Dr.-Richard-Küch-Straße im Gewerbegebiet Galgenbach in Bad Soden-Salmünster.
+
In der Dr.-Richard-Küch-Straße im Salmünsterer Gewerbegebiet Galgenbach waren die Schüsse gefallen (Archivfoto).

Angeklagter hat Drogenproblem

Nach Schüssen auf Auto in Bad Soden-Salmünster: Prozessauftakt in Hanau mit Unterbrechung

Versuchter Totschlag und erpresserischer Menschenraub lauten die Vorwürfe gegen drei Männer im Alter zwischen 25 und 30 Jahren, die derzeit am Landgericht Hanau verhandelt werden. Schon beim Prozessauftakt kam es zu einer Unterbrechung.

Salmünster/Hanau - Die Anklage liest sich wie aus einem Krimi: Am Abend des 5. Juni vorigen Jahres sollen die drei Angeklagten beschlossen haben, insgesamt 4700 Euro von dem Geschädigten namens W. in Bad Soden-Salmünster einzufordern. Mit einem Fahrzeug sollen sie das Opfer in eine abgelegene Schutzhütte gebracht, es dort mit Paketklebeband gefesselt und ihm ein Zigarettenpäckchen in den Mund gesteckt haben.

Main-Kinzig-Kreis: Prozessauftakt nach Schüssen auf Auto in Bad Soden-Salmünster

Nachdem sich W. in Abwesenheit der drei Täter befreien und fliehen konnte, sollen sie ihm Tags darauf erneut aufgelauert haben. Mit zwei Autos sei es dann zu einer Verfolgungsjagd gekommen, in deren Verlauf sich der Hauptangeklagte aus dem Fenster des fahrenden Fahrzeugs lehnte und mit einer Pistole wahllos drei Schüsse in Richtung eines mit mehreren Personen besetzten Autos abfeuerte. Dabei erlitt ein Unbeteiligter einen Streifschuss am kleinen Finger.

Durch einen Antrag der Verteidigung kam es aber nicht mal zum Verlesen der Anklageschrift. Der Mandant leide unter „kognitiven Defiziten“ sowie einer Intelligenzminderung und Konzentrationsstörung. Bereits seit seinem 17. Lebensjahr nehme der Angeklagte Drogen wie Cannabis und Kokain zu sich. Die Entzugserscheinungen seien für ihn bereits nach ein paar Stunden unerträglich, weshalb er immer wieder zu neuen Drogen greife. Er leide zudem unter paranoiden Empfindungen und Psychosen, ebenso sei er maximal in der Lage, zwei Stunden am Stück – und auch hier nur mit mehreren Pausen – aufnahmefähig.

Angeklagter hat massives Drogenproblem - Unterbrechung beim Prozessauftakt in Hanau

In seinem derzeitigen Zustand „könnte er nicht einmal eine Aussage abgeben“, betonte seine Anwältin. Sie sehe die Rechte des Angeklagten nicht gewahrt, der aufgrund seiner emotionalen Instabilität offensichtlich nicht in der Lage sei, der Hauptverhandlung zu folgen oder seine Interessen zu vertreten. Ebenso beantragte die Verteidigerin, einen Facharzt hinzuzuziehen.

Dass der junge Mann keinen guten Eindruck machte, entging auch der Vorsitzenden Richterin Susanne Wetzel und dem Staatsanwalt nicht. Dieser teilte die Zweifel an der Verhandlungsfähigkeit des Angeklagten. Nach kurzer Aussprache entschied Wetzel, den Verhandlungsauftakt zu verschieben. (jad)

Das könnte Sie auch interessieren