Dr.-Richard-Küch-Straße im Gewerbegebiet Galgenbach in Bad Soden-Salmünster.
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In der Dr.-Richard-Küch-Straße im Salmünsterer Gewerbegebiet Galgenbach waren die Schüsse gefallen. (Archivfoto)

Zeuge erhält Rechtsbeistand

Prozess um Autoschüsse in Bad Soden-Salmünster: Zweifel an Zeugen-Aussagen

Eigentlich sollte der Prozess wegen versuchten Totschlags und erpresserischen Menschenraubs in Bad Soden-Salmünster am Dienstag mit der Aussage des Hauptzeugens Licht ins Dunkel bringen – eigentlich. 

Bad Soden-Salmünster - Doch nach nur rund 45 Minuten wurde der dritte Verhandlungstag am Hanauer Landgericht im Main-Kinzig-Kreis erst pausiert, nach ein paar Sitzungsminuten erneut abgebrochen. Der Grund: Zweifel am Wahrheitsgehalt der Aussage des Zeugen. Er soll nun für die kommenden Prozesstage einen Zeugenbeistand erhalten. Mit 15 weiteren angesetzten Verhandlungsterminen zieht sich der Fall aller Voraussicht nach noch bis in den Juli hinein.

Der Prozess über die Vorkommnisse in Bad Soden-Salmünster steht unter keinem guten Stern: Nachdem der erste Verhandlungstag noch vor der Verlesung der Anklageschrift durch die Vorsitzende Richterin Susanne Wetzel unterbrochen wurde – einer der drei Hauptangeklagten war aufgrund seines erheblichen Drogenproblems nicht verhandlungsfähig gewesen – geht es weiterhin nur schleppend voran. Nun stand die Vernehmung des Hauptzeugen auf der Tagesordnung, der von den drei Angeklagten am Abend des 5. Juni 2020 entführt, in eine nahegelegene Hütte gebracht, dort gefesselt sowie geknebelt und erpresst worden sein soll.

Bad Soden-Salmünster: Prozess um Autoschüsse - Zweifel an Zeugen-Aussagen

Mit dem Ziel, eine Geldsumme in Höhe von 4700 Euro einzutreiben, die er sich anscheinend geliehen hatte. Nachdem das Opfer fliehen konnte, sollen die Beschuldigten am Tag darauf wieder bei ihm aufgetaucht sein, infolgedessen sei es zu einer Verfolgungsjagd mit mehreren Fahrzeugen gekommen, während derer einer der Hauptangeklagten mit einer Waffe wahllos aus dem Auto geschossen haben soll. Ein Zeuge erlitt einen Streifschuss am kleinen Finger.

Bevor der Hauptzeuge jedoch zum besagten Abend des vergangenen Jahres aussagen konnte, verwies Richterin Wetzel auf einen anderen Fall, in dem er in diesem Jahr erst zu einer Freiheitsstrafe auf Bewährung vor dem Gelnhäuser Amtsgericht verurteilt wurde. Beim Hauptzeugen, der im März 2020 in eine Polizeikontrolle geraten war, wurden unter anderem Drogen sowie Geld aus dem Betäubungsmittelgeschäft sichergestellt. Genau 4700 Euro. Die Summe, um die es im aktuellen Fall in Bad Soden-Salmünster geht.

Das Geld hatte er sich von einem Kollegen geliehen, um „Sachen zu bezahlen“, wie er berichtete. Am besagten Märzabend wollte er es zurückbezahlen, als er in die Kontrolle geriet und das Geld als Beweismittel beschlagnahmt wurde. Hier sollen die beiden Gerichtsfälle aufeinandertreffen. Dass die drei Hauptangeklagten diese Summe von ihm eintreiben wollten, bestritt der Hauptzeuge jedoch vehement. „Die Angeklagten haben damit nichts zu tun“, sagte er aus und ergänzte auf die Frage von Richterin Wetzel, ob ihm die Angeklagten bekannt seien: „Man kannte sich vom Sehen und aus dem Fitness-Studio.“

Prozess um Autoschüsse in Bad Soden-Salmünster: Zweifel an Aussagen - Zeuge erhält Rechtsbeistand

Wieso die beiden Fälle nun irgendwie zusammengebracht werden, wisse er auch nicht. „Das Geld aus dem März war für jemanden bestimmt, der mit dieser Verhandlung nichts zu tun hat“, betonte der 25-Jährige. Er habe auch keine negative Vorgeschichte mit den drei Angeklagten gehabt. Drogengeschäfte zwischen ihnen und ihm habe es nicht gegeben. Daher habe er sich auch keinen Kopf darüber gemacht, als zwei der Angeklagten am 5. Juni abends in seiner Einliegerwohnung im Haus seines Vaters in Bad Soden-Salmünster auftauchten und ihn baten mitzukommen. „Ich habe nicht gefragt was sie wollten und bin einfach mitgegangen. An der Straße wartete der dritte Angeklagte dann mit seinem Auto.“ Ahnungslos stieg er ein, die Stimmung sei nicht aufgeheizt, sondern normal gewesen. „Ich habe nichts Böses geahnt, im Gespräch ging es zwar um Geld, aber alle haben durcheinander gesprochen“, so der Hauptzeuge.

Bevor er weitersprechen konnte, äußerten sowohl die Kammer als auch die Staatsanwaltschaft Hanau sowie die Anwälte der Angeklagten ihre Zweifel am Wahrheitsgehalt der Zeugenaussage, die bisher recht verstrickt und konfus war. „Wir möchten hier eine Straftat erheblicher Dimensionen aufklären“, resümierte Richterin Wetzel. Die Verteidigerin schlug vor, dass sich der Zeuge einen Zeugenbeistand suchen solle, der ihm künftig beratend zur Seite steht. Nach kurzer Pause der Verhandlung entschied sich der Hauptzeuge dazu.

Der Prozess wird am Dienstag, 18. Mai, um 9.30 Uhr in Saal A 215 fortgeführt. (jad)

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