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Innere Blutungen durch Plastikteile - Zwei Kühe am Drasenberg gestorben

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In Schlüchtern Drasenberg sind in der Vergangenheit schon mehrere Kühe wegen weggeworfenem Müll umgekommen.
In Schlüchtern Drasenberg sind in der Vergangenheit schon mehrere Kühe wegen weggeworfenem Müll umgekommen. © Ansar Kyzylaliyeu/stockadobe.com

Ralf und Anette Zinkhan betreiben am Drasenberg (Schlüchtern) einen landwirtschaftlichen Betrieb mit Milchkuhhaltung. Das vor Ort produzierte Futter für die Tiere birgt aber Gefahren: Müll von Spaziergänger und Wanderern verunreinigt das Futter und hat in diesem Jahr schon zwei Tiere getötet.

Drasenberg - Einst war Drasenberg einer von mehreren Höfen, die sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu den „Klosterhöfen“ zusammenschlossen. Heute ist es auch die Heimat von Ralf Zinkhan und seiner Familie. Schon in der neunten Generation bewirtschaften sie im Haupterwerb ihren landwirtschaftlichen Betrieb mit Milchkuhhaltung und Jungviehaufzucht.

Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler (SPD) und Karsten Dill, Leiter der Abteilung Landwirtschaft im Amt für Umwelt, Naturschutz und ländlichen Raum im Main-Kinzig-Kreis, statteten der Familie Zinkhan kürzlich einen Besuch ab und informierten sich über ein neues Fahrsilo, welches mit 20.000 Euro aus dem hessischen Entwicklungsplan für den ländlichen Raum und dem Bundesprogramm „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ gefördert worden ist.

Main-Kinzig-Kreis: Spaziergänger-Müll tötet Kühe am Drasenberg

Die Zinkhans bewirtschaften eine Fläche von 85,5 Hektar, davon sind 63 Hektar sogenanntes Dauergrünland. „Wir stellen das Futter für unsere 170 Tiere selbst her“, sagte Ralf Zinkhan mit Blick auf die Fahrsiloanlage. In dieser Anlage wird das frisch gemähte Gras von den Grünlandflächen leicht getrocknet, gepresst und luftdicht verschlossen. Dabei setzt ein Gärprozess ein, der das Gras haltbar macht.

Jedoch erfuhren Simmler und Dill, dass genau dieses vor Ort produzierte Futter eine große Gefahr birgt: Verunreinigungen in Form von Plastikteilen, die von Spaziergängern oder Wanderern einfach auf die Wiesen geworfen werden.

Plastikteile im Futter können nur schwer entfernt werden

„Dieses gedankenlose Verhalten hat allein in diesem Jahr schon zwei Kühen das Leben gekostet, die elendig an inneren Blutungen gestorben sind, die sie sich durch winzige Plastik- und Metallteile im Futter zugezogen haben. Im vergangenen Jahr waren es sogar acht Tiere“, sagt Ralf Zinkhan. (Lesen Sie auch: Mülltonnen quellen in Corona-Zeiten über)

Die gefährlichen Fremdkörper im Futter stammten von Plastikflaschen und scharfkantigen Dosen, die auf den Weiden entsorgt wurden. „Wir geben uns viel Mühe, die Wiesen vor dem Mähen gut abzusuchen, damit wir nichts übersehen. Es rutscht aber immer wieder etwas durch“, erklärte der Landwirt, der seinen Tieren in solchen Fällen gar nicht mehr helfen kann, weil eine Kuh mit inneren Verletzungen innerhalb einer Viertelstunde verbluten kann.

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„Solche schwerwiegenden Ereignisse könnten durch mehr Umweltbewusstsein und rücksichtsvolleres Verhalten vermieden werden. Umso wichtiger ist es, schon jungen Menschen beizubringen, dass die Natur kein Mülleimer ist und Unrat große Schäden verursachen kann. Die Familie Zinkhan engagiert sich in diesem Bereich sehr und ist schon seit einigen Jahren Projektpartner des Main-Kinzig-Kreises bei Lernfeld Landwirtschaft“, erklärte Simmler. (Lesen Sie hier: Alte Autoreifen und Sperrmüll - zu viel Müll landet in der Natur)

Wegen der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie war es in den vergangenen Monaten allerdings nicht möglich, diese Angebote in vollem Umfang beizubehalten.

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