Die Ortsdurchfahrt in Herolz wird von Fahrzeugen befahren.
+
Der Fahrzeuglärm an der Ortsdurchfahrt macht den Herolzern zu schaffen.

Mehr Lkw-Verkehr

Kritik an Hessen Mobil: Bürger-Allianz misst Lärm jetzt selbst - „unüberbrückbare Gegensätze“

  • Alexander Gies
    VonAlexander Gies
    schließen

Die Bürger-Allianz „Herolz wehrt sich“ fordert an der viel befahrenen Durchgangsstraße eine unabhängige Lärmmessung. Vorerst hat die Allianz einen eigenen mobilen Schallmesser angeschafft, der über eine App Daten aufzeichnet.

Herolz - Derzeit geben sich die Politiker in Herolz die Klinke in die Hand. Das gilt für Kommunalpolitiker, aber auch für die aus dem Main-Kinzig-Kreis und Wiesbaden. Ein Gespräch mit dem Landrat hat es bereits gegeben, demnächst wird der CDU-Landtagsabgeordnete Michael Reul erwartet, unlängst kam der Grüne Markus Hofmann mit Schlüchterner Parteifreunden zur Bürger-Allianz und dem Ortsbeirat.

Rudi Mihm von der Allianz wies dabei auf die über Jahrzehnte gewachsene Verkehrsbelastung durch Herolz mit etwa 9000 Fahrzeugen hin. Besonders die überproportionale Zunahme des Anteils der Schwerlastfahrzeuge von etwa fünf Prozent im Jahr 2015 (letzte Zählung von Hessen Mobil) auf teilweise über 30 Prozent im Herbst 2020 ( Messungen durch das städtische Ordnungsamt) sorgt für Unmut bei den Anliegern.

Main-Kinzig-Kreis: Kritik an Hessen Mobil - Herolz wehrt sich gegen Lärm

Diese haben das Gefühl, die Nachtruhe auch bei geöffneten Fenstern genießen zu können, sei deutlich kürzer als das für den Frankfurter Flughafen festgelegte Nachtflugverbot von sechs Stunden. Anwohner Norbert Faust sagt, er müsse im Sommer ab 3.30 Uhr die Schlafzimmerfester schließen, ansonsten sei an Schlaf nicht mehr zu denken. (Lesen Sie hier: Gibt es im Sinntal ein Raser-Problem? - Sterbfritzer Ortsbeirat fordert Konsequenzen)

Rudi Mihm stellte fest, es gebe „unüberbrückbare Gegensätze“ zwischen den veröffentlichen Schallpegeln und dem täglich „im Ort gefühlten Lärmpegel“. Die Daten aus dem Ministerium und vom Regierungspräsidium (RP) Darmstadt seien ohne zusätzliche Datenbasis zugeleitet worden. Dabei sei es doch „von allergrößter Bedeutung“, welche Berechnungsmethoden und welche Messverfahren und Messzeiten (wochentags, Wochenende mit vielen Lkw oder Motorradgruppen) verwendet würden.

Für die Bürgerschaft „schlicht nicht nachvollziehbar“ sei es, dass der RP nach der schalltechnischen Beurteilung der Kreisstraße nach Gundhelm für den Bereich Herolz erkläre, die höchsten Pegel liegen bei 60 dB(A) am Tage und 56 dB(A) in der Nacht. Deshalb seien weder straßenverkehrsrechtliche noch straßenbauliche Lärmminderungsmaßnahmen angezeigt. Das gehe „völlig an unserer Lebenswirklichkeit vorbei“, betont Mihm. Die Anlieger und der Ortsbeirat fordern eine unabhängige Lärmmessung durch ein ausgewiesenes Ingenieurbüro.

Bei Hessen Mobil habe man den Eindruck, der Behörde sei nur wichtig, „dass der Verkehr rollt, ohne Rücksicht auf die Menschen“. Die Behörde zeige keinerlei Bemühungen, den Verkehr in dieser besonderen Tallage mit diffuser Lärmschallausbreitung einzudämmen.

Weitere Demo für Anfang September vor der Bundestagswahl angekündigt

Im Verlauf der angeregten Diskussion unterbreitete Rudi Mihm den Vorschlag, mit einem Verkehrsversuch über beispielsweise zwölf Monate, wissenschaftlich begleitet und ausgewertet, den Verkehr in Herolz „einzuhegen“. Diese Idee wurde vom Grünen Landtagsabgeordneten Markus Hofmann und dessen Parteifreunden spontan begrüßt. Das wäre eine gute Gelegenheit, auch auf dem Lande und nicht nur in den Ballungsräumen den Bürgern zu verdeutlichen, welche Lärmreduzierungen möglich sind, sagte Hofmann. Die Initiative müsse die Stadt ergreifen, er werde diese gerne in Wiesbaden unterstützen.

Kritisiert wurde von der Allianz, dass die von Hessen Mobil und dem Ordnungsamt erhobenen Verkehrsdaten immer noch nicht vollständig vorlägen. Besonders die 14-Tage Messungen vom April lägen immer noch nicht vor. Die Geschäftsführerin der Grünen-Fraktion im Stadtparlament, Karin Razavi, versprach, sich für eine zeitnahe Freigabe einzusetzen.

Video: Verkehrsminister Scheuer erteilt Absage: Tempolimit „für manche ein Fetisch“

Mihm kündigte eine weitere Demo für Anfang September vor der Bundestagswahl an und berichtete von einem Telefonat mit Landrat Thorsten Stolz. Nach Angaben von Mihm begrüße dieser ausdrücklich die laufenden Bemühungen der Aktionsgruppe um eine Einbeziehung von Landespolitikern. Auch habe Stolz versprochen, sich bei der Polizeidirektion für Geschwindigkeitsmessungen, etwa mit den grauen Trailern einzusetzen. Die Allianz hatte sich zuletzt auch an Minister Tarek Al-Wazir (Grüne) gewandt.

Die Grünen legten laut der Pressemitteilung der Bürger-Allianz Wert auf die Feststellung, dass seitens des grünen Ministers Tarek Al-Wazir „die bestehenden Gesetze und Richtlinien stets korrekt und zuverlässig zur Anwendung gelangen“. Markus Hofmann sagte, die Grünen wollten sich dafür einsetzen, dass die Kreise und Kommunen künftig selbstständig verkehrsbeschränkende Maßnahmen wie niedrigere Ortsgeschwindigkeiten festlegen dürften. Bürger-Allianz und Grünen gingen mit dem Gefühl auseinander, dass es ein gutes Gespräch gewesen sei mit der „erfreulichen Perspektive“, dass die Grünen die Herolzer unterstützen wollen.

Das könnte Sie auch interessieren