Die Filiale der VR Bank in Ulmbach
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Die Filiale der VR Bank in Ulmbach schließt zum 1. Januar. Vorstandsmitglied Frank Mackenroth macht keine Hoffnung, dass zumindest ein Geldautomat stehen bleibt.

Exklusiv-Interview

„Die Entscheidung steht“ - VR Bank macht Ulmbachern keine Hoffnung auf Geldautomat

  • Walter Kreuzer
    VonWalter Kreuzer
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Frank Mackenroth macht den Kunden der VR-Bank Fulda in Ulmbach und Umgebung keine Hoffnung, dass nach Schließung der Filiale zumindest ein Geldautomat bleiben könnte.

Ulmbach/Fulda - Die VR Bank Fulda schließt ihre Filialen in Ehrenberg-Wüstensachsen und Steinau-Ulmbach zum 1. Januar. Die Schließung in Ehrenberg stieß bereits auf Widerstand. 250 Menschen demonstrierten auf dem Uniplatz in Fulda gegen das Vorhaben. Ob die Aktion etwas ändert, bleibt offen.

Die Entscheidung in Ulmbach (Main-Kinzig-Kreis) sei jedoch final. Die Filiale wird dicht gemacht. An diesem Beschluss wird sich nichts ändern, betont Vorstandsmitglied Frank Mackenroth (58). Im Interview erläutert er unter anderem, weshalb aus Sicht der Bank kein Geldautomat für das Dorf infrage kommt.

Main-Kinzig-Kreis: VR Bank macht keine Hoffnung auf Geldautomat in Ulmbach

Herr Mackenroth, Steinaus Bürgermeister Christian Zimmermann hat angekündigt, sich weiter für den Verbleib der VR-Bank in Ulmbach einsetzen zu wollen. Wie stehen Sie dazu?
Unsere Entscheidung, die Filiale zu schließen, steht, weil die Zahlen so sind wie sie sind. Wir sind aber gerne bereit, darüber zu sprechen, wie wir unsere Kunden auf andere Weise unterstützen können, etwa indem wir ihnen frankierte Umschläge zur Verfügung stellen. Auch weitere Vorschläge in dieser Richtung schauen wir uns gerne an.
Könnten Sie nicht einen Geldautomaten in Ulmbach belassen, um dort die Bargeldversorgung zu sichern?
Es ist ja nicht damit getan, einen Geldautomaten aufzustellen. Das Problem sind die Kosten für das Betreiben eines solchen Gerätes.
Von welcher Größenordnung gehen Sie dabei aus?
Ein Kombigerät aus Geldautomat und Auszugsdrucker verursacht pro Jahr laufende Kosten von gut 50.000 Euro. Damit ist es aber nicht getan. Es kommen weitere Kosten hinzu.
Können Sie das näher erläutern?
Es geht um die Ver- und Entsorgung des Geldes durch versicherte Transporte. Der Raum mit dem Automaten muss 24 Stunden zugänglich sein und mit einer entsprechenden Sicherheitstechnik wie Überwachungskamera und Alarm ausgerüstet sein. Mit das größte Risiko ist für uns „Vandalismus“.
Ulmbach ist nicht gerade bekannt für Fälle von Vandalismus.
Das muss auch nicht unbedingt eine eingeworfene Scheibe oder gar eine Automatensprengung sein. Bei unbeaufsichtigten Geldautomaten – also solchen, die nicht in einer Filiale mit der entsprechend höheren Besucherfrequenz stehen – ist die Ausfallquote erheblich höher. Es reicht, wenn eine Büroklammer oder ein Kaugummi in den Kartenschlitz gesteckt und vom nächsten Kunden mit der Karte in das Gerät geschoben wird.
Es sind also die potenziellen Reparaturkosten, die Sie schrecken?
Nicht nur. Wenn ein Geldautomat ständig kaputt und damit außer Betrieb ist, dann ist die Unzufriedenheit der Kunden sehr hoch. Wir hatten das in unserem Geschäftsgebiet schon – und haben Geldautomaten deshalb abgebaut. Das Thema haben wir im Vorfeld der Entscheidung hoch und runter diskutiert.
Die Schließung der Filiale in Ulmbach begründen Sie mit geringerer Kundenfrequenz. Wie viele Kunden hat die VR-Bank Fulda in Ulmbach und wie schätzen Sie die Auslastung ein?
In Ulmbach und Umgebung, also etwa dem Kirchspiel, haben wir 2100 Kunden. Nur etwa die Hälfte davon betreibt intensivere Geschäfte mit uns – mit rückläufiger Tendenz. Noch niedriger ist die Quote beim Geldautomaten. Dieser ist in Ulmbach im Verhältnis zu der von uns als 100 Prozent angenommenen Nutzung nur zu 29 Prozent ausgelastet. Wir gehen davon aus, dass dieser Wert im nächsten Jahr noch weiter und zwar auf 26 Prozent absinken würde, wenn wir den Geldautomaten dort in Betrieb lassen würden.

Video: Fulda: Demo gegen Schließung von VR-Bank-Filialen

Dass Bankfilialen von den Kunden nicht mehr so häufig aufgesucht werden wie früher – Stichwort: Online-Banking – beschränkt sich nicht nur auf Ulmbach. Wie sehen Sie die Zukunft der anderen Filialen im Bereich der ehemaligen VR-Bank Schlüchtern?
Durch die Schließung der Filiale in Ulmbach werden die Geschäftsstellen in Schlüchtern, Steinau und Birstein eher gestärkt.
In dem Steinauer Stadtteil befindet sich die Filiale in einem bankeigenen Gebäude. Welche Pläne gibt es für dieses nach der Schließung?
Das soll verkauft werden, sofern wir ein gutes Angebot bekommen. Mit dem Gebäude können wir nichts anfangen.
Wie sehen Sie die Chancen auf einen Verkauf?
Es gibt Interessenten. Gespräche haben aber noch nicht stattgefunden. Mich würde es freuen, wenn der Käufer jemand wäre, der einen Nutzen für die Ulmbacher bringt.

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