Ein Polizeifahrzeug steht vor einer Polizeidienststelle.
+
Bei einer routinemäßigen Blutentnahme in der Polizeistation Schlüchtern eskalierte die Situation.

Verfahren vor Gericht eingestellt

Main-Kinzig-Kreis: Routinemäßige Blutabnahme in Polizeistation eskaliert - Polizist wird verletzt

Eigentlich sollte es eine routinemäßige Blutabnahme in der Polizeistation Schlüchtern werden. Doch dann eskalierte die Situation am 5. Februar 2020. Jetzt kam der Fall vor Gericht.

Schlüchtern - Ein 20-Jähriger musste sich wegen Widerstandes gegen Polizeibeamte vor Jugendrichter Christian Scheuermann in Gelnhausen verantworten. Letztlich wurde das Verfahren gegen den Mann aus der Bergwinkelstadt ohne weitere Auflagen eingestellt.

Es war der erste Tag einer Kontrollwoche der hiesigen Polizeistation. Doch gleich da kam es zu einem Zwischenfall in der Fuldaer Straße. Aus dem fließenden Verkehr wurde der 20-Jährige in seinem Fahrzeug heraus gewinkt und einer Kontrolle unterzogen. Da der Verdacht auf Drogenkonsum bestand, wurde er auf die Polizeistation zur Blutentnahme mitgenommen.

Main-Kinzig-Kreis: Routinemäßige Blutentnahme in Polizeistation eskaliert - Polizist verletzt

Doch zu dieser war er nicht bereit, sondern wehrte sich. Laut Anklageschrift schlug und trat er um sich. Mehrere Beamte waren nötig, um den Heranwachsenden so weit ruhig zu stellen, dass die Nadel angesetzt werden konnte. Bei der Rangelei prallte ein Beamter rückwärts gegen die Kante eines Tisches. Dabei zog er sich Prellungen im Lendenwirbelbereich sowie am rechten Oberarm zu.

Der Angeklagte mochte nicht verstehen, warum ausgerechnet er heraus gewinkt wurde. Ganz viele andere Fahrzeuge durften den Kontrollpunkt unbehelligt passieren. Wenn er dann mit seinem Anwalt oder seinem Bruder an Ort und Stelle hätte telefonieren dürfen, wäre er allen Aufforderungen gefolgt. (Lesen Sie hier: Polizei sucht in Kinderzimmer in Schlüchtern nach Drogen - und findet Waffenarsenal).

Doch das wurde ihm verweigert, stattdessen das Handy abgenommen und Handschellen angelegt. Er habe sich recht- und machtlos gefühlt und Angst vor den Polizisten gehabt. Der 20-Jährige erinnerte an die Pannen bei den Ermittlungen im Fall des ermordeten einheimischen Blumenhändlers Enver Simsek und an die verkehrt gehisste Flagge vor dem Schlüchterner Polizeigebäude. Deswegen sei er der Meinung, dass es auch in dieser Stadt Rassismus bei der Polizei geben könnte.

Blutentnahme in Schlüchtern eskaliert: Angeklagter zeigt Reue

Der verletzte 34-jährige Beamte lieferte Antworten auf die Fragen. Der 20-Jährige sei kontrolliert worden, weil er mit 67 statt erlaubten 50 Stundenkilometern in die Kontrolle fuhr. Von Anfang an sei dieser „leicht aggressiv“ gewesen. Nachdem Anzeichen für einen Drogenkonsum festgestellt wurden, bekam er das Angebot, einen freiwilligen Test vor Ort zu machen, was der Mann abgelehnt habe.

Deswegen musste er mit zur Blutentnahme. Da alles gutes Zureden nicht half, musste diese unter Zwang erfolgen. Natürlich durfte der Angeklagte später auch telefonieren, erklärte der Beamte. Im Blut fanden sich tatsächlich Rückstände auf Drogen. Deswegen musste der Beschuldigte auch seinen Führerschein abgeben und eine Geldbuße in Höhe von 800 Euro bezahlen.

Sein Verteidiger beteuerte, dass der 20-Jährige mit der Situation vor Ort überfordert war. Mittlerweile habe dieser sich bei dem verletzten Beamten schriftlich entschuldigt und ihm 500 Euro Schmerzensgeld bezahlt. Vor dem Gerichtssaal entschuldigte er sich noch einmal persönlich. Richter Scheuermann nahm wohlwollend zur Kenntnis, dass der Angeklagte sein Fehlverhalten mittlerweile eingesehen habe. Wegen der bereits erfolgten Zahlung stellte er das Strafverfahren ein. (ls)

Das könnte Sie auch interessieren