Ein ICE fährt auf der Bahnstrecke „Kinzigtalbahn“ bei Gelnhausen-Meerholz.
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Die Bahnstrecke „Kinzigtalbahn“ bei Gelnhausen-Meerholz. Bei dem geplanten viergleisigen Ausbau zwischen Hanau und Gelnhausen genießt der Lärmschutz einen hohen Stellenwert.

Planungen schreiten voran

Bahnstrecke zwischen Gelnhausen und Fulda: Zeitgleich bis zu 1000 Arbeiter im Einsatz

  • Alexander Gies
    vonAlexander Gies
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Wie so oft: Als es spannend wurde und ein Teilnehmer fragte, ob der Widerstand der Stadt Schlüchtern die Variante IV der Neubaustrecke noch kippen könnte, brach die Verbindung zusammen. Dennoch kann die Online-Veranstaltung zum geplanten Trassenverlauf rund um Bad Orb, Biebergemünd und Wächtersbach als gelungen bezeichnet werden.

  • Baugenehmigung könnte zwischen 2027 und 2030 vorliegen
  • Fahrtzeit stellenweise um 13 Minuten verkürzt
  • Lärmbelastigung und -schutz im Fokus der Bürger

Wächtersbach - Nach Angaben der Bahn hatten 600 Interessierte am Montagabend von Anfang bis Ende teilgenommen, zu Hoch-Zeiten waren es 900. Projektleiter Dirk Schütz stellte gut eine halbe Stunde lang den viergleisigen Ausbau zwischen Gelnhausen und Fulda per Video, Animation und mehreren Folien live vor einer Kamera vor und beantwortete gut eine Stunde lang Reaktionen.

150 Teilnehmer stellten rund 400 Fragen, die sich teilweise doppelten, insgesamt 126 Fragen konnten im ersten Durchgang beantwortet werden, andere sollen per Mail geklärt werden. „Mit dieser guten Resonanz sind wir sehr zufrieden“, sagte eine Bahnsprecherin im Nachgang der Veranstaltung. Auch von den Zuschauern gab’s überwiegend Lob: Gute Session, hilfreich, top, technisch gut, sehr informatives Format, sollte immer angeboten werden – so lauteten einige Reaktionen.

Fahrzeit um 13 Minuten reduzieren

Selbst wenn der Schwerpunkt auf dem Abschnitt von Gelnhausen bis Wächtersbach lag, gab es auch für Bergwinkler Interessantes über das Projekt zu hören, das eine Streckenlänge von 45 Kilometern umfasst, von denen zwei Drittel unterirdisch verlaufen. Die Fahrtzeit soll sich dadurch um 13 Minuten reduzieren. Es soll auch einen Termin für den Abschnitt von Steinau bis Schlüchtern geben, das Datum steht allerdings noch nicht fest.

Auch zum Zeitplan gab es Neues, wenn auch vage. Derzeit läuft das Raumordnungsverfahren. Es wird erwartet, dass Ende Juni das Regierungspräsidium die Pläne der Bahn veröffentlicht. Ab dem Jahr 2022 startet die technische Planung, die sich mit Fragen beschäftigt, wo Baustraßen oder Lagerflächen angelegt werden können, wie die Brücken aussehen oder wie hoch die Lärmschutzwände entlang der Neubaustrecke genau werden sollen. Bislang sind pauschal drei Meter Höhe vorgesehen.

Bauzeit länger als fünf Jahre

Die Planfeststellung, also die Baugenehmigung, könnte laut Dirk Schütz im Zeitraum zwischen 2027 und 2030 vorliegen – sofern die eingangs erwähnten juristischen Widerstände gegen die Variante den ganzen Zeitplan nicht über den Haufen werfen. Die Bauzeit, so Schütz, belaufe sich sicherlich auf einen Zeitraum „von größer als fünf Jahren“. Das bedeutet, dass mit der Fertigstellung frühestens im Jahr 2035 gerechnet werden kann – aber wohl eher nicht.

Welche Straßen der Baustellenverkehr nutzen muss, das lasse sich nicht seriös sagen. Eventuell würden eigene Baustraßen gebaut, es könne aber auch zu Durchfahrten durch Ortschaften geben, so Schütz. Von Vorteil sei sicherlich, dass die Neubaustrecke sich entlang der Autobahn erstrecke, die für An- und Abfahrten genutzt werden könne.

Enorme Mengen an Erdaushub

Bei insgesamt 31 Kilometer Tunnelstrecke fallen enorme Mengen an Erdaushub an, die sicherlich nicht in der Region verwendet oder irgendwo eingebaut werden könnten. Schütz brachte die Möglichkeit ins Spiel, die Erdmassen in aufgegebenen Gruben des Braunkohletagebaus unterzubringen, der im Zuge der Erreichung der Klimaziele geschlossen werden soll.

Nur Schätzwerte konnte Schütz zur Anzahl der Bauarbeiter nennen, die gleichzeitig an der 45 Kilometer langen Baustelle tätig sein werden. Das hänge stark davon ab, ob für den Vortrieb leistungsstarke Tunnelbaumaschinen eingesetzt werden können oder ob man eher bergmännisch vorgehen müsse. Schütz kann sich aber grob vorstellen, dass an der Gesamtstrecke zwischen 500 und 1000 Mitarbeiter gleichzeitig tätig sind.

Mit Tunnelknall sei nicht zu rechnen

Einen breiten Raum in der Fragerunde nahm der Lärmschutz ein. Schütz versicherte, dass es weder beim Tunnelbau noch beim -betrieb zu Belästigungen kommen werde, zumal die Tunnel nie unter Wohngebieten, sondern mindestens 400 Meter davon entfernt gebaut würden.

Auch mit dem sogenannten Tunnelknall beim Einfahren eines ICE in die Erde sei nicht zu rechnen. Dafür setze man auf sogenannte Sonic-Bauwerke, die das verhindern sollen. Eine Einhausung von Brückenstrecken – etwa für Wächtersbach gefordert – mache keinen Sinn, weil dieser Tunnel mindestens acht Meter hoch sein müsse, einem enormen Winddruck standhalten müsse und wahrscheinlich kein schöner Anblick sein werde.

Lärmbelästigung soll deutlich sinken

Die Brücke bei Wächtersbach werde mit einer im Moment drei Meter hohen Schallschutzwand ausgestattet. Aufwändigen Messungen und Berechnungen des Fraunhofer Heinrich-Hertz-Instituts in Berlin zufolge werde die Lärmbelastung für die Stadt deutlich sinken.

Ähnliche Messungen wurden für Niederzell angestellt. Auch dort, so wurde angedeutet, würden die Lärmwerte deutlich sinken, Details wurden aber noch nicht genannt. Insgesamt, so Dirk Schütz, werde sich die Zahl der nachts von Lärm betroffenen Anlieger nach Fertigstellung der Neubaustrecke von heute 39.000 auf dann 14.000 reduzieren.

Güterverkehr über Neubaustrecke führen

Keine befriedigende Antwort gab es auf den Einwand eines Zuschauers, dass die Lärmbelästigung nicht nur von der Lautstärke abhängt, sondern auch von der Häufigkeit. Da die Kapazität der Verbindung ja deutlich erhöht werde, würden auch mehr und damit häufiger Züge verkehren.

„Bitte setzen Sie sich mal vor und nach Beendigung der Bauphase auf meine Terrasse und erzählen mir dann, die Lärmbelastung sei gleich geblieben“, so sein Einwand. Dirk Schütz wies zumindest darauf hin, dass der lautere Güterverkehr nachts hauptsächlich über die Neubaustrecke und damit deutlich siedlungsferner als heute geführt werden soll.

Zum Verlauf der Neubaustrecke hat die Bahn eine Animation angefertigt, die alsbald auf der Webseite hanau-fulda.de abrufbar sein soll.

Eine Visualisierung, auf die besonders die Niederzeller schauen werden. Über ihre Kläranlage hinweg soll eine 550 Meter lange und 32 Meter hohe Brücke das Tal überspannen.
Beim Sodener Stadtteil Hausen verläuft die Neubau-Strecke in einem Abstand von 350 Meter kurz oberirdisch.
Über die längste Strecke wird Steinau untertunnelt, an zwei Stellen (hier 630 Meter vom Kernort entfernt) tritt die Neubaustrecke kurz ans Tageslicht.
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