Radwandern als Freizeitvergnügen ist auf vielen Strecken im Main-Kinzig-Kreis möglich. Das Bild entstand nahe der Ronneburg.
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Radwandern als Freizeitvergnügen ist auf vielen Strecken im Main-Kinzig-Kreis möglich. Das Bild entstand nahe der Ronneburg.

„Leute aufs Rad bringen“

Wie gut sind die Radwege? Bürger im Main-Kinzig-Kreis können sich nun beteiligen

Im Kinzigtal mit dem Fahrrad alltagstauglicher, direkter, schneller und sicherer von A nach B zu kommen, darum soll es beim zu erarbeitenden Radverkehrskonzept gehen.

Region - Schon im vorigen Herbst hatten die CDU-Ortsverbände von Bad Soden-Salmünster, Bad Orb, Wächtersbach, Gelnhausen, Gründau und Linsengericht die Umfrage „Velo Direkt“ auf den Weg gebracht. Dieser Tage startete die offizielle Bürgerbeteiligung des Main-Kinzig-Kreises.

Mehr als 30 Teilnehmer trafen sich kurz zuvor zu einer Video-Konferenz, die durch die CDU-Kreisvorsitzende Dr. Katja Leikert eröffnet wurde. Sie ging auf das veränderte Nutzerverhalten ein, das sich in einer großen Nachfrage nach Fahrrädern niederschlage. Kreisverkehrsdezernent Winfried Ottmann (CDU) lässt ein „baulastträgerübertreifendes“ Radwegekonzept erarbeiten, das einen gesamtheitlichen Ansatz verfolgen soll. 2020 erfolgte die Ausschreibung zum Radverkehrkonzept. Es werde eingebunden in die Radverkehrsstrategie des Verbands Spessart regional, so Ottmann. (Lesen Sie hier: CDU-Verbände propagieren Radweg-Verbindung zwischen Salmünster und Gründau)

Bad Soden-Salmünsters CDU-Chef Johannes Wiegelmann berichtete von der großen Resonanz auf die Umfrage und vielen Hinweisen zu Gefahrenstellen und zu Lücken im hiesigen Radwegenetz. „Alltagstauglich“ solle das Radwegenetz werden und zu Knotenpunkten wie Bahnhöfen, Schulen und Einkaufszentren führen.

Main-Kinzig-Kreis: Wie gut sind die Radwege? Bürger können sich nun beteiligen

Der Inhaber der Bikeschmiede in Salmünster, Frank Klüh, ist ein ausgewiesener Fachmann. Er berichtete, was sich derzeit tue und erläuterte den Unterschied von touristischer Nutzung und Alltagsverkehr. „Das Fahrrad ist kein Verkehrsmittel mehr für arme Leute“, erklärte Klüh. Er gehe davon aus, dass ein Navigationssystem bei E-Bikes künftig obligatorisch sei. „Viele haben mehrere Räder“, wusste er zu berichten. Schließlich gebe es für jeden Zweck ganz unterschiedliche Fahrräder.

Fahrradständer, an die man sein Fahrrad ankette, seien nicht mehr zeitgemäß, so der Fachmann. Hochwertige Fahrräder oder Lastenräder brauchten Platz und Sicherheit. Wer Verkehr vom Auto auf das Fahrrad verlegen wolle, müsse Parkplätze für Autos umwidmen auf Fahrradstellplätze. Auch Arbeitgeber müssten Parkplätze zur Verfügung stellen, wenn Mitarbeiter vom Auto auf das Fahrrad umsteigen sollten.

Der Radweg aus von Ahl in Richtung Bad Soden ende zum Beispiel „im Nirvana“, gab Frank Klüh ein kleines Beispiel für die aktuelle Situation. Wer aber die Hauptstraße nutzen müsse statt eines Fahrradweges, für den könne es gefährlich werden. Auch Radwege zu Bahnhöfen seien im Main-Kinzig-Kreis in der Vergangenheit zurückgebaut worden, berichteten Konferenzteilnehmer. Ein Problem seien die unterschiedlichen Kostenträger, sodass Radwege endeten, wenn es von einer Kreisstraße auf eine Landes- oder Bundesstraße gehe.

„Wir wollen die Leute aufs Rad bringen“, fasste Klüh zusammen. Radwege würden aber auch von Fußgängern genutzt. Zwar halte er dies im ländlichen Bereich nicht für besonders problematisch, es müsse aber bedacht werden: Wenn „Jobräder“ unterwegs seien, bringe erst deren Tempo den Erfolg. „Wenn ich zur Arbeit fahre, dann will ich schnell da sein.“

Klüh: Wir wollen die Leute aufs Rad bringen

Marion Betz-Berthold vom Landhotel Betz freute sich, dass in Sachen Rad-Tourismus mehr gemacht werden solle. Das biete auch jenen Menschen Chancen, die hier leben. Sie wies darauf hin, insbesondere an Familien mit Kindern zu denken: „Wie können Familien mit Kindern vom oberen Kinzigtal sicher nach Hanau fahren?“

Für Elisabeth Dietz (Mernes) ist wichtig, dass der ländliche Rausm nicht abgehängt werde. Schon lange würden die Merneser Radwege sowohl zum Bahnhof nach Salmünster als auch in Richtung Bayern fordern. Touristisch sei es wichtig, Durchlässigkeit über Länder- und Kreisgrenzen zu schaffen. Dietz wünschte sich, dass auch kleinere Orte ins Planungsgeschehen eingebunden würden.

Für Winfried Ottmann ist klar, dass Fahrradschnellwege rund um Frankfurt sinnvoll seien, das übrige Radwegenetz müsse für touristische Nutzer und in Kombination mit Fußgängern ausgelegt werden. Von Mernes nach Salmünster müsse man Lösungen abseits der Kraftfahrstrecke finden, etwa auf Waldwegen. (Von Barbara Kruse)

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