Kurz vor dem Halt im Bahnhof Wächtersbach wird eine Studentin von einem Mann in sexueller Motivation attackiert.  (Symbolfoto)
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Kurz vor dem Halt im Bahnhof Wächtersbach wird eine Studentin von einem Mann in sexueller Motivation attackiert. (Symbolfoto)

Niemand hörte ihre Schreie

Studentin im Zug sexuell belästigt - Verdächtiger aus Bad Orb vor Gericht freigesprochen

Horrorerlebnis für eine junge Studentin im Regionalexpress von Frankfurt nach Fulda. Kurz vor dem Halt im Bahnhof Wächtersbach wird sie von einem Mann in sexueller Motivation attackiert.

Wächtersbach - Die 23-Jährige war am 24. Februar vergangenen Jahres gegen 14.45 Uhr auf dem Heimweg nach Bad Orb im Main-Kinzig-Kreis. Zunächst verbrachte sie die Zugfahrt mit dem Schmökern in einem Buch. Ein Mann, der neben ihr in dem Vierer-Abteil saß, sprach sie wegen der Lektüre an, was sie nicht weiter beachtete, sondern in Richtung Ausgang lief, weil sie in der Messestadt aussteigen wollte.

Was sie nicht ahnte, der Fremde stand unbemerkt ebenfalls auf und fasste ihr laut Anklage völlig unvermittelt fest von hinten zwischen die Beine. In der Folge hielt er sie fest und drückte sie in einen Sitz. Dabei griff er ihr mit einem schmerzhaften Griff weiter zwischen ihre Beine und an ihre Brust. Gleichzeitig küsste er sie auf den Mund und beschimpfte sie.

Main-Kinzig-Kreis: Sexuell motivierte Attacke im Zug - Verdächtiger aus Bad Orb vor Gericht freigesprochen

In ihrer Not rief die Frau verzweifelt um Hilfe. Erst jetzt merkte sie allerdings, dass sonst kein Mitreisender in diesem Wagen saß und niemand ihre Schreie hörte. Erst bei der Einfahrt in den Bahnhof Wächtersbach ließ der Mann von ihr ab und verschwand in die obere Sitzreihe des Zuges.

Später erstattete sie Anzeige bei der Polizei. Einer der Sachbearbeiter hatte wegen der Vorgehensweise und der Personenbeschreibung schnell einen Verdacht, wer der Täter gewesen sein könnte. Ein 27-Jähriger, ebenfalls aus Bad Orb, mit dunklen Haaren und Vollbart. Die Ermittler erstellten für das Opfer eine Auswahl an Bildern, die ihr vorgelegt worden. Dabei war der 27-Jährige als einer neben mehreren anderen Männern zu sehen. Die Frau erkannte tatsächlich den Bad Orber als mutmaßlichen Täter, war sich aber nicht hundertprozentig sicher.

23-jährige Frau aus Bad Orb bei der Gerichtsverhandlung: Mir geht es nicht so toll

Dieser wurde daraufhin wegen sexueller Nötigung angeklagt und musste sich jetzt vor dem Schöffengericht Gelnhausen verantworten. Doch auch hier erkannte sie ihn nicht eindeutig wieder – zumal der junge Mann sich nun kahlköpfig und ohne Bart präsentierte. Sein Verteidiger riet ihm zum „Verteidigen durch Schweigen“. Er sagte nichts zu den Vorwürfen. Allerdings wurde sein Vorstrafenregister verlesen. Demnach ist der Mann schon zweimal einschlägig in Erscheinung getreten und entsprechend verurteilt worden. Einmal zwickte er einer Schülerin der Kreisrealschule Bad Orb auf dem Heimweg in den Hintern. Einem 18-jährigen Mädchen griff er in der Frankfurter Straße der Kurstadt an den Po und warf sie dabei um.

Das jetzige Opfer berichtete, dass der Vorfall sie traumatisiert habe. „Mir geht es nicht so toll“, berichtete sie vor Gericht. Ihr falle es beispielsweise schwer, mit anderen Männern allein in einem Raum zu sein. Da sie den Angeklagten nicht eindeutig als Täter wiedererkannte, blieb der Vertreterin der Staatsanwaltschaft Hanau nichts anderes übrig, als Freispruch für den 27-Jährigen zu fordern. Auch sein Verteidiger hielt den Mann für unschuldig. Sein Mandant sei in das Strafverfahren nur „hineingerutscht“.

Sexuell motivierte Attacke im Zug: 23-Jährige erkannte den Angeklagten nicht eindeutig als Täter

Auch wenn vieles für den Orber als Täter spreche, bleibe wegen Restzweifeln nichts anderes übrig, als ihn freizusprechen, urteilte Richter Andreas Weiß. Wegen der abgeurteilten Taten sei ihm dennoch angeraten, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. (ls)

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