Durch die Dürre und massiven Borkenkäferbefall mussten im vergangenen Jahr große Mengen an Fichtenholz im Bergwinkel geschlagen werden. Dieses Bild stammt aus dem Isenburger Wald. Dennoch wird Holz als Baustoff auf dem Markt immer knapper.
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Durch die Dürre und massiven Borkenkäferbefall mussten im vergangenen Jahr große Mengen an Fichtenholz im Bergwinkel geschlagen werden. Dieses Bild stammt aus dem Isenburger Wald. Dennoch wird Holz als Baustoff auf dem Markt immer knapper.

Befall durch Borkenkäfer

Viel Fichte, aber wenig Qualität: Stark schwankende Holzpreise treffen auch Waldbesitzer im Bergwinkel

Holz ist dank voller Auftragsbücher in Zimmereien derzeit sehr begehrt. Doch während der Rohstoff in einigen Betrieben knapp wird, steigen die Einnahmen von Waldbauern kaum. Das trifft auch Anbieter aus dem Bergwinkel.

Region - Die Holzpreise schwanken derzeit bundesweit stark. Davon betroffen sind unter anderem Zimmereien oder auch Fertighausbauer, vor allem aber die Waldbauern selbst. „Preisschwankungen gab es schon immer, das ist nichts Neues“, betont Jörg Winter, Leiter des Forstamts Schlüchtern im Main-Kinzig-Kreis. Durch die große Dürre und einen massiven Befall durch den Borkenkäfer in den zurückliegenden drei Jahren seien jedoch immense Mengen an sogenanntem Käferholz angefallen, insbesondere von der Fichte.

Das kurzzeitig massive Überangebot des Werkstoffs habe stark gesunkene Preise nach sich gezogen. „Die Käufer hatten dann die Marktmacht, die Preise sanken nahezu ins Bodenlose. Teilweise waren die Erntekosten nicht mehr gedeckt“, berichtet Winter. Und: „So tief habe ich die Preise in den vergangenen 30 Jahren noch nicht erlebt.“ Die Nachfrage für das optisch weniger ansprechende Käferholz fällt auf dem Markt jedoch geringer aus: „Es hat den Nachteil, dass es sich verfärbt, wenn es länger draußen steht. Das liegt an Pilzen, die das Holz angreifen, weil durch den Käfer die Rinde fehlt“, erklärt Winter.

Main-Kinzig-Kreis: Stark schwankende Holzpreise treffen Waldbesitzer im Bergwinkel

„Käferholz wird meist nicht mehr als Konstruktionsholz verwendet. Für was es genutzt wird, kommt immer auf den Grad der Beschädigung an. Es gibt aber verschiedene Verwendungsmöglichkeiten wie Paletten oder Verpackungsmaterial“, weiß Miriam Herber, Leiterin der kommunalen Holzvermarktungsstelle Kinzigtal/Spessart. Der Zusammenschluss aus den sieben Kommunen Schlüchtern, Sinntal, Bad Soden-Salmünster, Steinau, Birstein, Brachttal und Wächtersbach übernimmt seit 2019 die Holzvermarktung für rund 5000 Hektar Waldfläche. Dennoch ist laut dem Forstamtsleiter die Nachfrage von Käferholz in Deutschland gering, weshalb es als unverarbeitetes Rundholz in großen Mengen nach China verkauft wurde.

Den internationalen Export betrifft das Holz aus dem Bergwinkel laut Miriam Herber jedoch kaum: „Die Lieferungen erfolgen vor allem an regionale Kunden.“ Generell müsse man zwischen Laub- und Nadelholz unterscheiden. „Laubholz ist noch genügend da. Aber Fichtenholz fehlt auf der Fläche. Das Schadholz ist weitgehend durchgearbeitet, der Markt für Fichte erholt sich langsam. Jetzt fehlt jedoch der Nachschub.“ Die Fichte sei in der Region nach wie vor „Brotbaum“, aber man versuche, auf den freigewordenen Flächen andere Bäume anzupflanzen, die robuster sind. (Lesen Sie hier: Holzpreis geht in Fulda durch die Decke: Häuser werden um mindestens 15.000 Euro teurer).

Walter Strauch: Die Sägewerke zahlen für Holz nicht mehr so gut wie noch vor ein paar Jahren

„Die Sägewerke zahlen für Holz nicht mehr so gut wie noch vor ein paar Jahren“, benennt Walter Strauch, Vorsitzender der Forstbetriebsgemeinschaft Bergwinkel ein großes Problem, das vor allem Privatwaldbesitzer beschäftigt. Manche Sägekonzerne nutzten ihre Marktmacht: „Es gibt große Holzvermarktungsketten, die ganze Einschläge aufkaufen. Für Kleinkunden wird es dadurch immer schwieriger, Holz zu bekommen.“ Dadurch leide die Sicherung an Holznachschub vor allem auf der regionalen Ebene. „Viele Unternehmen sind dem Ende nah, weil sie ihre Aufträge nicht erledigen können“, befürchtet Strauch. „Der Holzmarkt ist total verrückt.“

Ausblick

Um die exponentielle Ausbreitung des Borkenkäfers zu verhindern, bräuchte es laut dem Schlüchterner Forstamtsleiter Jörg Winter einen eher kühlen Sommer mit regelmäßigen Regengüssen und insgesamt viel Niederschlag. Eine Dezimierung des Befalls während der Wintermonate schließt er eher aus: „Da müsste es schon sehr kalt werden, etwa minus 25 Grad, bis der Käfer erfriert. Er ist robust und unglaublich gut angepasst.“

Die Berichte über Sägewerke, denen Holznachschub fehlt, verwundert hingegen Forstamtsleiter Winter. Als möglichen Grund vermutet er, dass die Sägereien Frischholz benötigen. Dieses werde aber derzeit kaum geschlagen. Auch dafür ist der Borkenkäfer verantwortlich, der sich in den heimischen Wäldern nach wie vor exponentiell ausbreitet. Daher warten viele Waldbesitzer derzeit ab, wie viel sogenannter Zwangsanfall entsteht – Holz, das aufgrund von Käferbefall zwingend geschlagen werden muss. „Frische Fichte gibt es momentan daher kaum“, berichtet Winter.

Stark schwankende Holzpreise: Alles ist abhängig vom Wetter und wie sich der Borkenkäfer weiter ausbreitet

Trotz der kritischen Situation für Waldbesitzer und Holzkäufer aufgrund von Dürre und Käferbefall betonen sowohl Miriam Herber als auch Jörg Winter, dass die Wälder im Bergwinkel bezüglich ihres Zustands bisher noch vergleichsweise glimpflich davongekommen sind. „In Hessen sind derzeit nur drei Forstämter stabil: Fulda, Schlüchtern und Jossgrund“, stellt der Forstamtsleiter fest.

Die aktuelle Situation stehe aber immer auf Messers Schneide. Alles sei abhängig vom Wetter und wie sich der Borkenkäfer weiter ausbreitet. „Hoffentlich kommt jetzt nicht noch Windwurf dazu“, meint Winter mit Blick auf die aktuelle Wetterlage. Allerdings zeige sich allmählich ein Silberstreif am Holzmarkt-Horizont. Frisches Holz falle wieder vermehrt an. Das langfristige Einpendeln des Holzpreises sei zu erwarten, „wenn der Käfer keine Rolle mehr spielt. Dann gehen die Preise direkt wieder nach oben“, glaubt der Forstamtsleiter. (Marah Naumann)

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