Ein Mitarbeiter der Kanalsanierungsfirma hilft hier beim Platzieren der Systemfaserfolie in einer Kanalleitung über einen Schacht in der Schlüchterner Krämerstraße.
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Ein Mitarbeiter der Kanalsanierungsfirma hilft hier beim Platzieren der Systemfaserfolie in einer Kanalleitung über einen Schacht in der Schlüchterner Krämerstraße.

„Massiver Investitionsstau“

Kanalleitungen am Stadtplatz Schlüchtern werden „von innen heraus“ saniert

  • Hanns-Georg Szczepanek
    VonHanns-Georg Szczepanek
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  • Tim Bachmann
    Tim Bachmann
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Wer in dieser Woche am Stadtplatz in Schlüchtern (Main-Kinzig-Kreis) vorbeigekommen ist, hat etliche Tiefbauarbeiter und Baufahrzeuge entdecken können. Allerdings gibt es keine offene Baustelle. Der Grund: Etwa 220 Meter Kanalleitungen unter dem Stadtplatz wurden im sogenannten Inliner-Verfahren saniert.

Schlüchtern - „Es gab in den vergangenen Jahren einen massiven Investitionsstau bei unseren Wasser- und Abwasserleitungen. Da ist leider einiges kaputt und muss dringend erneuert werden“, erläutert Schlüchterns Rathauschef Matthias Möller (parteilos) auf Anfrage unserer Zeitung. Als Beispiel nennt er den Platz vor dem Rathaus: „Wir mussten jedes Jahr 15.000 bis 20.000 Euro in den Stadtplatz stecken, damit dieser überhaupt bespielbar bleibt. Jetzt nehmen wir Geld in die Hand.“

Hierfür seien jüngst Fördermittel eingetroffen, erklärt der Rathauschef. „Die Fördersummen, die wir in der jüngeren Vergangenheit generieren konnten, entlasten uns und unseren städtischen Haushalt immens. Die Haushaltslage ist auch dadurch so gut, dass wir nicht wie andere Kommunen über Steuererhöhungen nachdenken müssen“, frohlockt der Bürgermeister. (Lesen Sie hier: Nach mehr als zwei Jahren Sanierung: Polizeistation in Schlüchtern wieder bezogen)

Main-Kinzig-Kreis: Kanalleitungen in Schlüchtern „von innen heraus“ saniert

Die Arbeiten im Bereich des Stadtplatzes konnten zwar im Inliner-Verfahren vorgenommen werden, doch gänzlich ohne offene Baustellen in der Innenstadt werde die Kanalsanierung nicht vonstatten gehen, führt Möller weiter aus. So steht für kommenden Februar die Sanierung im Bereich der Wassergasse an. Und diese müsse in offener Bauweise ausgeführt werden.

Seit Montag bis zum heutigen Donnerstag werden von einer Spezialfirma mit Personal aus Brandenburg und Bayern die Kanalleitungen rund um den Stadtplatz quasi „von innen heraus“ (Inliner-Verfahren) saniert. Hierzu wird über Kanalschächte eine rund ein Zentimeter dicke Systemfaser-Folie aus Kunstharz und Fasermatten in die vorhandenen Kanalleitungen eingebracht.

Diese Leitungen haben in der Regel einen Durchmesser von 80 Zentimetern. Wenn die Folie unterirdisch platziert ist, wird sie mittels exakt für den jeweiligen Einsatzort dosierter Druckluft „aufgeblasen“, sodass sie die bestehenden Rohrwände von innen auskleidet und dabei auch Beschädigungen oder verschobene Fugen abdichtet und ausgleicht. Der gesamte Ablauf werde vor dem konkreten Einsatz und nach Kamerabefahrungen von Ingenieuren millimetergenau berechnet.

Main-Kinzig-Kreis: Bürgermeister von Schlüchtern freut sich über Förderung

Auf dem Stadtplatz in Schlüchtern (Main-Kinzig-Kreis) steht nach Angaben des Baupersonals der derzeit einzige Maschinenwagen in Europa, der zu dem genannten Zweck Druckluft bis zu 300 Bar erzeugen könne. Allerdings sei dies für die konkrete Kanalsanierung nicht notwendig.

Wenn die Matte aus Kunstharz und Systemfasern, die von einer blauen Schutzhülle ummantelt ist, in der Kanalleitung aufgeblasen worden ist, wird der bis dahin weiche Werkstoff mittels ultraviolettem Licht ausgehärtet. Dies geschieht mithilfe mehrerer starker UV-Lampen, die jeweils bis zu 1000 Watt Leistung erbringen könnten. Auch die Dauer dieser Lichtbestrahlung werde vorher exakt ausgerechnet, erläutern die Techniker auf dem Schlüchterner Stadtplatz.

Wenn der Vorgang abgeschlossen sei, werde noch eine dünne Innenfolie aus dem Kanal gezogen – und fertig ist die Sanierung. Diese soll etliche Jahrzehnte halten. Der Zustand des Innenrohres werde in regelmäßigen Abständen überprüft, hieß es.

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