Die Talsperre samt dem Kinzigstausee zwischen Steinau und dem Bad Soden-Salmünsterer Stadtteil Ahl.
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Die Talsperre samt dem Kinzigstausee zwischen Steinau und dem Bad Soden-Salmünsterer Stadtteil Ahl.

Letzte Prüfung vor 20 Jahren

2022 steht große Sicherheitsprüfung an: Vorarbeiten an der Kinzigtalsperre kosten halbe Million Euro

  • Hanns-Georg Szczepanek
    vonHanns-Georg Szczepanek
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Im und am Staudamm bei Ahl stehen in den nächsten Wochen Vorarbeiten für die vertiefte Sicherheitsüberprüfung an, die alle 20 Jahre stattfindet. Diese ist für 2022 fest eingeplant. Der Wasserverband Kinzig (WK) rechnet allein in diesem Jahr mit Kosten in Höhe von etwa 500.000 Euro.

Ahl/Steinau - Die wichtigen Vorarbeiten stehen unter der Überschrift Stahl-Wasserbau, wie WK-Geschäftsführer Holger Scheffler auf Anfrage unserer Zeitung erläutert. Talsperren unterliegen strengen Sicherheitsanforderungen. Die 40 mittleren und größeren Talsperren und Hochwasserrückhaltebecken in Hessen werden von den Regierungspräsidien überwacht. Die erste große Sicherheitsüberprüfung ging 2002 über die Bühne, also 20 Jahre nach deren Fertigstellung. Deshalb steht im nächsten Jahr wieder eine solche grundlegende Prüfung auf der Agenda. Es gibt aber auch jährliche Begehungen der Anlage sowie fachtechnische Bewertungen der im Betrieb erfassten Messwerte. Im Blick hat das Talsperrenpersonal neben dem Kinzig-Pegel auch die der Zuflüsse.

Die technische Federführung liegt hier in den Händen von Talsperrenleiter Dr. Paul Brinkmann und dem Wasserverbands-Ingenieur Michael Moder. Für die bis zum Frühsommer andauernden Arbeiten muss unter anderem das Wasser im Stausee auf 4,50 Meter abgelassen werden. Diese Stauhöhe wird dann für etwa zwei Wochen gehalten. Die Verringerung der Wassertiefe wird laut Scheffler bis Mitte Mai erreicht sein. 

Main-Kinzig-Kreis: Sicherheitsprüfung an Kinzigtalsperre kostet halbe Million Euro

Im Mittelpunkt der Vorarbeiten für die spätere Sicherheitsüberprüfung stehen die drei Verschlusssysteme der sogenannten Betriebsauslässe. Zu denen gehören vor allem der etwa zwei mal zwei Meter große Grundablass, die Zu- und Ableitung der Turbine für die Stromerzeugung und ein „Bypass“. (Lesen Sie hier: Trinkwasser trotz Klimawandel - Pilotprojekt des Wasserverbands Kinzig „um Lichtjahre voraus“)

Um die Funktionstüchtigkeit der Talsperre zu 100 Prozent gewährleisten zu können, müssen diese Einrichtungen nicht nur saniert, sondern zum Teil auch vollständig ausgetauscht werden. Hierfür kommen zum Beispiel ein bis zwei Tagen Taucher zum Einsatz. Der Grundablass wird während dieser Zeit vollständig abgeschottet und das Wasser solange mithilfe von Hochleistungspumpen befördert. Denn der Abfluss der Kinzig von circa 500 Liter pro Sekunde darf nicht unterbrochen werden.

Zahlen und Fakten

Die Kinzigtalsperre ist von 1976 bis 1982 erbaut worden und misst eine maximale Höhe von 14 Metern. Die Kronenlänge des Staudamms beträgt 550 Meter. Die Wassertiefe liegt im Winter bei 5,50 Metern, im Sommer bei 7,50 Metern. Maximale Stauhöhe: 12 Meter. Beim sogenannten Sommerstau umfasst die Wasserfläche rund 70 Hektar und ist bis zu 2,4 Kilometer lang. Beim Winterstau ist die Wasserfläche etwa zehn Hektar kleiner (das sind immerhin noch 600.000 Quadratmeter) rund 300 Meter kürzer. 

Beim Winterstau befinden sich circa 1,2 Millionen Kubikmeter Wasser im Kinzigstausee, im Sommer mit 2,6 Millionen Kubikmeter mehr als das Doppelte. Der Betriebsweg rund um den See ist 6,5 Kilometer lang. Maximal kann der Stausee etwa 7,2 Millionen Kubikmeter fassen. Dann hätte er eine Fläche von 125 Hektar.

Die Talsperre dient vor allem dem Hochwasserschutz, der Flussregelung speziell auch bei Niedrigwasser (Regelabfluss in die Kinzig: bis zu 40 Kubikmeter pro Sekunde, maximaler Zufluss: 150 Kubikmeter pro Sekunde) und der Stromerzeugung (300 Kilowattstunden Kapazität im Normalbetrieb).

Auch der Zustand der Betonanlagen am Ablassbauwerk mit den drei großen Wehrfeldern sowie am Tosbecken, das dem fallenden Wasser Energie nimmt, wird überprüft. Der Talsperrenweg über den Staudamm wird voraussichtlich im Mai und Juni komplett gesperrt, die Umleitung aber vor Ort beschildert sein.

Während der mehrtägigen Prüfung im Jahr 2022 werden von der Hydraulik an den drei Wehrfeldern bis zur letzten Fuge viele Details kontrolliert.

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