Im Mordprozess in Bad Soden-Salmünster forderte Staatsanwalt Dominik Mies lebenslange Haft für den Angeklagten.
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Im Mordprozess in Bad Soden-Salmünster forderte Staatsanwalt Dominik Mies lebenslange Haft für den Angeklagten.

Ehefrau erstochen

Mordprozess in Bad Soden-Salmünster: Staatsanwalt Dominik Mies fordert lebenslange Haft für Ehemann

  • Sebastian Reichert
    vonSebastian Reichert
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Mord oder Totschlag? Das ist die entscheidende Frage im Prozess um die Tötung einer 38-jährigen Frau aus Bad Soden-Salmünster. Nun wurde im Mordprozess vor der Ersten Großen Strafkammer des Landgerichts Hanau die Plädoyers gehalten.

Bad Soden-Salmünster - Für Oberstaatsanwalt Dominik Mies ist der Fall klar: Bei der Bluttat vom 18. Februar 2020 in der Wohnung „Im Hopfengarten“ handelt es sich um Mord. Entsprechend fordert er eine lebenslange Haftstrafe für den 43 Jahre alten Angeklagten.

Mordprozess in Bad Soden-Salmünster: Staatsanwalt fordert lebenslange Haft

Verteidiger Benjamin Düring hingegen wertet das Geschehen als Totschlag. Die Höhe der dafür zu verhängenden Haftstrafe stellte er ins Ermessen des Gerichts. Der 43-Jährige selbst äußerte in seinem Schlusswort noch einmal sein Bedauern über die Tat. Er werde diese sein Leben lang bereuen. Er wisse nicht, wie das passieren konnte.

Nach Ansicht von Ankläger Mies hat der 43-Jährige seine Ehefrau mit drei Messerstichen getötet. Und das aus niedrigen Beweggründen. Mehrmals habe dieser im Vorfeld angekündigt, sie umbringen zu wollen. Spätestens seitdem er am Tag vor der Tat mittags aus Kroatien, wohin er mit seinem Sohn kurzfristig gereist war, mit seiner Frau in Salmünster telefoniert hatte, stand seine Entscheidung endgültig fest, resümierte Mies.

Ehefrau Bad Soden-Salmünster vor Augen der Tochter erstochen

Bei diesem Gespräch hatte sie ihm ihre Scheidungsabsicht mitgeteilt – und auch, dass sie bereits eine Anwältin eingeschaltet hatte. Die Trennung habe er nicht akzeptieren wollen, steht für Staatsanwalt Mies fest. Aus einem „übersteigerten Ehrgefühl“ heraus sei der Entschluss gefallen, die Tötungspläne „zu vollstrecken“. 

Nach der nächtlichen Rückkehr aus Kroatien habe er sich zwar zunächst schlafen gelegt. Nach nur rund zweieinhalb Stunden sei er allerdings aufgestanden und habe seine Frau, die sich für die Arbeit fertigmachte, ohne einen weiteren Streit erstochen. Und das vor den Augen der gemeinsamen 13-jährigen Tochter, was Mies als besonders verwerflich empfindet. 

Mordprozess: Verteidiger Benjamin Düring spricht von Affekttat

Auch im Vorfeld habe der 43-Jährige schon die Tochter und ihren 15-jährigen Bruder ins Geschehen mit einbezogen, als er angekündigt hatte, zunächst die Mutter und dann sich selbst töten zu wollen. Verteidiger Düring sah im vorliegenden Fall keinen niedrigen Beweggrund.

Auch eine kaltblütige Planung konnte er nicht feststellen. Vielmehr habe sein Mandant im Affekt gehandelt. Ergo: Totschlag. Der Beschuldigte bereue seine Tat zutiefst, wovon seine wiederholten Tränenausbrüche während der Verhandlung zeugten. Nach der Tat habe der 43-Jährige die Wohnung verlassen und sich, nachdem ihm sein Handeln bewusst wurde, der Polizei gestellt.

Als er von den Scheidungs-Plänen erfahren hatte, sei er in Panik geraten. Er habe Angst bekommen, dass die Drohung der Schwiegermutter Realität werde. Diese hatte ihm prophezeit, eines Tages mit lediglich zwei Tüten Habseligkeiten die gemeinsame Wohnung in Salmünster verlassen zu müssen und seine Kinder nicht wiederzusehen. 

Mordprozess in Bad Soden-Salmünster: Urteil wird am Freitag gefällt

Der 43-Jährige befand sich nach Einschätzung von Düring in einer Ausnahmesituation. Seine gesamte Existenz, sein Verbleib in Deutschland, die familiäre Situation, seine Arbeitsstelle sowie sein finanzielles Auskommen sah er in Frage gestellt. Während der Rückfahrt von Kroatien habe der 43-Jährige gegenüber seinem Sohn Existenzängste geäußert und erklärt, er erwäge einen Suizid.

Von einer Tötung der Mutter sei zu diesem Zeitpunkt nicht die Rede gewesen. Nach der Rückkehr habe der Beschuldigte seine Tochter und die Ehefrau umarmt und sich anschließend schlafen gelegt. Hätte er tatsächlich vorgehabt, seine Ehefrau kaltblütig zu ermorden, hätte er dies unmittelbar nach dem Betreten der Wohnung tun können.

Düring sprach von einem massiven Alkoholproblem der Ehefrau, was eine nachträgliche Haaranalyse bescheinige. Die Trinkerei und die Unzufriedenheit der Frau mit ihrer Situation in Deutschland hätten das Eheleben überschattet und immer wieder zu Streitigkeiten geführt. Das Urteil wird am Freitag gesprochen. (ls)

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