Der Syrer Moaaz Karami lebt seit fünf Jahren in Deutschland.
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Der Syrer Moaaz Karami lebt seit fünf Jahren in Deutschland.

Durch Zufall in Deutschland gelandet

Moaaz Karami flüchtete 2015 vor den Kriegswirren aus Nordsyrien: „Meine Zukunft hat in Sinntal begonnen“

Moaaz Karami (30) ist vor fünf Jahren aus Syrien vor Bürgerkrieg und Terror geflüchtet. Er landete durch Zufall in Deutschland, konnte sich aber in kurzer Zeit beispielhaft gut integrieren.

Main-Kinzig-Kreis - „Ich habe hier eine zweite Heimat gefunden“, sagt der Sohn einer syrischen Lehrerfamilie, „aber ich will zurück, wenn alles vorbei ist. Wer soll denn unser Land wieder aufbauen, wenn alle hierbleiben wollen?“ Ende 2015, nachdem Bundeskanzlerin Merkel „Wir schaffen das!“ rief, kam er mit seinem Bruder und zwei Freunden nach Deutschland.

Gemeinsam waren sie aus dem umkämpften Norden Syriens in die Türkei geflohen, dann übers Meer nach Griechenland gefahren und schließlich durch Mazedonien, Serbien, Ungarn und Österreich hierher gekommen: Dafür liefen sie gut 3500 Kilometer zu Fuß.

Moaaz Karami flüchtete und kam durch Zufall nach Deutschland - Eigentlich wollte er nach Norwegen

Vorher hatte Moaaz in Idleb acht Semester Agrarwissenschaft studiert. Gerne wäre er nach Norwegen gegangen, aber sein Bruder, ein Lehrer, wollte in Deutschland bleiben und arbeitet mittlerweile als Erzieher in Offenbach. Also stellten auch Moaaz und seine Freunde hier ihre Asylanträge. Sie wollten zusammenbleiben, weil sie schon miteinander aufwuchsen und sich sehr lange kennen. Derzeit wohnt Moaaz mit seinem Bruder, der in Offenbach arbeitet, in Hanau zusammen. Nach dem Erstaufnahmelager für Flüchtlinge in Gießen kamen sie zunächst in den Bergwinkel, weil sie hier den Imbissbesitzer Abou Hajar (wir berichteten) kannten, der aus dem gleichen Dorf wie sie stammt.

Die Bearbeiter hatten nachgefragt, ob die Geflüchteten irgendwo Landsleute kennen. Moaaz und seine Begleiter wurden von Hof Reith bald nach Sinntal verlegt und lernten sehr schnell Deutsch. Mit großem Engagement wurden sie von Integrationslotsin Annette Hölzer unterstützt. Mooaz schwärmt in den höchsten Tönen von ihr: „Sie hat zwei, drei Jahre lang so viel für uns gemacht!“

Aus Nordsyrien geflüchtet: Moaaz Karami berichtet über Anfänge - Auf dem Dorf war es „überhaupt nicht schlimm“

„Es war überhaupt nicht schlimm gewesen auf dem Dorf“, erzählt er, „ich habe dort viele Leute kennengelernt und mich sehr wohl gefühlt. Die meisten Geflüchteten wollen ja immer in die Großstädte. Aber meine Zukunft hat in Sinntal begonnen.“ Da die Fortsetzung seines Studiums sprachlich (noch) nicht zu schaffen war, begann er nach einem Jahr in Deutschland (2016), bei der Firma Plastic Omnium in Sterbfritz eine Ausbildung als Industriemechaniker. Die konnte er sogar vorzeitig erfolgreich abschließen und bekam innerhalb von einer Woche eine feste Anstellung bei der Steinauer Firma Dreiturm.

Moaaz findet seinen neuen Beruf spannend und besucht derzeit zweimal die Woche sowie samstags die Technikerschule, die er 2023 abschließen will: „Mein Meister unterstützt mich dabei wie ein großer Bruder.“

Die Deutsche Sprache und die Ausbildung machten Moaaz Karami aus Nordsyrien keine Probleme

Weder mit dem Lernen der deutschen Sprache noch in der Ausbildung gab es für ihn Probleme. Im Studium hatte er gelernt, wie man selbständig gut lernt. Lachend erzählt er, dass man deutsche Worte nicht so einfach ins Arabische übersetzen kann: „Beispielsweise kennt man die Redewendung ‚ach so‘ nicht.“ Bei einem Schraubenzieher (und anderen Geräten oder Werkzeugen) müsse man einfach fragen, was die machen, um arabische Entsprechungen zu finden.

„Ich bin sehr zufrieden“, meint Moaaz, „auch wenn ich gerade viel lernen muss und noch keine Zeit habe, eine Familie zu gründen“. Er hat viele deutsche Freunde und Freundinnen – und ist ein gelungenes Beispiel für erfolgreiche Integration. (Von Hans Werner Kruse)

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