Die Ausbeute nach der Suche in der Schmalen Sinn präsentieren hier Thomas Miserre und sein Sohn.
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Die Ausbeute nach der Suche in der Schmalen Sinn präsentieren hier Thomas Miserre und sein Sohn.

„Unvergessliches“ Ärgernis

Skurriler Fund im Fluss: Fliegenfischer sammeln 91 gelbe Plastikenten ein

Was einfach ein schöner und erlebnisreicher Tag, für Vater und Tochter in der Natur und an der Schmalen Sinn in Sinntal sein sollte, wurde letztlich zu einem „unvergesslichen“ Ärgernis. Denn beide entdeckten einen Umweltfrevel.

Sinntal - Thomas Miserre aus Schlüchtern im Main-Kinzig-Kreis ist begeisterter Fliegenfischer, ausgestattet mit Jahreskarten und -fischereischein. Er darf also in dem Flüsschen angeln. So manches Fundstück, überwiegend Plastik, hat er schon stillschweigend herausgefischt, in seine Fischerjacke gesteckt und zu Hause entsorgt. Doch angesichts des jüngsten, durchaus großen und skurril anmutendem Fundes – zahllose gelbe Plastikenten – sieht sich der 54-Jährige dazu genötigt, einmal laut zu „quaken“.

Die erste Ente hatte er an jenem Tag noch in seiner Weste verstaut, doch je weiter er mit seiner Tochter Elena ging, desto größer die Anzahl der gelben Enten. Die Kapazität der Weste war schnell aufgebraucht. Eine Vielzahl an Enten hatte sich in einem Dornengestrüpp verfangen – die konnte er nicht mehr „bergen“. Der anders geplante Tag war „gelaufen“, der Ärger groß. Doch vergessen konnte er das Gesehene in seinem Arbeitsalltag nicht.

Main-Kinzig-Kreis: Skurriler Fund im Fluss - 91 Plastikenten eingesammelt

Also bat er seinen Sohn Joshua am darauffolgenden Sonntag um Hilfe. Dessen Begeisterung hielt sich in Grenzen, sah er doch erst mal keinen Sinn darin, nach gelben Plastikenten in der Schmalen Sinn zu suchen. Als kleiner Wettbewerb zwischen Vater und Sohn ausgelegt, gefiel es ihm dann aber schon. Und so zogen sie mit Wathose und Kescher an gleicher Stelle wie eine Woche zuvor los: ab der Straßenbrücke bei Mottgers circa 500 Meter den Fluss aufwärts in Richtung Weichersbach.

„91 Plastikenten haben wir gefunden“, berichtet Thomas Miserre. „Mein Sohn hat den kleinen Wettbewerb natürlich gewonnen und war bei der ganzen Aktion mit großem Enthusiasmus dabei.“ (Lesen Sie hier: Massenweise Altglas in Schlüchtern - Nun ist der Bauhof selbst am „Glasberg“ eingeschritten)

Die Begutachtung ihres Fundes ergab, dass die höchste Nummerierung der auf der Unterseite der Enten mit schwarzem Stift geschriebenen Zahlen „167“ lautete. 167 Stück minus 91 herausgefischte Plastikente ergeben mindestens 76 weitere „Quietsche-Entchen“, die wohl dort sind, wo sie nicht hingehören. Gleiche Zahlen – mehrfach vergeben – vergrößern die tatsächliche Menge wohl noch.

„Auch wenn wir oft nicht drüber reden, wir Fischer machen sehr viel für unsere Gewässer.“ Aus der Gruppe der zugehörigen Angler kam dann auch die Idee, diesen eigentlich privaten Tag in der Natur einmal publik zu machen. Thomas Miserre: „Wir haben nicht im Entferntesten die Absicht, jemandem den Spaß zu verderben oder mit dem erhobenen Zeigefinger auf andere zu deuten. Wir sind aber der Meinung, dass auch legale Entenrennen als Brauchtum, Gag und Spaß, prinzipiell lustig sind. Doch falsch oder unsachgemäß zu Ende gebracht, wie in diesem Fall, ist es leider nichts anderes als Umweltverschmutzung.“

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Die Entchen seien teilweise durch die sogenannte Kapillarwirkung schon mehr als zur Hälfte mit Wasser vollgesogen gewesen. Sie hätten irgendwann am Flussgrund gelegen „und da gehören sie definitiv nicht hin. Alle reden von Mikroplastik in den Meeren, hier ging es um Makroplastik auf und in der Schmalen Sinn“. Eine entsprechende Sperre am Ende einer „Rennstrecke“ sei also nicht zu viel verlangt und in doppeltem Sinne „sinn-voll“.

Im Rathaus Sterbritz war von diesem Vorgang bis zur Anfrage unserer Zeitung nichts bekannt geworden. Vom CSU-Ortsverband Bad Brückenau war zu erfahren, dass dieser zwar im Sommer ein solches „Entenrennen“ veranstaltet habe, allerdings die Plastikenten wieder eingesammelt wurden. Außerdem fand das Rennen auf der „richtigen“ Sinn, also auf einem Nachbarfluss statt. Ortsvorsitzende Heike Kötzner zeigte sich aber dazu bereit, das Sammelgut der Familie Miserre wiederzuverwenden und nach Möglichkeit beim CSU-Entenrennen im Sommer 2022 „legal“ einzusetzen. (von Brigitte Betz)

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