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Mediengestaltung: „Ich halte die Kamera wie einen Revolver“

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Von: Redaktion Fuldaer Zeitung

STEINAU - Johannes Schneider (27) ist Mediengestalter und arbeitet in der kleinen Steinauer Filmschmiede Gandayo. In seinem Job sind handwerkliche, technische und kreative Fertigkeiten gefragt. „Das macht meinen Beruf zum Traumjob“, meint er gleich zu Beginn des Gesprächs.

Schneider sitzt am PC und gestaltet die Druckvorlagen für einen Katalog, aufgrund einer früheren Lehre als Offsetdrucker weiß er bestens über Drucktechniken oder Farbprofile Bescheid. Mit dem Besucher geht er dann ins Filmstudio und erklärt die Funktionsweise einer digitalen Spiegelreflexkamera: „Viele Agenturen und Filmfirmen erstellen mit der professionellen Canon EOS 5D oder vergleichbaren Apparaten ihre Videoclips und Filme. In unserem Milieu kann man damit schnell und praktisch arbeiten.“ Schulterstütze oder Stativ nutzt er nicht so gerne: „Ich halte die Kamera lieber wie einen Revolver, durch die Bildstabilisation und eine gewisse Körperspannung gibt es dabei keine Probleme.“ Schnell sind seine komplexen Aufgaben bei Gandayo umrissen, er arbeitet als Kameramann, schneidet die Clips als Cutter, ist aufgrund seiner musikalischen Fähigkeiten gut im Nachvertonen der Filme und weiß im Druckbereich Bescheid. Plötzlich rast Geschäftsführer Tim Schätzke durch das Studio, draußen heulen die Sirenen, er muss zur freiwilligen Feuerwehr. Neben ihm ist Allrounder Schneider, seit seinem Abschluss als Mediengestalter, der einzige feste Angestellte bei Gandayo. Die Prüfung bestand er 2013 bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Würzburg als bester Azubi. Vor kurzem kam noch die Befähigung zur IHK-Ausbildung dazu, nun darf er Lehrlinge ausbilden. „Aber das wird erst im nächsten Jahr klappen“, meint Schneider, „doch das Interesse ist jetzt schon riesig“. In der Würzburger Filmfirma war er sehr auf sich allein gestellt, „das hatte Vorteile, weil ich Verantwortung übernehmen musste und besonders viel und selbständig im Schnittbereich gearbeitet habe“, erinnert er sich. „Die Arbeit als Cutter kommt mir heute bei der Kameraarbeit sehr zugute, ich fühle schon bei den Aufnahmen, welche Szenen später zusammen passen.“ Auf die Frage, ob er denn nun Künstler oder Techniker und Handwerker sei, meint er, „Beides! Natürlich kann man das Handwerkliche lernen, allerdings braucht man für die Gestaltung und das Filmen ein gutes Auge, für das Schneiden der Clips viel Rhythmusgefühl.“ Den Rhythmus hat er im Blut, denn sein Vater ist sehr musikalisch, spielt Klavier und komponiert. Schon früh interessierte sich auch Johannes für das Musizieren und rockt heute noch mit Bass und seiner Stimme in Bands wie der „Rockkonserve“. Die Musik verbindet ihn auch mit seiner Frau, die Querflöte und Klavier spielt, aber als Physik- und Mathelehrerin ganz andere Neigungen hat. Gemeinsam interessieren sie sich für Natur, Tiere und Kochen, demnächst bekommt das Paar ein Kind: „Darauf bin ich sehr gespannt“, meint er, „das ist ja mein erstes...“

Nicht immer war Schneider mit digitalen Werkzeugen beschäftigt. Als Kind zeichnete er lieber statt Fußball zu spielen, und in der Fachoberschule für Gestaltung in Fulda lernte er neben den normalen Abi-Fächern wie Deutsch oder Mathe noch richtig „altmodische“ Techniken: Analoge Fotografie, Töpfern, Freies und Technisches Zeichnen. Berufliche Zukunftsträume hat er keine, denn wie Schneider betont, hat er sein Glück mit diesem Job bei Gandayo gefunden.

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