Neues Leben im Herzen von Schlüchtern: Carmen und Wilfried Lenz (links) haben von Anette Gold-Fehl das „Schwone“-Haus gekauft und eröffnen dort eine Metzgerei.
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Neues Leben im Herzen von Schlüchtern: Carmen und Wilfried Lenz (links) haben von Anette Gold-Fehl das „Schwone“-Haus gekauft und eröffnen dort eine Metzgerei.

Main-Kinzig-Kreis

Neues Leben im Herzen Schlüchterns: Schäferfamilie Lenz kauft „Schwone“-Haus

  • vonUlrich Schwind
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Neues Leben im Herzen von Schlüchtern: Das traditionsreiche Fachwerkhaus „Unter den Linden 8-10“, auch „Schwone“-Haus genannt, hat einen neuen Besitzer. Und schon bald wird dort wieder ein Geschäft aufmachen.

Schlüchtern - Im Jahre 1815 war Johann Wolfgang von Goethe so sehr beeindruckt von dem Anwesen, dass er sich die Muse nahm und das Gebäude zeichnete. Lange Zeit beherbergte dieses traditionsreiche Haus Gaststätten und Metzgereien. Die letzte schloss am 30. November 2018. Wegen der einstigen Wirtschaft „Zum Schwan“ trägt es bei alten Schlüchternern noch heute den Beinamen „Schwone“.

Jetzt wird die alte Tradition fortgeführt: Carmen und Wilfried Lenz von der gleichnamigen Schäferei aus dem Schlüchterner Stadtteil Elm im Main-Kinzig-Kreis haben vor wenigen Tagen das Gebäude gekauft. Schon Ende Mai wollen sie dort zusammen mit ihren Söhnen Andreas und Stefan eine eigene Metzgerei eröffnen. Das angrenzende „Altstadtstübchen“ - eine ehemalige Bierkneipe - wird als Imbiss für Frühstück und Mittagstisch mit dem Namen „Lindenstübchen“ angegliedert.

Main-Kinzig-Kreis: Schäferfamilie Lenz kauft „Schwone“-Haus in Schlüchtern

Die Schäferfamilie Lenz hat sich in der gesamten Region in den vergangenen Jahren einen guten Namen erworben. Mit fast 1000 Schafen und einigen Schweinen ist sie ein wichtiger regionaler Versorger, der regelmäßig auf dem Schlüchterner Wochenmarkt, im Verbund der heimischen Selbstvermarkter und im eigenen Hofladen in Elm seine Waren verkauft. Doch letzterer ist für die große Nachfrage mittlerweile zu klein geworden. (Lesen Sie hier: Freibäder im Kinzigtal: Trotz Corona laufen in den meisten Gemeinden die Vorbereitungen).

Deswegen kam die Idee von dem Schlüchterner Makler Arnold Gold, dort zu investieren, gerade zur rechten Zeit. Er war bereits im Jahr 2019 von dem heimischen Unternehmer Horst Fehl angesprochen worden, einen Käufer für sein Anwesen „Unter den Linden“ zu finden. Doch es sollte nicht irgendeiner sein. Fehls Wunsch war es, dort wieder eine Metzgerei anzusiedeln. Viele Interessenten klopften in der Folge an. Vom Textilmarkt über einen Second-Hand-Laden bis hin zum Schnellimbiss, berichtet Gold.

Schäferfamilie Lenz kauft „Schwone“-Haus: Metzgerei soll Ende Mai öffnen

Horst Fehl ist vor einem Jahr gestorben. Doch die Suche in seinem Sinne ging weiter. Und hatte jetzt Erfolg: Mit der Familie Lenz. Sie bringt viel Fachwissen mit und ist optimal für die Zukunft aufgestellt.

Vater Wilfried Lenz ist Schäfermeister und hat schon mehrere Jahre in einer Metzgerei gearbeitet. Mutter Carmen ist Bürokauffrau. Sohn Andreas (20 Jahre) hat vor zwei Jahren als jüngster Absolvent in der Region seinen Metzgermeister gemacht und eine Fortbildung zum Sommelier abgeschlossen. Er steht vor der Gesellenprüfung als Schäfer. Sein jüngerer Bruder Stefan (19) will im Sommer seine Gesellenprüfung als Metzger ablegen und anschließend ebenfalls einen Meisterkurs besuchen.

Metzgerei mit Komplettangebot: Partyservice und regionale Produkte

Geplant ist in dem Gebäude eine Metzgerei mit einem Komplettangebot. Dort wird es dann nicht nur Fleisch vom Schaf, sondern auch vom Schwein, Rind und der Ziege geben. Alles aus der Region, geschlachtet bei Lenz in Elm im modernen Schlachthaus mit EU-Zulassung. Dazu soll es einen Partyservice geben. Und parallel wird die Familie weiter am Wochenmarkt sowie bei den Selbstvermarktern ihre Produkte verkaufen.

Alle Beteiligten sind über die Situation glücklich. Die Familie Lenz, weil sie aus ihrer räumlichen Enge herauskommt. Arnold Gold, weil der regionale Handel gestärkt wird. Und seine Nichte Anette Gold-Fehl, weil so der Wunsch ihres Mannes Horst doch noch in Erfüllung geht: „Diese Lösung ist ganz in seinem Sinne“, berichtet sie zufrieden.

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