So sieht das Modell des Kultur- und Begegnungszentrums in Schlüchtern aus.
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So sieht das Modell des Kultur- und Begegnungszentrums in Schlüchtern aus.

Bieterverfahren vorgestellt

Schlüchtern sucht Investoren: Fünf neue Gebäude - So soll der Wohnraum in der Neuen Mitte verteilt werden

  • Tim Bachmann
    vonTim Bachmann
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Der Startschuss ist gefallen: „Wir sind nicht nur Planemächer, wir sind Schlüchtern“, proklamierte Bürgermeister Matthias Möller (parteilos) zum Start des strukturierten Bieterverfahrens zur Neuen Mitte der Stadt. Nun können potenzielle Investoren ihr Interesse an den Grundstücken auf dem Langer-Areal hinterlegen.

Schlüchtern - In einer digitalen Pressekonferenz standen Bürgermeister Matthias Möller und die Mitglieder der Langer-Steuerungsgruppe, Kämmerin Lydia Kohlhepp, Thomas Rau (Stadtverwaltung), Ingenieur Professor Dr. Dieter Fellmann, der das strukturierte Bieterverfahren begleitet, Rechtsanwalt Dr. Christoph Seebo (Seubert Rechtanwälte) und Erster Stadtrat Reinhold Baier (CDU), Rede und Antwort.

Es sei ein langer Weg gewesen, seit 2017 das Langer-Einkaufsland bekanntgegeben hatte, das Kaufhaus im Herzen Schlüchterns im Main-Kinzig-Kreis zu schließen. „Das Gelände anzukaufen und selbst zu entwickeln, war der richtige Weg“, betont Möller. „Wir haben den Mut aufgebracht. Das ist einzigartig in Hessen. Wir können mächtig stolz sein“, freute sich der Rathauschef. Es tue sich derzeit „unglaublich viel in Schlüchtern und unseren Stadtteilen“, nun gehe es nicht nur darum, den höchsten Preis zu erzielen, sondern das beste Konzept für Schlüchtern zu finden, berichtete Möller weiter.

Stadt Schlüchtern sucht Investoren: So soll der Wohnraum in der Neuen Mitte verteilt werden

Fellmann erklärte die „Lossyteme“, in die das Langer-Areal aufgeteilt wurde (siehe Kasten). Das Verfahren sei nicht starr, sondern soll das Optimum für Stadt und mögliche Investoren herausholen.

Das ganze Verfahren startet mit einem Teilnahmeantrag. „Dann können wir aus der hoffentlich großen Zahl an Investoren eine Auswahl treffen“, so Fellmann. Für die ausgewählten Investoren geht es dann in die Angebotsphase, in der die Erarbeitung eines Konzeptes ansteht. Entscheidend seien drei Zuschlagskriterien, berichtete Feldmann weiter. Darunter natürlich der Kaufpreis (35 Prozent), aber mehr noch das städtebauliche Konzept (40 Prozent), für das dem Investor eine Machbarkeitsstudie zur Seite steht, die laut Fellmann aber nur als Leitplanke zu verstehen ist, „allerdings nicht als Zwang“. Und als dritter Punkt ist das Nutzungskonzept (25 Prozent) zu sehen.

Je nach Los müssen die Investoren ein gewisses Maß an Mindestbedingungen erfüllen. Im Bereich „Wohnen“ müsse zumindest schon einmal ein Projekt in einer Größenordnung von 3 Millionen Euro realisiert worden sein, im Bereich „Geschäfte“ mindestens ein 5-Millionen-Projekt. „Das klingt jetzt alles sehr formaljuristisch. Ist es am Ende auch“, so Fellmann. Aber die Zuschlagskriterien seien eben nicht nur an den Preis gebunden.

Schlüchterns Neue Mitte soll bezahlbaren Wohnraum bieten

„Das Verfahren sieht vor, auch eine Markterkundung durchzuführen. Es gab bereits Gespräche mit potenziellen Partnern“, ergänzte Thomas Rau. Möller fügte an, dass Schlüchtern bereits auf der Expo Real in München für das Projekt geworben habe.

Auf dem Langer-Areal sollen neben dem Kultur- und Begegnungszentrum, dessen Baustart im Sommer sein soll, etwa fünf weitere Gebäude entstehen. Davon sollen drei für reine Wohnzwecke in unterschiedlichen Preissegmenten vorgehalten sein. Gerade am hochpreisigen Segment bestehe Interesse, so Fellmann.

Strukturiertes Bieterverfahren

Für das strukturierte Bieterverfahren wurden zwei Lose gebildet.

