Unter Vorsitz von Richterin Susanne Wetzel verhandelt die Erste Große Strafkammer des Landgerichts Hanau derzeit gegen einen 43-Jährigen Salmünsterer wegen Mordes.
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Unter Vorsitz von Richterin Susanne Wetzel verhandelt die Erste Große Strafkammer des Landgerichts Hanau derzeit gegen einen 43-Jährigen Salmünsterer wegen Mordes.

Tochter will aussagen

Mordprozess in Salmünster: 43-Jähriger spricht von Alkohol-Exzessen der toten Ehefrau

Jener Tag im September 1999, als er seine spätere Frau kennenlernte, sei früher der schönste Tag in seinem Leben gewesen. Heute ist es für ihn der traurigste.

Bad Soden-Salmünster - Erstmals ergriff gestern am zweiten Prozesstag der wegen Mordes vor der Ersten Großen Strafkammer des Landgerichts Hanau angeklagte 43-Jährige das Wort. Der Kroate soll laut Anklage am 18. Februar dieses Jahres seine Frau in der gemeinsamen Wohnung in Salmünster erstochen haben.

Unter Vorsitz der Präsidentin des Landgerichts Susanne Wetzel schilderte der Mann über mehrere Stunden sein bisheriges Leben. Dabei machte er die angebliche Alkoholsucht seiner Frau für die Probleme in der gemeinsamen Ehe verantwortlich. Sich selbst beschrieb er als ruhigen Typen, der sich im Leben stets bemüht habe, den Schwächeren zu helfen. Nie habe er sich etwas zu Schulden kommen lassen, wovon sowohl das deutsche als auch kroatische Vorstrafenregister zeugt, welche beide ohne jeglichen Eintrag sind.

Im Mordprozess in Salmünster spricht der 43-jährige Angeklagte von Alkohol-Exzessen seiner Ehefrau

Im Gegenteil: Früher war es sein Wunsch, Polizeibeamter in der Heimat zu werden. Dieser ließ sich allerdings aus finanziellen Gründen nicht in die Wirklichkeit umsetzen. Also begann er eine Lehre zum Verkehrstechniker, die er jedoch schon nach rund einem Jahr abbrach. Es folgte eine Ausbildung zum Elektriker, die er erfolgreich abschloss.

Doch in seinem Beruf waren die Stellenaussichten schlecht. Also wechselte er in die Sicherheitsbranche. Er bewachte Geldtransporte, arbeitete als Türsteher in Clubs und sicherte Einkaufsläden oder andere gefährdete Objekte. Da er aktiv Taekwondo und Kickboxen betrieb, brachte er für die Security-Branche gute Voraussetzungen mit. Vor Gericht erzählte er, dass er als Kickboxer sogar kroatischer Meister wurde.

Nachdem er aus der tiefsten kroatischen Provinz nach Split gezogen war, lernte er bei der Geburtstagsfeier eines Freundes seine spätere Frau kennen. Sie ging noch zur Schule, absolvierte später erfolgreich eine Schneiderlehre. 2002 heirateten sie. Schon bald kam der gemeinsame Sohn zur Welt. „Ich war der glücklichste Vater der Welt“, schaute er vor Gericht zurück. Mehrmals bezeichnete er sich als großen Familienmenschen. Zwei Jahre später erblickte die Tochter das Licht der Welt.

Medikamente, Alkohol und finanzielle Sorgen

Weitere zwei Jahre später kam dann die große Wende im Leben der Familie, so die Ansicht des 43-Jährigen. Seine Frau fing wieder an zu arbeiten. Daher schwenkte er um und übernahm nächtliche Sicherheitsdienste, um tagsüber für die Kinder da zu sein. Damals bekam seine Frau gesundheitliche Probleme und musste Psychopharmaka nehmen. Auch griff sie zum Alkohol. Und erste finanzielle Engpässe taten sich auf. Beispielsweise wurde ein Kredit aufgenommen, weil die Frau siebenmal durch die Fahrprüfung gefallen sei.

Eines Tages habe sie plötzlich den Wunsch geäußert, nach Deutschland umzusiedeln: „Sie wollte diese Reise machen. Ich war anfangs dagegen.“ Sie glaubte, hier gehe es ihnen besser. Letztlich willigte er ein, weil er hoffte, dass seine Frau damit ruhiger wird und auf die Medikamente und den Alkohol verzichten könnte. Im April 2017 siedelte das Ehepaar um, die Kinder blieben noch bis zum Sommer in Kroatien, um das Schuljahr abzuschließen.

Angeklagter: Bier hat sie zu sich genommen wie Wasser

Bad Soden-Salmünster wurde ihre neue Heimat. Zunächst wohnten sie in einer Appartement-Wohnung, später in der Mietwohnung „Im Hopfgarten“, wo es später zu der Bluttat kam. Als Startkapital nutzten sie die Erträge vom Verkauf des Autos und seiner Papageienzucht in der Heimat. Recht schnell fanden hier aber auch Arbeit: Sie als Reinigungskraft, er als Elektriker.

Eigentlich ging es der Familie gut, wenn da nicht das Thema Alkohol gewesen wäre. Irgendwann sei sie jedes Wochenende betrunken gewesen, habe auch während der Woche getrunken. Bier habe sie zu sich genommen wie Wasser, erzählte er. Nach rund eineinhalb Jahren habe sie von Deutschland „die Nase voll gehabt“, ihr Umfeld in Kroatien vermisst. Immer häufiger kam es zu Streitigkeiten.

Tochter des Angeklagten will aussagen

Er bot ihr an, alleine nach Kroatien zurück zu gehen, was sie ablehnte. Als sie ihrerseits die Scheidung anbot und drohte, die Kinder mitzunehmen, bekam er Angst, diese zu verlieren. Nachdem ihm auch noch die Schwiegermutter ankündigte, ihn mit nichts mehr als „zwei Plastiktüten“ mit Hab und Gut nach Hause zu schicken, fuhr er Hals über Kopf mit seinem Sohn über Nacht nach Kroatien, um dort seine Eigentumswohnung in der Nähe von Split in Form einer Schenkung an seinen Vater zu übertragen und vor dem Zugriff der Frau zu retten. Einige Tage später kehrte er zurück. Dabei geschah die Bluttat. Während seiner Aussage schüttelten ihn immer wieder Weinkrämpfe.

Gestern sagten auch zwei Nachbarinnen aus, die von den dramatischen Erlebnissen in der Mordnacht und den fürchterlichen Schreien der Frau berichteten.

Zu der tödlichen Attacke selbst schweigt der Angeklagte bislang auf Anraten seines Pflichtverteidigers Benjamin Düring. Richterin Wetzel berichtete von der mittlerweile erfolgreichen Kontaktaufnahme zu den beiden Kindern in Kroatien. Demnach lehne es der Sohn ab, gegen seinen Vater vor dem Landgericht auszusagen. Die Tochter wolle jedoch unbedingt gehört werden. (ls)

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