Der asphaltierte Steinhaagweg in Niederzell.
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Der asphaltierte Steinhaagweg in Niederzell sieht aus wie aus dem sprichwörtlichen Ei gepellt.

Freude in Niederzell

Schluss mit Matsch, Dreck und Sturzgefahr: Steinhaagweg wird asphaltiert - nach mehr als 20 Jahren

  • Alexander Gies
    VonAlexander Gies
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Nach langen, mehr als 20 Jahren des Wartens wurde kürzlich die „Schotterpiste“ Steinhaagweg in Niederzell (Main-Kinzig-Kreis) asphaltiert. Vorbei sind die Zeiten von Matsch, Dreck und Sturzgefahr.

Niederzell: Dieses Straßenbauprojekt dürfte eines mit der längsten Geschichte in Schlüchtern (Main-Kinzig-Kreis) sein: der Abzweig des Steinhaagwegs in Niederzell, an dem derzeit drei Häuser stehen. Seitdem die ersten Anlieger 1999 dort ihre Gebäude fertiggestellt haben, warteten sie darauf, dass der provisorische Schotterweg endlich asphaltiert wird.

Vor ein paar Wochen war es dann plötzlich so weit: Eine Baufirma rückte an, setzte Bordsteine, pflasterte und asphaltierte die einstige Holperstrecke. Nach vier Wochen war alles fertig. Geht doch! „Tippitoppo“ sei das Werk geworden, sagte Anlieger Werner Köpf. Wie mit dem Lineal gezogen, gesäumt von einem Bürgersteig.

Main-Kinzig-Kreis: Steinhaagweg nach über 20 Jahren asphaltiert

„Nach 24 Jahren bin ich froh, dass es gemacht ist“, sagt Köpf. Über ihn und seinen Nachbarn hatten die KN bereits 2015 berichtet. Unter der Überschrift „Wir werden immer vergessen“ klagten er und sein mittlerweile verstorbener Nachbar über ihr tägliches Leid. Damals hieß es: „Reifen haben tiefe Furchen in die aufgeschütteten Steine gegraben. Regen hat die Fahrspuren ausgewaschen – es ist eine regelrechte Berg- und Talbahn.“ Über 20 Jahre kennt Köpf den winterlichen Dreiklang aus „Matsch, Schnee und Dreck ohne Ende“ zu Genüge.

„Wenn der Schneepflug unsere Zufahrt mal nicht vergessen hatte, dann schob er zusammen mit dem Schnee auch die oberste Kieselschicht weg. Was blieb, das war Knatsch und anschließend viel Dreck im Haus“, erinnert sich Köpf. Insofern dürfte er nahezu in Vorfreude auf den kommenden Winter blicken, denn diese Unbill sollte dann der Vergangenheit angehören. (Lesen Sie hier: Bauarbeiten mit gravierenden Auswirkungen auf Feuerwehr)

Provisorischer Schotterweg sorgte im Winter für Matsch, Schnee und Dreck

Warum es mehr als zwei Jahrzehnte bis zur Fertigstellung gedauert hat, das lässt sich nach all den Jahren gar nicht mehr so einfach rekonstruieren. Werner Köpf spricht davon, die Stadt habe über viele Jahre „kein öffentliches Interesse“ an einem Ausbau gesehen. „Aber wo gibt es das, dass Bauplätze ausgewiesen werden, aber keine Straße gebaut wird; zumal wir ja von Anfang an auch die Grundsteuer B entrichtet haben?“, fragt er verständnislos.

Alt-Bürgermeister Falko Fritzsch spricht von „einem Relikt aus der Zeit ehemals selbstständiger Kommunen“, vielen ungeklärten Fragen der finanziellen Beteiligung von Anliegern, dem ebenso ungeklärten Anschluss eines Fußweges oder diffizilen Fragen mit dem Bebauungsplan.

In der Tat hatten wohl nicht alle Anlieger der Straße – insbesondere jene, die bereits über eine Straße auf der anderen Seite ihres Grundstücks hinreichend erschlossen waren – ein gesteigertes Interesse an einem Ausbau. Denn diese, so sagt Werner Köpf, würden nun nochmals für die erstmalige Erschließung auf der Rückseite ihres Grundstücks mit herangezogen, obwohl sie von der schönen Straße keinen oder nur wenig Nutzen hätten. (Lesen Sie auch: Tegut will Teo-Markt 2021 in Ulmbach eröffnen)

Sanierung des Steinhaagwegs: Kostenvoranschlag beläuft sich auf sechsstelligen Betrag

Laut Köpf beläuft sich der Kostenvoranschlag für den gesamten Ausbau auf einen sechsstelligen Betrag, sein Anteil betrage immerhin eine ordentliche fünfstellige Summe. Auf die Stadt entfielen so um die zehn Prozent, der Rest werde aufgeteilt. Da es sich um eine „erstmalige Erschließung“ handele, kommen die Anlieger noch nicht in den Genuss der kürzlich beschlossenen Abschaffung der Straßenausbaubeiträge. Das gilt erst, wenn die Straße nach Jahrzehnten saniert werden müsste.

Insofern ist Werner Köpf auch wieder „nicht so glücklich“, dass es so lange gedauert hat. Denn vor 20 Jahren waren die Preise, die Mehrwertsteuer und die Grundsteuer B noch viel niedriger. Will heißen: Seither ist es für ihn und die anderen viel teurer geworden. Insofern wäre es für ihn und die Nachbarn okay gewesen, auf den Bürgersteig zu verzichten – zumal dieser im Begegnungsverkehr die Fahrbahn einschränkt. Aber was soll man klagen? Werner Köpf ist froh, dass er jetzt endlich seine Straße hat – und im Winter saubere Schuh’.

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