So ähnlich wie hier bei Ober-Moos könnte es aus Sicht der Stadt Bad Soden-Salmünster nach dem Bau der Freiflächensolaranlage bei Salmünster aussehen: Grasende Schafe und Ziegen unter der Anlage.
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So ähnlich wie hier bei Ober-Moos könnte es aus Sicht der Stadt Bad Soden-Salmünster nach dem Bau der Freiflächensolaranlage bei Salmünster aussehen: Grasende Schafe und Ziegen unter der Anlage.

Neun Hektar Solarpark

„Verschandelung des Landschaftsbildes“: Ortslandwirt lehnt Freiflächen-Photovoltaikanlage ab

  • Walter Kreuzer
    VonWalter Kreuzer
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Den Windkraftplänen von Hessen Forst hat Kurstadt-Bürgermeister Dominik Brasch eine relativ deutliche Absage erteilt. Er ist sich mit den Gremien aber einig, wenn es um die Freiflächen-Photovoltaikanlage bei Salmünster geht. Doch da bremst das Regierungspräsidium.

Salmünster - „Wir kennen unsere Verantwortung und werden dieser gerecht, indem wir etwas tun und einen effizienten Beitrag leisten. Aber ringsum den Staatsforst zupflastern, halten wir nicht für gut. Statt Windräder haben wir als Stadt die größte Freiflächen-Photovoltaikanlage der Region im Sinn“, betont der Rathauschef. Mit dem Brachttaler Unternehmen Next Energy gibt es einen Investor, der in der Gemarkung Salmünster (Main-Kinzig-Kreis) in der Fortsetzung des zwölf Hektar großen Gewerbegebietes Rauher Berg auf einer Fläche von knapp neun Hektar einen Solarpark mit einer Leistung von 7,37 Megawatt/Peak errichten möchte. Das Gelände liegt parallel zur Autobahn 66 auf der Spessartseite in Hanglage.

Wenn es nach der Kurstadt ginge, wäre das Vorhaben bereits weiter. Ende Mai haben die Stadtverordneten einen Bebauungsplan auf den Weg gebracht. Doch das Verfahren stockt, weil das Regierungspräsidium Darmstadt Bedenken angemeldet hat.

Main-Kinzig-Kreis: Photovoltaik-Freifläche in Salmünster - Harsche Kritik

Daher hat die Stadt ein „Zielabweichungsverfahren vom Regionalplan“ angestrengt – und inzwischen ihre Stellungnahme abgegeben. Brasch: „Am 17. September soll die Regionalversammlung darüber entscheiden. Wenn unserem Antrag stattgegeben wird, dann kann bis November der Antrag bei der Bundesnetzagentur gestellt werden und das Vorhaben 2022 umgesetzt werden.“

Reaktion

Andreas Grauel, Ortslandwirt von Salmünster, lehnt die Pläne für die Freiflächen-Solaranlage ab – und hat dies auch in seiner Stellungnahme zur Bauleitplanung zum Ausdruck gebracht. Eines seiner Argumente ist die „Verschandelung des Landschaftsbildes“, da eine solche Anlage „nicht in die Landschaft gehört“.

Der zweite Punkt ist fachlicher Natur: Es geht landwirtschaftlich genutzte Fläche verloren. Aktuell macht ein Betrieb dort Heu für seine Pferde, die dort auch weiden. Mit einer Solaranlage sei eine Beweidung „witzlos und mühsam“ und nur mit Schafen oder Ziegen möglich, da Rinder und Pferde zu groß seien.

Aus Sicht der Stadt „könnten wir weiter sein“. Er hält die Fläche für geeignet und betont: „Wir wollen dort gebündelt etwas machen.“ Um die Genehmigung zu erhalten, werde die Fläche eventuell verkleinert, was Brasch „nicht für sinnvoll“ hält. Die Bedenken des Regierungspräsidiums fußen auf dem Regionalplan Südhessen. In diesem ist das Gelände zum einen als Grünzug und zum anderen als Landwirtschaftsfläche ausgewiesen. Der Grünzug könne an anderer Stelle ausgewiesen werden. (Lesen Sie hier: Haltestellen im Main-Kinzig-Kreis sollen für Insekten begrünt werden)

Bleibt also die Landwirtschaft. „Das ist kein hochwertiger Boden. Die Fläche wird zur Grünfuttergewinnung und als Weide genutzt“, sagt der Bürgermeister und betont: „Wir hätten sogar einen Landwirt, der die Fläche trotz Solaranlage beweiden will. Ich finde diese Einwände problematisch.“

Regierungspräsidium will Kompromiss zwischen Funktion als Kurstadt und landwirtschaftlicher Fläche finden

Zu dem Thema befragt, zieht sich die Pressestelle des RP in ihrer Antwort auf allgemeine Hinweise zurück. Nach der seit November 2018 in Hessen geltenden Freiflächensolaranlagenverordnung sei der Bau von PV-Anlagen in benachteiligten landwirtschaftlichen Gebieten möglich – insgesamt 320.000 Hektar oder zwei Fünftel des Acker- und Grünlands im Lande.

Davor seien diese nur auf Konversionsflächen sowie entlang von Autobahnen und Schienenstrecken zulässig gewesen. Der Zubau von Freiflächen-Anlagen werde auf 35 Megawatt oder etwa 50 Hektar pro Jahr begrenzt.

Es gelte, „einen Kompromiss zwischen der regionalen Energieerzeugung und den Belangen der regionalen Landwirtschaft, des Forstes, des Naturschutzes, der Naherholung und des Tourismus, aber auch der besonderen Funktion von Bad Soden-Salmünster als Kurstadt zu finden“, heißt es aus Darmstadt.

Als Kompromisslösungen kämen aus Sicht der Landesbehörde „zum Beispiel die Verkleinerung der geplanten Fläche oder auch die Verlagerung an einen anderen Standort“ in Frage. „Über einen konkreten Vorschlag für Bad Soden-Salmünster ist noch nicht entschieden.“

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