Der Stausee bei Ahl
+
Der Stausee bei Ahl zieht zahlreiche Spaziergänger und Sportler an. Doch dieser Tage trübten viele tote Fische das Vergnügen.

Was geht da vor sich?

Mysteriöses Fischsterben im Kinzigstausee: Hunderte Kadaver schwemmen ans Ufer

  • Tim Bachmann
    vonTim Bachmann
    schließen
  • Lena Quandt
    Lena Quandt
    schließen

Zahlreiche tote Fische sind dieser Tage am Ufer des Kinzigstausees zu finden. Vor allem im Bereich der Staumauer dümpeln Forellen und Karpfen „rückenschwimmend“ zwischen Treibholz und Unrat. Was ist passiert?

  • Kinzigstausee: Hunderte Fischkadaver schwemmen ans Ufer.
  • Es gibt keine Hinweise auf schlechte Wasserqualität oder eine Krankheit.
  • Der Angelverein vermutet, den Fischen könnte eine lebenswichtige Winterruhe fehlen.

Ahl - Die Sonne scheint vom Himmel. Zahlreiche Jogger, Radfahrer und Familien mit Kindern sind unterwegs am Stausee zwischen Ahl und Steinau. Es riecht nach Urlaub. Nordsee-Urlaub. Denn durch die Luft wabert der Geruch von Fisch. „Wenn ich jetzt noch einen salzigen Geschmack im Mund hätte, wäre es wie Nordsee-Urlaub“, scherzt ein Spaziergänger hierzu.

Jedoch ist der Grund für den Geruch gar nicht zum Lachen. Zahlreiche tote Fische sind mit Treibholz und Unrat an die Staumauer angeschwemmt worden. Allein am Ufer des 550 Meter langen Damms der zwischen 1976 und 1982 erbauten Kinzigtalsperre dümpeln nach Schätzungen von Spaziergängern gut 100 tote Fische herum, darunter Forellen und Karpfen.

Sie werden auf dem Rücken schwimmend angeschwemmt, was bedeutet, dass sie nicht mehr leben. Ein Festmahl für einen einsamen Kolkraben, der sich auf einem Karpfen niedergelassen hat, auf diesem „surft“ und dabei fleißig pickt und frisst. Des einen Freud, des andren Leid.

Die Fischtreppe führt derzeit kein Wasser. Auch durch die Staustufe selbst findet die Kinzig nur als größeres Rinnsal ihren Weg weiter in Richtung Süden.

Keine Hinweise auf schlechte Wasserqualität

„Die Untere Wasserbehörde des Main-Kinzig-Kreises weiß bereits seit Freitag um die toten Fische“, heißt es vonseiten des Kreises auf Nachfrage unserer Zeitung. Die Behörde habe den Betreiber des Stausees, den Wasserverband Kinzig, darüber informiert. Auf eine spezielle Fischkrankheit oder auf eine schlechte Wasserqualität deute derzeit nichts hin. Vielmehr sei davon auszugehen, dass es sich um Fische handle, die wie sonst auch aus den unterschiedlichsten Gründen verendet sind, so der Kreis.

In einer Mitteilung steht: „Da vor einigen Tagen der Stauseebetrieb wie jedes Jahr von Winter- auf Sommereinstau umgestellt wurde, liegt eine andere Ursache wesentlich näher. Denn wenn der Wasserstand um etwa zwei Meter ansteigt, wurde schon öfter das Phänomen beobachtet, dass Fischkadaver, die sonst am Ufer verteilt angespült werden, in Bewegung geraten und durch die Strömung gehäuft an einer bestimmten Stelle angeschwemmt werden.“

Für diese Erklärung spreche, dass sich die Fische in unterschiedlichem Zersetzungsstadium befunden hätten. Gegen eine Fischkrankheit oder für bestimmte Arten schädliche chemische Wasserverhältnisse spreche zudem, dass tote Fische unterschiedlichster Arten angespült wurden.

Wasseranalysen bringen keine Klarheit

Der Angelsportverein (ASV) Eisvogel Birstein-Steinau und der Wasserverband Kinzig erklären indes in einer gemeinsamen Pressemitteilung die Gründe für das Fischesterben. Darin heißt es: „In den letzten Wochen wurden mehrere leblose Fische im Stausee gesichtet. Bei diesen Fischen handelte es sich um 17 Karpfen in unterschiedlichen Größen. Der Gewässerwart des Angelvereins ASV Eisvogel, Ralf Schramm, nahm an verschiedenen Stellen im Stausee sofort Wasserproben. Die Analytik ergab keine Hinweise auf schädigende Einträge. Auch eine weitere unabhängige Analytik durch den Gewässerwart Patrik Wagner ergab keine Hinweise.“

In der vergangenen Woche seien dann weitere 22 leblose kleine Weißfische an beiden Uferseiten und an der Staumauer im Wasser gesichtet worden, so die Pressenotiz.

Fehlt Fischen Winterruhe?

Die Ursache dafür könne zum jetzigen Zeitpunkt nur vermutet werden. So komme es laut Verein und Verband an allen Gewässern, in denen sich Süßwasserfische befinden, im Frühjahr zu sogenannten Ausfällen. Denn durch die milden Winter könnten die Fische nicht mehr ausreichend ihren Stoffwechsel anpassen. Die ursprüngliche Winterruhe fehle. „Und nicht allen Fischen gelingt diese lebenswichtige Umstellung.“ Dadurch fehlten den Fischen im Frühjahr wichtige Energiereserven, was zum Verenden einiger geschwächter Exemplare führen könnte.

Trotzdem soll die Situation am Stausee im Auge behalten werden. Harald Frank, Vorsitzender des ASV Eisvogel, habe daher mit dem Geschäftsführer des Wasserverbands Kinzig, Holger Scheffler, vereinbart, die Entwicklung der Fische im Stausee „weiterhin engmaschig durch die Gewässerwarte und Vereinsmitglieder zu beobachten“.

Während die Behörden nun beobachten, nimmt die Natur ihren Lauf: Der Kolkrabe hat sich sattgefressen, seinen rückenschwimmenden Imbiss treiben lassen und sich wieder in die Lüfte erhoben. Familien, Sportler und Spaziergänger drehen weiter ihre Runden, auch wenn es in den kommenden Tagen noch nach Fisch riechen wird. Es gibt aber wohl Schlimmeres als den Geruch von Urlaub.

  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema