Die Kostenschätzung einer Machbarkeitsstudie zum Kita-Neubau in Steinau hat zu einer „Schockstarre“ unter den Stadtverordneten geführt.
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Die Kostenschätzung einer Machbarkeitsstudie zum Kita-Neubau in Steinau hat zu einer „Schockstarre“ unter den Stadtverordneten geführt. (Symbolbild)

Machbarkeitsstudie

Kostenschätzung führt zu „Schockstarre“ - So teuer könnte Steinau der Kita-Neubau kommen

„Gibt es Fragen?“, wollte die stellvertretende Stadtverordnetenvorsteherin Sabrina Heiliger (SPD) von ihren Kollegen wissen. Die Antwort: Schweigen. Grund für die Schockstarre der Abgeordneten waren die von Architekt Dennis Nikolaisen vorgelegten Zahlen. Die neue Kita dürfte demnach um die 7 Millionen Euro kosten.

Steinau - „Wir sind alle etwas geschockt, dass wir bei 7,1 Millionen Euro liegen“, brach SPD-Fraktionschef Holger Frischkorn das Schweigen und verwies auf den Architektenwettbewerb von 2019: „Damals lagen wir mit einem anderen Plan bei 5 Millionen Euro. Wir haben die Reißleine gezogen, weil wir dachten, es geht billiger.“

Das war ganz offensichtlich ein – unter den Stadtverordneten in Steinau (Main-Kinzig-Kreis) weit verbreiteter – Irrtum. Die seit 2019 immer wieder diskutierten Kosten hatten eine geringe Halbwertzeit. Der Grund: Sie basierten auf unterschiedlichen Annahmen und umfassten nicht alle Kostengruppen.

Dass die jetzt von dem Architekten vom Frankfurter Büro Raum Z vorgelegten Zahlen länger Bestand haben werden, kann bezweifelt werden. Dies jedoch nicht, weil sie nicht solide berechnet wären. Vielmehr handele es sich um eine „Studie aus weiter Ferne“, wie Nikolaisen mehrfach betonte. Bei seiner Arbeit sei es lediglich um diese Fragen gegangen: „Was ist an dem Standort möglich? Was macht Sinn? Und was sind die Kosten?“ (Lesen Sie hier: Fuldaer Kita-Bau St. Pius - 5,3 Millionen Euro kalkuliert)

Main-Kinzig-Kreis: Schock bei Steinaus Abgeordneten - So teuer wird die neue Kita

Als Grundlage diente insbesondere der vom Main-Kinzig-Kreis vorgegebene Raumbedarf für eine sechs Gruppen umfassende Kindertagesstätte, in der einmal 124 Mädchen und Jungen betreut werden sollen. So geht Nikolaisen bei seinen Überlegungen von 1080 Quadratmeter Nutzfläche aus, aufgeteilt etwa in sechs Gruppen- und je drei Schlaf- und Intensivräume. Hinzukommen Mehrzweckraum, Speiseraum, Küche, Personal- und Elternbereiche sowie Sanitärräume.

In seiner Studie untersuchte Architekt Nikolaisen vier Varianten einer Kindertagesstätte auf dem aktuellen Grundstück. Als „empfehlenswert“ bewertete er die auf den beiden rechten Skizzen zu sehenden Lösungen in Form eines Riegels (unten) beziehungsweise eines Winkels.

In das vorhandene Gelände der Kita Märchenwald – das Bestandsgebäude soll abgerissen werden – stellte der Architekt alternativ vier Baukörper. Zwei davon unterzog er einer etwas näheren Betrachtung – die Varianten „Winkel“ und „Riegel“. Den Anforderungen stellte er pauschalisierte Kosten für die einzelnen Bereiche vom Bau des Gebäudes über die Technik und die Ausstattung bis hin zu einem Risikoaufschlag und der Mehrwertsteuer (siehe „Variantenvergleich“) gegenüber.

Vergleiche mit anderen Kitas - Abgeordnete halten den Vorschlag für zu teuer

Nikolaisen: „Es gibt sicher billigere Lösungen. Dann muss man aber detailierter einsteigen und etwa die Fachplaner einbeziehen. Wir reden hier von einem Standard, den wir aus der Region kennen. Die Kosten sind eine Momentaufnahme. Man darf auch nicht außer Acht lassen, was das Gebäude über seinen Lebenszyklus kostet.“

Hans-Joachim Knobeloch (SPD) sprach davon, dass „wir vor 25 Jahren den Kindergarten Steinaubach für eine Million Mark gebaut haben. Sieben Millionen Euro sind 7000 Euro pro Einwohner“. Und Thomas Hummel (UBL) verwies auf einen Kindergarten in Linsengericht, der für 1,5 bis 2 Millionen gebaut worden sei.

Was bei den Vergleichen nicht erwähnt wurde, sind die zugrunde liegenden Kostengruppen. Ohne den eingerechneten Risikozuschlag und eine Preissteigerung bis zur angedachten Fertigstellung in zwei Jahren läge der Neubau bei etwa 5,7 bis 6,1 Millionen Euro. Ein aktueller Vergleich: Die Gemeinde Sinntal plant für ihren Neubau für vier Gruppen mit Kosten von 3,9 Millionen Euro.

Keine Kita für 7,1 Millionen Euro? - Bürgermeister geht es vor allem um Risikoabwägung

Nachdem der Architekt alle Fragen beantwortet und die Halle verlassen hatte, ergriff Bürgermeister Christian Zimmermann (parteilos) zu dem Thema das Wort, ehe er aus der Arbeit des Magistrats berichtete. Es sei mit der Studie lediglich darum gegangen, „Konzepte auf dem bestehenden Raum gegenüberzustellen und die Kostenstrukturen einzurechnen“. Er wolle „keine Kita für 7,1 Millionen. Es geht darum, vorher die Risiken abzuwägen“, bezog er sich auf den eingerechneten Risikoaufschlag – und verwies auf den Marstall: „Dort reden wir darüber, dass er teurer wurde.“

Mit der Studie gebe es nun eine Gesprächsgrundlage, auf deren Basis Ausschreibungen und der Antrag auf Förderung gestellt werden könne. Im Raum stehe nach wie vor ein Zuschuss in Höhe von 1,5 Millionen Euro.

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