Die Stadt Schlüchtern wird wohl die Niederzeller „Arche“  kaufen und als Träger weiter betreiben.
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Die Stadt Schlüchtern wird wohl die Niederzeller „Arche“ kaufen und als Träger weiter betreiben.

Entscheidung am Montag

Kita-Schließung abgewendet? „Arche“ in Niederzell wird wohl weiter betrieben

  • Tim Bachmann
    VonTim Bachmann
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Die Schließung der „Arche“ in Niederzell zum Ende dieses Monats soll durch eine Übernahme der Kita durch die Stadt Schlüchtern abgewendet werden. Darin ist sich der Sozialausschuss einig. 

Niederzell - Einstimmig votierten die Ausschussmitglieder dafür, den Stadtverordneten den Kauf des Gebäudes und des fast 1000 Quadratmeter großen Grundstücks sowie die Übernahme des Personals und den weiteren Betrieb der Kita zu empfehlen. So viel vorneweg: Eigentlich ist der Beschluss der Stadtverordneten am Montag, 12. Juli, 19 Uhr, alternativlos. Denn der Bedarf an Kita-Plätzen in Schlüchtern (Main-Kinzig-Kreis) ist groß, eine Schließung der Arche wäre fatal, da die Stadt in ihrer Bedarfsplanung die bislang privat betriebene Kita stets einkalkuliert hat. Die Schließung würde für 15 Kinder zu einem „Betreuungsvakuum“ führen.

Da sich kein freier Träger entschließen konnte, die Arche zu übernehmen – derer fünf wurden von der Stadtverwaltung angefragt – , wird die Stadt Schlüchtern in die Bresche springen. Die Stadt hat bereits fünf Kindertagesstätten in der Trägerschaft. Der Kreis hat der Stadt die Betriebserlaubnis bereits zugesagt, wie Kerstin Baier-Hildebrand von der Stadtverwaltung im Sozialausschuss berichtete. Das Arche-Personal habe bereits seine Bereitschaft erklärt, auch für die Stadt Schlüchtern zu arbeiten. Allerdings müsste zuvorderst dringend eine Leitung gefunden werden.

Main-Kinzig-Kreis: Kita-Schließung abgewendet? „Arche“ in Niederzell wird wohl weiter betrieben

Auf die Frage, wie das fehlende Personal gefunden werden soll, erklärte Baier-Hildebrand: „Alles steht und fällt mit einer qualifizierten Leitung.“ Fachkräfte zu finden, sei zwar nicht so einfach, allerdings sei sie überzeugt, „dass wir kurzfristig eine Leitung bekommen können“, so die Abteilungsleiterin.

Neben Arche-Leiterin Elvira Radtke – die sich in Gesprächen mit der Stadtverwaltung bereit erklärte, stundenweise weiterzumachen und eine neue Leitungskraft anzulernen – stehen noch eine Berufspraktikantin, eine Vollzeitkraft und zwei Teilzeitkräfte zur Verfügung. Kerstin Baier-Hildebrand sprach hierzu von einem Vollzeitäquivalent von 1,77, das kurzfristig auf 3,77 (also eine Leitungsstelle und je eine halbe Stelle für Küchenpersonal und Reinigungskraft) aufgestockt werden müsse. „Und auch die Kapazitäten zur fachlichen Begleitung und internen Bearbeitung müssen aufgestockt werden.“ Ab dem Jahr 2022 sollten vier weitere Vollzeitstellen besetzt werden.

Bei weiterem Betrieb: Maximal 20 Kinder können nach aktuellem Stand betreut werden

32 Kinder im Alter von 2 bis 6 Jahren waren bis vor Kurzem in der Arche, fünf haben einen anderen Betreuungsplatz gefunden, acht werden eingeschult. „Unter den jetzigen Gegebenheiten könnten maximal 20 Kinder in einer Gruppe mit einer reduzierten Betreuungszeit von 7.30 bis 14 Uhr betreut werden“, erklärte Baier-Hildebrand. Und: „Ein Großteil der Eltern würde sich über die Weiterführung der Arche freuen“, erklärte sie das Ergebnis einer Befragung.

„In der Arche wurde bisher nach Montessori-Ansätzen gearbeitet“, jedoch gebe es weder eine offizielle Zulassung noch hierfür ausgebildetes Personal. Eine Weiterführung dieser Ansätze sei jedoch grundsätzlich möglich. Gleiches gelte für die naturnahe Pädagogik, die im bestehenden Konzept in Ansätzen enthalten ist. Die Weiterentwicklung des Konzepts mit diesem Ansatz sei aufgrund der Kita-Lage sinnvoll.

Gutachten bestätigt: Zustand des Kita-Gebäudes ist gut

Über eigene Berührungspunkte mit der Kita berichteten die Stadtverordneten Rainer Grammann (FDP) und Heiko Kirchner (CDU), die jeweils das familiäre Umfeld der Arche hervorhoben.

Im nicht-öffentlichen Teil der Sitzung wurde das Finanzielle abgearbeitet. Roland Schedewie, Sachverständiger aus Erlensee, hatte den Wert der Immobilie festgestellt und ein Gutachten über den Gebäudezustand erstellt. Wie Bürgermeister Matthias Möller (parteilos) auf Nachfrage erklärt, sei der vom Gutachter ermittelte Verkehrswert ausschlaggebend für die Verhandlungen. Die Stadt gehe mit dem Kauf der Immobilie, die einst als Wohnhaus diente, keine finanziellen Risiken ein, betonte Möller. Laut Gutachten sei der Gebäudezustand sehr gut, es gebe nur kleinere Mängel, die aber schnell zu beheben seien. Baier-Hildebrand sprach von „Kleinigkeiten, wie es sie auch in anderen Kindergärten gibt. Etwa die Umrandung eines Sandkastens“.

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