Über etliche Kilometer ziehen sich die Lichter der Menschenkette gegen die Stromtrasse durch die Oberzeller Gemarkung.
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Über etliche Kilometer ziehen sich die Lichter der Menschenkette gegen die Stromtrasse durch die Oberzeller Gemarkung.

14-Kilometer-Lichterkette

1000 Sinntaler demonstrieren mit Fackeln gegen Stromtrasse durch die Gemeinde

Das war beeindruckend: In mehreren Sinntaler Orten bildeten sich am Samstagabend lange Menschenketten, um gegen die vorgesehene Hochspannungs-Freileitung zu demonstrieren. Eine solche ortsübergreifende Aktion gab es in der Gemeinde noch nicht. Insgesamt hatten sich etwa 1000 Menschen auf einer Strecke von 14 Kilometer aufgestellt. 

Sinntal - Gemeinsam hatten die Ortsbeiräte von Sterbfritz, Schwarzenfels, Weichersbach, Oberzell, Züntersbach und Mottgers zu einer Demonstration in Form einer Menschenkette und Lichterkette aufgerufen – gegen eine mögliche Trassenführung der geplanten Hochspannungs-Freileitung P43 durch die Gemeinde. „Stoppt den Trassenwahn“ hieß es im Aufruf des Ortsbeirats Sterbfritz. Wie Ortsvorsteher und Veranstaltungsleiter Willi Merx erläutert, plane der Netzbetreiber Tennet „auch durch unsere Naturlandschaft von Rommersbrunn bis Steinfirst“ eine 380 000 Volt-Leitung mit bis zu 80 Meter hohen Stahlmasten. „Wir müssen zusammenstehen und unseren Protest zum Ausdruck bringen“, betont Merx. Obwohl die Planungen noch in einem frühen Stadium seien, müsse man gegen das Vorhaben mobil machen.

Am Verbindungsweg zwischen Sterbfritz und Weichersbach hatte der Ortsbeirat einen Erfassungs- und Einweisungspunkt eingerichtet. Dort wurden die 1000 Teilnehmer coronakonform registriert und bekamen ihre Standorte innerhalb der Menschenkette zugewiesen. Diese erstreckte sich von der Stephanskuppe über eineinhalb Kilometer bis zur Mottgerser Straße.

Main-Kinzig-Kreis: 1000 Sinntaler demonstrieren gegen Stromtrasse

Ordner waren beim Aufsuchen der markierten Stellplätze behilflich und achteten auf die vorgegebenen Abstände. Diese betrugen 10 bis 20 Meter. Bei Einbruch der Dunkelheit entzündeten alle Teilnehmer Fackeln oder Leuchtmittel, so dass eine lange Lichterkette entstand. Es war keine lautstarke Demonstration, sondern eher ein stiller, aber dennoch eindrucksvoller, Protest.

„Wir wollen keine Zerstörung unserer schönen Naturlandschaft“, war von vielen Teilnehmern zu hören. Sinntal sei schon genug belastet durch mehrere Großprojekte. Genannt wurden unter anderen die Bahn-Schnellfahrstrecke sowie die Windräder. Die Stromleitung mit 80 Meter hohen Masten ist für viele Menschen geradezu eine Horrorvorstellung.

Befürchtet wird ein massiver Eingriff in die Landschaft und eine Verminderung der Lebensqualität im ländlichen Raum. „Es gibt hier Naturschutzgebiete wie die Stephanskuppe, die dürfen nicht beeinträchtigt werden“, macht eine junge Frau ihrem Unmut Luft. „Es ist wichtig, ein Zeichen zu setzen“, begründet ein Teilnehmer sein Mitmachen bei der Demonstration. Man dürfe die Monstertrasse nicht widerstandslos hinnehmen. Kritisiert wird auch die unzureichende Informationspolitik der Firma Tennet. Einige Demo-Teilnehmer wollen eventuell eine Erdverkabelung tolerieren, obwohl dies auch ein gewaltiger Eingriff in die Natur wäre.

Eine noch deutlich längere Menschenkette als in Sterbfritz gab es in Schwarzenfels. Wie Ortsvorsteher Thomas Fuß mitteilt, nahmen weit mehr als 200 Menschen an der Demonstration teil und bildeten eine etwa vier Kilometer lange Kette. Er zeigte sich erfreut, dass auch Politiker aus dem benachbarten Unterfranken an der Demo in seinem Ortsteil teilnahmen. So konnte er mit Jochen Vogel den Bürgermeister der Stadt Bad Brückenau und mit Volker Roth den Zweiten Bürgermeister der Marktgemeinde Zeitlofs als Vertreter der „Rhönallianz“ begrüßen.

Ein voller Erfolg war laut Ortsvorsteher Mike Richter auch die Aktion in Oberzell. 230 Teilnehmer hätten eine mehr als drei Kilometer lange Menschenkette gebildet, und ihren Protest zum Ausdruck gebracht. Ähnliche Aktionen gab es auch in den Ortsteilen Weichersbach und Züntersbach. Keine eigene Menschenkette wurde in Mottgers gebildet. Dortige Teilnehmer schlossen sich den anderen Aktionen an.

Viel Arbeit hatten sich in allen Orten die Organisatoren mit der Kennzeichnung des vorgesehenen Streckenverlaufs gemacht, einschließlich der Markierungen von Hunderten Standorten für die Teilnehmer. (Fritz Christ)

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