Mein Leben als Goldgräber

Bei Lotz dreht sich freilich nicht alles um Gold und Abenteuer, sondern auch um Natur und Umwelt. Für die Goldsuche müssen auch Flächen gerodet werden. „Gold ist ein wichtiges Edelmetall, das auch in jedem Handy verwendet wird. Um Bodenschätze zu fördern, muss man eben in den Boden rein. Im Yukon und in Alaska dürfen nur Wasser und Schwerkraft verwendet werden, um Gold zu waschen, keine hochgiftigen Stoffe wie auf anderen Kontinenten. Die Flächen werden wieder rekultiviert. So ist diese Art der Goldgewinnung die umweltfreundlichste weltweit. Wir arbeiten oft in Tälern, die vorher vergletschert waren, dort gibt es eintönige Erlenbüsche über viele Quadratkilometer. Das ist nicht das Optimum eines Ökosystems. Hinterher gibt es viel mehr Grenzlinien, Tümpel und auch offene Grasflächen, zu denen oft Elche und Karibus ziehen. Einen bleibenden Schaden hinterlässt das Schürfen nicht, vielerorts sogar im Gegenteil“, so Lotz.

Bleibt denn noch Zeit für die Firmen in Wächtersbach? „Mittlerweile ist ja in modernen Unternehmen ohnehin alles so aufgestellt und gesichert, dass man bequem vom Home-Office arbeiten kann. Das gilt auch für den Betrieb der technischen Anlagen. Wir haben gute Mitarbeiter, auf die ich mich verlassen kann, und zu wichtigen Wartungen und Terminen bin ich immer vor Ort. Ansonsten eben meistens im Home-Office, nur das ‚Home‘ ist etwas weiter weg“, berichtet der Ingenieur und Geschäftsführer der Bioenergie Wächtersbach. (erd, tim)

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