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Vier „Altgediente“ und zwei „neue Gesichter“ in Schlüchterns Magistrat um dessen Sprecher, Bürgermeister Matthias Möller (Mitte): Luise Meister (SPD, von links), Jürgen Heil (CDU), Willi Staaf (SPD), Ingrid Föller (Grüne), Erster Stadtrat Reinhold Baier und Hans Konrad Neuroth (BBB).

Joachim Truß bleibt Vorsteher

Konstituierung in Schlüchtern: Sitzung der Stadtverordneten verläuft zügig

  • Tim Bachmann
    vonTim Bachmann
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Ohne große Überraschungen und im Eiltempo sind die neuen Schlüchterner Stadtverordneten durch ihre konstituierende Sitzung „geflogen“. 

Schlüchtern - Nach der Begrüßung durch Bürgermeister Matthias Möller (parteilos) schlug die Stunde eines kommunalpolitischen Neulings: Pfarrer i.R. Klaus Arnold (BBB). Dem mit 81 Jahren ältesten Mitglied des Stadtparlaments oblag es, den Wahltag als Interims-Vorsitzender der Stadtverordnetenversammlung anzumoderieren.

Der 81-Jährige aus dem Main-Kinzig-Kreis wünschte allen „faire und erfolgreiche Jahre“ und wollte „als Senior drei Sätze über mich selbst sagen. Erstens: Alter schützt vor Torheit nicht. Zweitens: Alter schützt vor Strafe nicht. Und drittens: Alter gewährt Privilegien“. Er erklärte dies so: „Als ich meinen Namen auf die Liste zur Kommunalwahl stellen ließ, dachte ich mir: Auf dem Listenplatz und mit deinem Alter wählt dich sowieso keiner. Ich selbst habe mich ja auch nicht gewählt. Jetzt geht es mir so wie Martin Luther vor fast genau 500 Jahren in Worms, als er gesagt hatte: ‚Hier stehe ich und kann nicht anders‘.“ (Lesen Sie auch: Kommunalwahl in Schlüchtern: SPD im Endergebnis doch noch stärkste Kraft)

Konstituierung in Schlüchtern: Stadtverordnete „fliegen“ zügig durch Sitzung - keine großen Überraschungen

Zum Thema „Alter und Strafe“ erzählte Arnold, dass er mehr als 60 Jahre unfallfrei mit dem Auto unterwegs sei. Jetzt habe er eine Rechnung der Versicherung für sein Auto bekommen. Teurer als je zuvor. Die Begründung der Versicherung: „Das liegt an ihrem Alter.“ Aber das Alter sei auch mit Privilegien verbunden, erklärte Arnold, schließlich habe er kürzlich „mit gutem Gewissen“ seine Corona-Impfungen empfangen dürfen.

Die Ausschüsse

Folgende Stadtverordnete werden in den Ausschüssen mitwirken. Die Ausschussvorsitzenden werden von den einzelnen Mitgliedern während der jeweils ersten Sitzung gewählt.

Haupt- und Finanzausschuss:
Helmut Meister, Reiner Wunderlich (beide SPD), Florian Varinli, Rolf Moritz (beide CDU), Sylke Schröder (BBB), Gerd Neumann (Grüne) und Alexander Klüh (FDP).

Bauausschuss:
Heiko Büchner, Frank Eckhardt (beide SPD), Astrid Janku-Hahn, Vera Schiever-Ries (beide CDU), Rainhard Cerny (BBB), Lea Rüffer (Grüne), Rainer Grammann (FDP).

Sozialausschuss:
Joachim Truß, Maik Basermann (beide SPD), Marianne Truß, Heiko Kirchner (beide CDU), Frank Kling (BBB), Günther Koch (Grüne), Dr. Peter Büttner (FDP).

Betriebskommission „Stadtwerke Schlüchtern“:
Falko Fritzsch, Karl-Ernst Kohlhepp (beide SPD), Andreas Frischkorn, Vera Schiever-Ries (beide CDU), Kilian Loth (BBB), Nurhan Wendt (Grüne) und Alexander Klüh (FDP).

Zur anschließenden Wahl des Stadtverordnetenvorstehers wurde nur ein Kandidat vorgeschlagen: Pfarrer i.R. Joachim Truß (SPD). Dessen Fraktionschef Helmut Meister warb für seinen Parteikollegen, da dieser in der Vergangenheit einen hervorragenden Job gemacht habe. Die Wahl erfolgte einmütig per Akklamation. Einzig Truß selbst enthielt sich seiner Stimme.

