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„Mensch bleiben, das war und ist mir wichtig“ – Ex-Landrat Karl Eyerkaufer wird heute 80

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Main-Kinzig - Leistungssportler, Gymnasiallehrer, Schulleiter, Sozialdemokrat, Ehrenamtlicher: Karl Eyerkaufer ist ein Tausendsassa. Für den Ruhestand ist der frühere Landrat nicht gemacht. Seinen heutigen 80. Geburtstag feiert er nicht zuhause in Maintal, sondern in Beruwala auf Sri Lanka, wo er seit Jahren mit einem Hilfsprojekt des Main-Kinzig-Kreises tätig ist.

Von unserem Redaktionsmitglied Lena Quandt

Beruwala ist ein Herzensprojekt von Karl Eyerkaufer. Seit 2005 organisiert er als Vertreter des Landkreises die Aufbauarbeit für die Ende 2004 von einem Tsunami stark zerstörte Region. Die Kosten seines persönlichen Engagements trägt der Jubilar selbst. Längst sind Freundschaften vor Ort entstanden.

„Wer sich ehrenamtlich engagiert, bleibt in Bewegung“, sagt der 80-Jährige, der unter anderem der Sparkassen-Bürgerstiftung in Hanau vorsitzt und den Beirat der Gründauer Stiftung Kinderzukunft leitet. Wer sehe, dass es noch etwas anderes als den eigenen Dunstkreis auf der Welt gibt, der entwickele Respekt für andere Kulturen. Davon ist er überzeugt.

Ehemaliger Mittelstreckenläufer hält sich weiter fit

In Bewegung, das ist Eyerkaufer – auch wenn er sich inzwischen aus manchen Engagements zurückgezogen hat. „Um Platz zu machen für junge Köpfe, die mit neuen Ideen meine Arbeit fortsetzen“, wie er sagt. Bewegung sowohl geistig als auch körperlich, das ist ihm wichtig. Jeden Tag geht er joggen. „Nicht mehr so flott wie früher, eben altersgemäß“, sagt der ehemalige Leistungssportler, der einst einer der schnellsten Mittelstreckenläufer der Welt war, mit einem Augenzwinkern.

Der Sport habe ihm die wichtigste Lehre fürs Leben erteilt – mit Siegen und Niederlagen umzugehen. Das habe ihm auch als Kommunalpolitiker und ab 1987 in 18 Jahren als Landrat sehr geholfen. „Seien wir mal ehrlich: Die Niederlagen überwiegen im Leben doch. Was zählt, ist, dass man aus ihnen gestärkt hervorgeht und nicht enttäuscht ist, wenn etwas nicht klappt.“ Als Sportler holte Eyerkaufer fünf deutsche Meistertitel und reiste mit dem Nationalteam um die Welt.

Politiker sollten die Basis kennen

Auch wenn sich der Sozialdemokrat nach seinem Ausscheiden aus dem Amt 2005 aus der Politik zurückgezogen hat, so gibt es doch etwas, was Eyerkaufer stört. „Ich halte nichts von dem Werdegang Kreißsaal, Schulsaal, Hörsaal, Plenarsaal. Einmal richtig im Arbeitsleben stehen, das ist ein unbezahlbarer Erfahrungsschatz. Ich habe während meines Studiums für 1,79 Mark die Stunde bei Neckermann am Band gearbeitet und bei der Bundesbahn“, berichtet er.

Wer für die Menschen etwas tun wolle, der müsse die Basis kennen, sagt der in Landshut geborene Niederbayer, der seit 1964 in Maintal-Hochstadt lebt. Hier hat er geheiratet, hier ist er Vater zweier Töchter, Stefanie und Cornelia, geworden. Eyerkaufer ist belesen, hat viele Tageszeitungen abonniert, ist immer noch politisch interessiert. Aber eine Regel hat er: „Das Geschehen im Kreis kommentiere ich nicht. Ich bin kein Ex-Landrat, der aus dem Off gute Ratschläge gibt.“ Auf SPD-Parteitagen ist er weiterhin zugegen, seine Meinung ist nach wie vor gefragt.

Fehler muss man machen dürfen

Ob als Mathematik- und Politiklehrer, Schulleiter oder als Landrat: Eyerkaufer hat stets auf die in seinem Pädagogikstudium erworbenen Kenntnisse gesetzt. „Mein pädagogischer Rat lautet: Man darf über die Stränge schlagen und Fehler machen. Man muss nur daraus lernen. Ich für meinen Teil habe Angst vor Menschen, die keine Fehler machen“, sagt er. Das größte Kompliment hat er als Landrat von einem Mitarbeiter erhalten. Dieser habe gesagt: „Wenn wir mit ihnen über einen Fehler gesprochen haben, dann war er danach vergessen. Nur wenn sie plötzlich Niederbayerisch gesprochen haben, wussten wir, dass wir uns etwas geleistet hatten.“

Mensch bleiben, das war und ist Eyerkaufer wichtig. Seinen heutigen Geburtstag feiert er nicht mit Pomp und Grußworten, sondern während seiner 27. Hilfereise auf Sri Lanka. Geplant ist ein Fest mit armen Menschen aus Elendsvierteln, die noch nie zum Essen eingeladen worden sind. 230 Gäste hat er persönlich eingeladen. Das Programm gestalten Kindergärten und Schulen. Begleitet wird Eyerkaufer von Ehefrau Marion, Tochter Cornelia, den Enkeln Cedric (16) und Corey (3) sowie Bürgern aus dem Landkreis, die sich vor Ort ein Bild machen wollen, darunter Sponsoren, Schüler und Lehrer.

Internationales Engagement für Kinder

„Wir müssen den Leuten die Möglichkeit geben, in ihrem Kulturkreis zu bleiben. Das treibt mich an“, sagt er. Mit Erfolg: In Beruwala sind unter anderem mehr als 300 Häuser gebaut worden sowie Schulen, Kindergärten, Waisenhäuser und eine Frauenklinik. Eyerkaufers Engagement für die Kinderzukunft, etwa in Serbien, Bosnien und Guatemala, ist da noch gar nicht mitgezählt.

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