Hier wird gerade der Leichnam von Martin F. aus dem Mehrfamilienhaus in Steinau getragen.
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Hier wird gerade der Leichnam von Martin F. aus dem Mehrfamilienhaus in Steinau getragen. (Archivfoto)

Zweiter Teil am 22. Juli

Hessischer Rundfunk (hr) strahlt „Crime Time“-Doku aus: Mord um Kettensägen-Frau aus Steinau

Dieser Fall hatte die ganze Region erschaudern lassen: Eine Frau ersticht in Steinau in der gemeinsamen Wohnung ihren Lebensgefährten und zerteilt den Leichnam mit Motorsägen.

Steinau - Dieser aufsehenerregende Fall ist nun vom Hessischen Rundfunk (hr) noch einmal aufgerollt worden und wird im Zuge der Produktion „Crime-Time“ als Zweiteiler unter dem Titel „Auf den Spuren der Kettensägenfrau“ ausgestrahlt. Teil eins war am 15. Juli um 21 Uhr zu sehen. Die zweite Folge wird am 22. Juli ebenfalls um 21 Uhr ausgestrahlt.

Notwehr, Mord oder doch ein schlechter Scherz? Das fragte sich die Polizei in Schlüchtern (Main-Kinzig-Kreis) , als im Juni 2018 ein mysteriöser Brief bei ihr eintrifft. Darin schreibt Tanja B., dass sie eine Woche zuvor ihren Lebensgefährten erstochen und dann mit Kettensägen zerteilt habe. Wohnungsschlüssel sind beigelegt. Er habe sie angegriffen, nachdem er ein merkwürdiges Kraut gegessen habe, sie habe sich gewehrt. Die Polizei nimmt den Brief ernst.

Hessischer Rundfunk (hr): Doku über Kettensägen-Frau aus Steinau im Main-Kinzig-Kreis

90 Minuten später steht eine Streife der Polizeistation Schlüchtern in der Wohnung in einem Mehrfamilienhaus der Niederzeller Straße in Steinau und macht eine schreckliche Entdeckung: Im Badezimmer liegt, in Müllsäcken verpackt, die zerteilte Leiche des Busfahrers Martin F. Die Kriminalpolizei und der Hanauer Oberstaatsanwalt Dominik Mies starten sofort umfangreiche Ermittlungen. Handelt es sich tatsächlich um Notwehr oder doch um Mord? Wo steckt Tanja B.? Sind andere Menschen in Gefahr?

Noch am selben Abend macht die Rechtsmedizin in Frankfurt bei der Obduktion der zerteilten und stark verwesten Leiche eine Entdeckung: Sie weist zahlreiche Stichverletzungen im Rücken auf. Zur selben Zeit findet das Ermittlerteam Tanja B. Die Handy-Ortung ergibt: Sie hält sich in Dortmund auf, wo sie unmittelbar festgenommen und zurück in die Region Main-Kinzig gebracht wird.

Spektakulärer Mordfall in „Crime Time“-Doku des hr: Frau tötet Mann mit 30 Messerstichen

Wie in einem Puzzle setzen Polizei, Staatsanwaltschaft und Rechtsmedizin die Ergebnisse zusammen. Schnell wachsen die Zweifel an Tanja B.s Version vom Tathergang. Spannende Ermittlungen stehen an bis die grausige Wahrheit ans Licht kommt.

Im Januar 2019 spricht in dem Fall dann das Hanauer Landgericht Recht: Die 35-jährige Frau wird wegen Mordes verurteilt. Sie muss lebenslang ins Gefängnis. Die von der Angeklagten angeführte Notwehr hielt das Gericht für nicht plausibel. Die Kammer sah es hingegen als erwiesen an, dass die Frau ihren arglosen Partner während seines Mittagsschlafs mit mehr als 30 Stichen mit einem Küchenmesser erstochen und seine Leiche dann mithilfe von zwei Kettensägen zerstückelt hat. Das Motiv der Tat blieb Prozessbeobachtern und dem Gericht weitgehend ein Rätsel. (Lesen Sie hier: Hanauer Mordfall bei „Aktenzeichen XY“ (ZDF): Familienvater wird durch Haustür erschossen)

Fall der Kettensägenfrau von Steinau - Oberstaatsanwalt und Ermittler berichten

„Eine sehr authentische und sehr aufwendige Produktion“, lobt Oberstaatsanwalt Mies gegenüber die Arbeit des Hessischen Rundfunks. Obwohl es sich um einen „Horrorfall“ handele, werde der Fall sehr differenziert vorgestellt. Detailreich und auch für Laien verständlich werde die Arbeit der Ermittler gezeigt. Allein die Dreharbeiten mit ihm hätten einen Tag lang gedauert.

In dem Zweiteiler wird außerdem die Arbeit von Schutzpolizisten, Kriminalbeamten, Gerichtsmedizinern und eines Profilers im Zusammenhang mit dem Fall vorgestellt.

Video: Die spektakulärsten Mordfälle Deutschlands

Eine Polizeibeamtin, die zu Wort kommt, ist Sabine Meyer, regional bekannte Oberkommissarin in der Polizeistation Schlüchtern. Auch sie wurde mehrere Stunden lang gefilmt, weil sie die Beamtin war, die als erstes am Tatort in Steinau war und die Leichenteile in der Wohnung fand. Eine „furchtbare Tat“ blickt sie zurück, doch als Polizistin sollte man dies weitgehend emotionslos sehen. Die Dreharbeiten für die Fernsehdokumentation zu diesem Fall empfand sie als hochinteressant: „So etwas erlebt man nicht jeden Tag.“ (usd/kn)

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