Der Rollerfahrer musste sich bereits mehrfach vor Gericht verantworten, weil er ohne Führerschein unterwegs war. (Symbolfoto)
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Der Rollerfahrer musste sich bereits mehrfach vor Gericht verantworten, weil er ohne Führerschein unterwegs war. (Symbolfoto)

55-Jähriger vor Gericht

Rollerfahrer aus dem Kinzigtal wird 19-mal ohne Führerschein erwischt - Beim 20. Fall greift der Richter durch

Wegen 19 Fahrten ohne Fahrerlaubnis musste sich ein 55-Jähriger aus dem Main-Kinzig-Kreis bereits vor Gericht verantworten. Kürzlich kam der 20. Fall hinzu. Kein Wunder also, dass Richter Wolfgang Ott am Ende nichts anderes übrigblieb, als eine Haftstrafe zu verhängen.

Freigericht - Drei Monate lautete die Sanktion, allerdings wird sie auf zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Außerdem muss der Mann aus Freigericht in Main-Kinzig-Kreis eine Strafe von 500 Euro an das Bayerische Rote Kreuz für das Hospiz im unterfränkischen Alzenau entrichten.

Am 16. Juni vergangenen Jahres war der 55-Jährige kurz nach Mitternacht mit einem Kleinkraftroller in Freigericht unterwegs, als ihm ein Streifenwagen mit drei Polizeibeamten entgegenkam. Einer von ihnen vermutete sofort, dass der Kradfahrer schneller als die erlaubten 25 Stundenkilometer unterwegs ist. Also unternahmen die Ordnungshüter ein spontanes Wendemanöver und fuhren hinter dem Kraftroller her. Dabei zeigte die Tachonadel des Einsatzwagens rund 50 Stundenkilometer an. (Lesen Sie auch: Polizei im Main-Kinzig-Kreis macht Jagd auf getunte Roller)

Main-Kinzig-Kreis: Rollerfahrer wird 20-mal ohne Führerschein erwischt

Nachdem der 55-Jährige von den Streifenbeamten an den Straßenrand gewunken worden war, konnte er ihnen keinen Führerschein vorlegen. Er habe ihn zuhause vergessen, beteuerte er nach Aussagen der drei Beamten im Zeugenstand. Später stellte sich jedoch heraus, dass der Mann aus dem Main-Kinzig-Kreis gar keinen Führerschein besitzt.

Die Polizisten wollten der Sache mit der Geschwindigkeit noch einmal auf den Grund gehen. Deswegen holte sich eine 33-Jährige die Erlaubnis von dem Besitzer, eine Proberunde zu fahren. Nächstes Problem: Der Tachometer war defekt. Also fuhr sie mit dem Bike vorneweg, der Kollege im Streifenwagen hinterher, um damit eine ungefähre Geschwindigkeit abschätzen zu können. Tatsächlich fuhr die Beamtin auch rund 50 Stundenkilometer, wobei es teilweise bergauf ging und sie nicht Vollgas gab, wie sie berichtete. Das traute sich die Frau in Anbetracht diverser Mängel an dem Zweirad nicht.

Getunter Roller: Polizei zieht Mann aus Freigericht aus dem Verkehr

Der Verteidiger hielt die Messungen für nicht verwertbar und forderte Freispruch für seinen Mandanten. Anders jedoch der Richter. Für ihn stand fest, dass der Angeklagte nie einen Führerschein besessen hat, der Kleinkraftroller deutlich schneller als die 25 Stundenkilometer fahren konnte und deswegen der Beschuldigte wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis zu verurteilen ist. Der Mann habe eine Dummheit gemacht und solle dazu stehen, sagte der Vorsitzende Richter.

Von einem Fahrverbot sah Wolfgang Ott allerdings ab, um dem 55-jährigen Mann nicht die Möglichkeit zum Erwerb eines Führerscheins zu verbauen. Dies in die Tat umzusetzen, legte der Richter dem Beschuldigten dringend ans Herz.

Die Staatsanwaltschaft Hanau hatte sogar eine Bewährungsstrafe von sechs Monaten gefordert. Zu oft sei der 55-Jährige aus Freigericht wegen des immer gleichen Delikts – Fahren ohne Fahrerlaubnis – in der Vergangenheit mehrfach aufgefallen und verurteilt worden. Teilweise saß der Mann deswegen auch schon im Gefängnis. (ls)

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