Nachdem Truß als alter und neuer Stadtverordnetenvorsteher die Wahl angenommen hatte, leitete er die Sitzung weiter. Pfarrer i.R. Arnold nahm wieder in den Reihen der BBB-Fraktion Platz – allerdings erst, nachdem er noch eine Anekdote über sich und seinen Pfarrer-Kollegen erzählt hatte (siehe „Am Rande“).

Truß bedankte sich für das Vertrauen und wünschte allen ein gutes Gelingen: „Wir sind wieder aufs Spielfeld gestellt. Ich hoffe, dass niemand ins Abseits gerät“, zitierte und ergänzte der SPD-Mann die CDU-Kreisvorsitzende Dr. Katja Leikert.

Konstituierende Sitzung in Schlüchtern: Stadtverordneten segnen Gültigkeit der Kommunalwahl ab

In einem interfraktionellen Antrag ging es um die Anzahl an Vertretern für den Posten des Stadtverordnetenvorstehers, die auf vier angehoben werden soll, damit jede Fraktion einen Stellvertreter stellen kann. Und auch um die Personalien (siehe Kasten). Die Wahl erfolgte per Akklamation einstimmig.

Im Anschluss daran hatten die Stadtverordneten die Gültigkeit der Kommunalwahl abzusegnen. Auch dies geschah ohne Aussprache sowie per Handzeichen einstimmig.

Die Ämter

Joachim Truß (SPD) ist erneut zum Stadtverordnetenvorsteher gewählt worden. Heiko Kirchner (CDU), Kilian Loth (BBB), Karin Nievelstein (Grüne) und Alexander Klüh (FDP) sind seine Stellvertreter.

Als Schriftführerin fungiert weiterhin die städtische Angestellte Seray Sen. Stellvertreter sind die städtischen Bediensteten Knut Koller, Kerstin Baier-Hildebrand und Selin Cakmak.

Die Wahl der ehrenamtlichen Stadträte erfolgte geheim. Hierfür waren in der Schlüchterner Stadthalle zwei Kabinen aufgebaut, sodass immer zwei Stadtverordnete zeitgleich ihre Stimmen abgeben konnten. Als Wahlleiter fungierten Truß, Bürgermeister Möller und Schriftführerin Seray Sen. Die 32 anwesenden Stadtverordneten hatten die Wahl zwischen drei Listen-Vorschlägen. So hatten sich im Vorfeld CDU, Bürger-Bewegung Bergwinkel (BBB) und Grüne zusammengetan und eine gemeinsame Liste erstellt, die vom amtierenden Ersten Stadtrat angeführt wird (wir berichteten).

Auf der Liste der Sozialdemokraten waren die amtierenden Stadträte Luise Meister und Willi Staaf zu finden. Die FDP-Fraktion schickte den bisherigen Ortsvorsteher in Schlüchterns Innenstadt, Rainer Grammann, ins Rennen. Das Wahlergebnis entsprach exakt den anwesenden Fraktionsstärken. Für den FDP-Vorschlag votierten drei Stadtverordnete, für die SPD-Liste derer elf und für die Gemeinschaftsliste von CDU, BBB und Grünen 18. Entsprechend dem Wahlergebnis setzt sich der Magistrat mit Reinhold Baier (CDU) als altem und neuem Ersten Stadtrat zusammen (siehe Foto). Die Stadträte wurden direkt vereidigt.

Stadtverordnete gedenken auf konstituierender Sitzung auch den Corona-Toten

Joachim Truß gab noch die sich aus der Magistratsbildung ergebenden Nachrücker für das Plenum bekannt: Florian Varinli und Heike Orth (beide CDU), Birgit Kirst und Helmut Ott (beide SPD) sowie Dr. Klaus Nied (BBB), der allerdings nicht anwesend war und somit als einziger Nachrücker seinen Platz nicht direkt einnehmen konnte.

Die Wahl von Hans Konrad Neuroth (BBB) sowie Luise Meister (SPD) in den Magistrat hat auch Auswirkungen auf die Zusammensetzung des Ortsbeirats Schlüchtern-Innenstadt: Für sie rücken Thomas Berthold (SPD) und Karin Kling (BBB) nach.

Mit einer Schweigeminute für die Todesopfer der Corona-Pandemie endete die konstituierende Sitzung.

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