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Michael Brand beim CDU-Heringsessen: Es gibt auch moralische Mittäter

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Schlüchtern - Politischer Aschermittwoch? Nein. Fisch-Freitag? Nein. Und doch gab es Hering. Und politische Gespräche – am Donnerstagabend bei der Schlüchterner CDU im Restaurant Silentium. Dass die Veranstaltung „erst“ am Donnerstag stattfand, hatte einen entscheidenden Vorteil: eine illustre Rednerschar.

Von unserem Redaktionsmitglied Tim Bachmann

„Wir haben ja die ‚Crème de la Crème‘ da“, bemerkte Stadträtin Luise Schönherr, als mit Dr. Katja Leikert die dritte Bundestagsabgeordnete den Saal des Restaurants betrat. Zuvor hatte sich schon Dr. Peter Tauber an einen der drei langen Tische gesetzt, und Michael Brand, der Hauptredner des Abends, drehte seine Runden und unterhielt sich mit den alten Bekannten.

Brand habe die Region lieben gelernt

Um den Einstieg für den Hauptredner zu eröffnen, las Baier eine „Frage des Tages“ aus unserer Zeitung vor: „Sollte sich die CDU mehr um Inhalte kümmern statt um Führungsämter?“ 90 Prozent der Leser seien für Themen, las Baier das Ergebnis der Umfrage vor. „Ich werde auf die 90 Prozent eingehen, aber auch der Rest bekommt Antworten“, versprach Brand.

Er habe in seiner Zeit, in der er den Bergwinkel im Bundestag vertreten durfte, die Region lieben gelernt, erzählte Brand. „Es ist der schönste Teil des Main-Kinzig-Kreises“, sagte er. „Katja und Peter dürfen mir da wohl nicht zustimmen.“ Und: „Eigentlich hört für uns Fuldaer ja die Welt am Distelrasen auf“, bekannte er. Brand erinnerte an den verstorbenen Klaus Ommert, der ihn damals an die Hand genommen habe, um ihm alles zu zeigen.

Einsatz für Umwelt – „nicht erst seit Greta Thunberg“

Die Sozialdemokraten seien nicht mehr „der politische Gegner“, sondern die Grünen. Die CDU müsse sich wieder auf Themen freuen. „Warum braucht es uns als letzte verbleibende Volkspartei?“, fragte Brand. „Weil wir uns von Grünen und FDP unterscheiden. Wir setzen uns für Wirtschaft, Energie und Umwelt ein. Und zwar nicht erst seit Greta Thunberg, sondern seit Jahrzehnten.“ Als Beispiele nannte er das „Einspeichern“ von CO2 durch das Wiederaufforsten. „Das ist unser Thema.“

Ernster wurde der gesundheitspolitische Sprecher der Union beim Thema Sterbehilfe. Er habe eine SMS von Constantin von Brandenstein aus Chile erhalten, die ihn aufgemuntert habe, da er am nun gekippten Gesetztentwurf mitwirkte. Das Gerichtsurteil habe ihn überascht. „Es hat mir in der Deutlichkeit fast die Schuhe ausgezogen“, bekannte er und mahnte: „Die Selbstbestimmung ist erheblich in Gefahr.“ Es sei ein Stückweit ein Skandalurteil. In Holland, in Belgien habe es „angefangen wie bei uns“, mahnte Brand. „Wir wollen nicht, dass der Suizid neben einer Möglichkeit am Lebensende auch eine Abrechnungsnummer wird.“ Und: „Verzweifelten Menschen muss man die Verzweiflung nehmen. Und nicht das Leben.“ Dafür werde er kämpfen.

Einladung zum Heringsessen beim Einkaufen in Fulda

Bürgermeister Matthias Möller nutzte das dritte Heringsessen binnen 24 Stunden, um Danke zu sagen. Dem Magistrat, den Stadtverordneten, den Ortsbeiräten und seinem Team im Rathaus für die konstruktive Zusammenarbeit. So sei es möglich, in Schlüchtern etwas zu bewegen. Gut sei auch, dass CDU-Fraktionschef Jürgen Heil in seinen Haushaltsreden Dinge kritisch hinterfrage. „Das hilft uns“, so Möller.

Heil wiederum berichtete, wie er Brand vor zwei Jahren in Fulda beim Einkaufen getroffen hatte, und gleich stand die Einladung zum Heringsessen. Er dankte den Rednern für die klaren Worte. Und an die etwa 50 Gäste gerichtet, sagte der CDU-Fraktionschef abschließend: „Bleiben Sie uns gewogen!“

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