Fotos: Stadt Zwickau

„Menschenverachtend“: Schlüchterns Bürgermeister reagiert bestürzt auf Zerstörung des Gedenkbaums für NSU-Mordopfer Şimşek

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Zwickau - Ein gepflanzter Baum, der des ersten Mordopfers der Terrorzelle NSU Enver Şimşek gedenken sollte, ist in Zwickau nach Angaben der Stadt abgesägt worden. Şimşek war Inhaber eines Blumenhandels in Schlüchtern und wurde am 9. September 2000 an seinem Blumenstand in Nürnberg niedergeschossen. Schlüchterns Bürgermeister Matthias Möller reagiert bestürzt auf die Zerstörung des Gedenkbaumes.

„Das Absägen des Baumes zeugt von Intoleranz, mangelndem Demokratieverständnis und von Verachtung gegenüber Terroropfern und deren Angehörigen“, sagt Oberbürgermeisterin Pia Findeiß (SPD) in einer Mitteilung.

Die deutsche Eiche sollte an Enver Şimşek erinnern. Am 9. September 2000 feuerten die Rechtsterroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt in Nürnberg neunmal auf den Blumenhändler, der in seinem Wagen Pflanzen sortierte. Şimşek starb zwei Tage später an den Folgen seiner Schussverletzungen.

„Nur aufgrund seiner Nationalität zum Opfer geworden“

Schlüchterns Bürgermeister Matthias Möller (parteilos) reagiert bestürzt auf die Tat. Er sagt: „Die Zerstörung des Baumes, der zur Erinnerung an das Schlüchterner NSU-Opfer Enver Simsek in Zwickau gepflanzt wurde, ist schäbig, menschenverachtend und bestürzt mich zutiefst.“ Er wisse nicht, „was in Menschen vorgeht, die solch eine Tat begehen. Sie haben wohl nicht begriffen, dass bei der Tat des NSU ein unschuldiger Mensch zu Tode gekommen ist, der nur aufgrund seiner Nationalität zum Opfer wurde.“ Möller fühle mit den Angehörigen von Enver Şimşek, „denen erneut ein schwerer Schlag versetzt wurde“.

Weiter sagt er: „Und ich hoffe sehr, dass die Verantwortlichen der Stadt Zwickau sich nicht von dieser dummen Aktion beeindrucken lassen und den zerstörten Baum ersetzen.“ Natürlich sollten auch die Eichen zum Gedenken an die anderen NSU-Opfer gepflanzt werden. „Verzichtet die Stadt auf weitere Pflanzungen, dann haben die Täter doch genau das erreicht, was sie bezwecken wollten“, so Möller.

NSU

Die Terrorzelle „Nationalsozialistischer Untergrund“ von Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt hatte fast 14 Jahre lang im Untergrund gelebt – zuletzt in Zwickau. Sie war 2011 aufgeflogen. In dieser Zeit ermordeten die beiden Männer neun Gewerbetreibende türkischer und griechischer Herkunft sowie eine Polizistin. Zudem begingen sie zwei Sprengstoffanschläge mit vielen Verletzten und mehr als ein Dutzend Raubüberfälle. Am Ende nahmen sich Mundlos und Böhnhardt das Leben. / dpa, lea

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