Los 1 mit 2748 Quadratmetern Fläche umfasst die Bebauung an der Obertorstraße (in den Grafiken gekennzeichnet mit 4 und 5). Hier sollen Wohn- und Geschäftshäuser entstehen. Das Erdgeschoss soll Einzelhandel, Gastronomie und vergleichbare Nutzungen aufnehmen, um die Attraktivität der Innenstadt für Fußgänger zu erhöhen. In den weiteren Geschossen sollen innenstadtverträgliche Nutzungen wie Büro oder Wohnen vorgesehen werden. Die Machbarkeitsstudie sieht eine vier- bis sechsgeschossige Bauweise mit 7200 Quadratmetern zuzüglich einer Tiefgarage mit 2400 Quadratmetern vor.

Los 2 mit 2700 Quadratmetern Grundstücksfläche an der Bahnhofstraße (1, 2 und 3) steht für den Wohnungsbau zur Verfügung. Die Machbarkeitsstudie sieht drei Wohngebäude viergeschossig mit 5300 Quadratmetern zuzüglich Tiefgarage mit 2000 Quadratmetern vor. Mindestens der Wohnblock (1) am Begegnungszentrum soll bezahlbaren, barrierefreien Wohnraum mit einer Höchstmiete kalt von 7,50 Euro pro Quadratmeter für mindestens fünf Jahre nach Fertigstellung bieten. Die Stadt plant, diesen Wohnblock und gegebenenfalls noch einen zweiten Wohnblock mit einer noch zu gründenden Stadtentwicklungsgesellschaft selbst zu errichten. Mindestens der dritte Wohnblock (1850 Quadratmeter und Tiefgaragenanteil), soll von einem Investor errichtet und dazu das anteilige Grundstück von der Stadt erworben werden. Ziel sei es, hier höherwertigen Wohnraum anzubieten.

Die Stadt behält sich vor, auch das Grundstück für den zweiten oder sogar ersten Wohnblock an einen Investor zu verkaufen, wenn dessen Konzept überzeugt.

Im Bieterverfahren gibt es mehrere Möglichkeiten. Die Stadt hält sich allerdings vor, die Gebäude 1 und 2 selbst zu bauen.

Möller sprach von 2500 Quadratmetern bezahlbarem Wohnraum, und weiteren 2500 Quadratmetern in zwei höherstufigen Segmenten. Rau ergänzte: „Wir sprechen hier von Wohnraum für 250 bis 300 Menschen.“ Angefragt auf die Kaufpreise erklärte Rechtsanwalt Seebo, dass „das Gelände natürlich nicht zu einem beliebigen Preis vergeben“ werde, sondern mindestens zum Marktpreis. Dieser werde ermittelt. Zahlen konnte er folglich nicht nennen.

Bürgermeister Matthias Möller: Wir wollen ein städtebauliches Highlight setzen

Als Investitionsvolumen gab Möller „40 bis 50 Millionen Euro“ aus, davon entfallen 9,2 Millionen Euro auf das Kultur- und Begegnungszentrum der Stadt.

So könnte das ehemalige Langer-Areal aussehen.

Angesprochen, ob man Lehren aus Gelnhausen und der Joh-Immobilie gezogen habe, erklärte der Bürgermeister, die Stadtverwaltung habe das „natürlich beobachtet und wir hatten auch einen Riesenrespekt davor, das Kaufhaus zu erwerben und das Gelände selbst zu entwickeln“. Rau: „Wir sind aber nicht planlos in die Situation gekommen. Wir als Stadt Schlüchtern wollen ein Motor sein. Es geht nicht nur um die Inhalte, es geht auch um die Architektur. Wir wollen ein städtebauliches Highlight setzen. Die erste Machbarkeitsstudie, die wir nach dem Erwerben des Geländes erstellt haben, spiegelt das wider, was wir uns vorstellen.“

Baier ergänzte: „Die Bilder sind schön, allerdings sind wir meilenweit davon entfernt, zu sagen, so wird es aussehen. Das liegt auch an den Investoren.“ Ein Drittel stehe fest, das ist das Begegnungszentrum. Im Verlauf des Bieterverfahrens müssen die Investoren unentgeltlich Baumassenstudien und Nutzungskonzepte erarbeiten. Möller: „Bislang läuft alles nach Plan. Das Kultur- und Begegnungszentrum im hinteren Bereich des Geländes soll Ende 2023 fertig sein, für die vorderen Bereiche haben wir die Suche nach Investoren und Entwicklern gestartet.“ Ziel sei es, bis zum 20. Dezember Verträge mit Investoren zu schließen.

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