1. Fuldaer Zeitung
  2. Kinzigtal

Moscheepläne: Politik und Kirche plädieren für Dialog

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Redaktion Fuldaer Zeitung

Schlüchtern - Nachdem unsere Zeitung erstmals Befürworter und Gegner eines Moscheebaus in Schlüchtern an einen Tisch gebracht hatte, haben wir auch Dekan Fritz-Eckhard Schmidt sowie CDU-Bundestagsabgeordneten Dr. Peter Tauber um ihre Position gebeten.

Der Wahlkreisabgeordnete und CDU-Generalsekretär Dr. Peter Tauber stellt klar, dass die Ahmadiyya wie jede andere anerkannte Religionsgemeinschaft das Recht besitze, eine Moschee zu errichten: "Natürlich dürfen sie das", stellte Tauber fest. Die spannende Frage sei, in welchem Rahmen dies erfolge. Es müsse erlaubt sein, etwa über die Lage des Bauwerks oder dessen Höhe öffentlich zu diskutieren. Diese Freiheit sei für "ein gedeihliches Miteinander" wichtig. In Gelnhausen, so ein Beispiel Taubers, sei unlängst eine Moschee entstanden, welche die Umgebung deutlich präge, aber ohne Minarette auskomme. Eine Lösung könne nur im offenen Dialog aller Beteiligten gefunden werden. Tauber nimmt gleichzeitig die Ahmadiyya gegen pauschale Kritik in Schutz: "Diese Religionsgemeinschaft ist besonders integrationswillig und propagiert den Gewaltverzicht klarer als andere", sagt der CDU-Politiker. Für generelle und vorschnelle Urteile fehle ihm überdies jedes Verständnis. "Ich kann nicht akzeptieren, wenn Kritiker schlichtweg erklären, sie wollten einfach keine Moschee in ihrer Kommune. Diese Haltung entspricht nicht den Vorstellungen der CDU." Tauber: "CDU und CSU beziehen in ihrem gemeinsamen Regierungsprogramm zum Thema Religionsfreiheit eindeutig Stellung. Dort heißt es: 'Wir treten weltweit für Religionsfreiheit aller Menschen ein.' Dies gilt selbstverständlich auch für die Muslime in Deutschland. Das Recht auf Religionsfreiheit umfasst das Recht, gemeinsam seinen Glauben ausüben zu können und hierfür auch – im Rahmen der Bauordnungen – Gotteshäuser zu errichten." Mit Blick auf die Debatte in Schlüchtern stellt Tauber fest: "So wie die Diskussion hier in Teilen geführt wird, gefällt mir das nicht." Das gelte im Übrigen auch für den Umgang mit den Kritikern des Moscheebaus: "Wer sich dagegen ausspricht, ist nicht gleich ein Nazi", betont Peter Tauber. Der CDU-Politiker wendet sich gegen die Intention, Moscheen zu verstecken, sodass sie möglichst von der Bildfläche verschwinden. Das führe nur zu "Hinterhofmoscheen", die niemand wolle. In diesem Zusammenhang beruft er sich auf den ehemaligen hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU). Dieser habe sogar dafür plädiert, Moscheen in der Nähe des Marktplatzes anzusiedeln, damit jeder sehen könne, wer sich dort treffe und was dort vor sich gehe. Dekan Fritz-Eckhard Schmidt, evangelischer Kirchenkreis Schlüchtern: "Mit Dankbarkeit nehmen wir als evangelische Christen die vom Grundgesetz geschützte Religionsfreiheit in Anspruch und gehen davon aus, dass diese auch anderen Religionsgemeinschaften gewährt wird. Ich warne davor, das Recht auf freie Religionsausübung – und dazu gehört auch das Recht, Kirchen, Versammlungshäuser und Moscheen zu errichten – einseitig zu untergraben. Damit schaden wir uns als Kirche langfristig selbst. Darüber hinaus gehört es unverzichtbar zum Verständnis des christlichen Glaubens dazu, Achtung und Toleranz gegenüber Angehörigen anderer Religionen und Glaubensrichtungen zu üben. Allerdings erfordern meines Erachtens die offensichtlichen Akzeptanzdefizite sowie die begründete Sorge um den sozialen Frieden in Schlüchtern sachbezogene, überparteiliche Bemühungen um ein Gespräch mit den Initiatoren des Moscheebauprojekts bezüglich der Dimensionierung und baulichen Gestaltung. Es steht meines Erachtens keinem kirchlichen Gremium zu, demokratisch getroffene Mehrheitsentscheidungen kommunaler Gremien in Frage zu stellen und baurechtliche Sachverhalte zu kritisieren. Ich bin nach wie vor der Meinung, dass sich die Pfarrerschaft und kirchliche Gremien durch Zurückhaltung offenhalten sollten für eine eventuelle Inanspruchnahme als Vermittler im Bemühen um ein friedvolles faires Miteinander Schlüchterner Bürger unterschiedlicher kultureller und religiöser Herkunft. Aus dieser Position heraus ist seinerzeit die vorbildliche und segensreiche Initiative des Brückencafés entstanden. Natürlich haben wir festzustellen, dass das Kommen von Menschen anderen Glaubens in unsere Region oft eigene religiöse Unsicherheit hervorruft. Dass diese Entwicklung für Menschen Anlass zur Sorge gibt, ist selbstverständlich. Und diese Sorge nehmen wir ernst. Ich persönlich überhöre nicht die Sorge um Gefährdung der christlichen Tradition und Werte in dieser Stadt. Zu Aktionismus und Aufgeregtheit sehe ich jedoch keinen Anlass. Vielmehr sollten wir uns selbstbewusst und unverzagt der Pflege unserer Tradition und Werte zuwenden."

Auch interessant