Diese Rinder standen noch am Dienstag trotz Regen und Kälte ohne trockenen Unterstand auf einer Weide bei Schlüchtern. / Foto: privat

Mit nassem Fell im kalten Wind

  • VonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Schlüchtern - Der Dame aus einem Schlüchterner Ortsteil bricht es jedes Mal das Herz, wenn sie Rinder entdeckt, die dauerhaft bei Schnee, Regen und Kälte schutzlos auf Weiden stehen müssen. Einzelfälle zwar, aber jeder ist einer zu viel.

Von unserem Redaktionsmitglied Alexander Gies

„Ich schlafe nachts nicht, so sehr geht mir das Leid der Tiere an die Nieren“, sagt die Frau, die aus Angst vor Repressionen unerkannt bleiben möchte. Doch der Fall, den sie schildert, ist authentisch und aktenkundig beim Veterinäramt des Main-Kinzig-Kreises.

Demnach hält ein Schlüchterner Landwirt Rinder unter freiem Himmel, ohne dass die Tiere hinreichend vor Wind, Regen und Kälte geschützt wären. Es gibt an diesem Ort keinen Unterstand, die Wiese ist teilweise verschlammt, und die Tiere sind durchnässt. Das ist so, als würde ein Mensch mit frisch gewaschenen Haaren bei eisigem Nordostwind im Dauerregen stehen.

„Rinder, die längere Zeit knöcheltief im Schlamm stehen, werden nicht tierschutzgerecht gehalten. Das ist ganz klar. Und dagegen gehen wir vor“, sagt Matthias Zach (Grüne), Kreisbeigeordneter und Dezernent für Veterinärwesen, gegenüber unserer Zeitung. Nach Auskunft der Pressestelle seiner Behörde, welche den geschilderten Fall bestätigt, „haben die Amtstierärzte bereits reagiert und den Tierhalter aufgefordert, Abhilfe zu schaffen“. Die Dame beobachtet das im Bergwinkel immer wieder. Oft stehe den Tieren nicht einmal trockenes Futter zur Verfügung, beklagt sie.

„Mit solchen Fällen bekommen es die Veterinäre in allen Teilen des Kreises leider immer wieder zu tun“, sagt Frank Walzer, Pressesprecher der Kreisverwaltung. Es sei aber „kein deutlicher Trend nach oben festzustellen. Eine Häufung in den zurückliegenden Monaten lässt sich mit der feuchten Witterung erklären. Denn durch andauernde Schnee- und Regenfälle bekommen auch Tierhalter mit ausreichend trockenen Weidestandorten Probleme“, sagt Walzer.

Grundsätzlich spreche nichts dagegen, Rinder und Pferde auch im Winterhalbjahr draußen zu halten, stellen die Kreisveterinäre klar. Das Tierschutzgesetz fordere aber einen Witterungsschutz sowie eine ausreichend trockene Liegefläche, sagt Walzer. Auch müsse die Futter- und Wasserversorgung trocken erreichbar sein. „Feuchte Stellen auf einer Weide sind also zunächst nicht problematisch, wenn die Tiere nicht auf diesen Bereichen der Weide stehen müssen, um etwa ans Futter zu kommen oder weil es sonst keinen trockenen Untergrund gibt.“

Wer Weidetiere beobachtet, die offensichtlich nicht korrekt gehalten werden, kann sich unter Telefon (06051) 8515510 an das Veterinäramt werden.

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