Fotos: Fritz Christ

Neue Glocken in Kirche in Wallroth läuteten erstmals vor genau 150 Jahren

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Schlüchtern - Am heutigen Heiligabend vor genau 150 Jahren läuteten die „neuen“ Glocken der Wallrother Kirche zum ersten Mal. Sie verrichten ihren Dienst immer noch, was im Weihnachtsgottesdienst heute besonders gewürdigt wird.

Von Fritz Christ

Man schrieb das Jahr 1869, als in der Wallrother Kirche drei neue Gussstahlglocken eingebaut wurden. Zwei davon gehörten der Kirchengemeinde, eine dem Kloster. Es wird erzählt, dass der damalige Pfarrer Heinrich Bode ein sehr kräftiger Mann gewesen sei und dass er bei der Ankunft der Glocken die schwerste allein vom Wagen des Pferdegespannes gehoben habe.

An Weihnachten vor nunmehr 150 Jahren riefen die neuen Glocken erstmals die Gemeindeglieder zum Gottesdienst. Was mit dem vorherigen zwei Glocken, die aus dem Jahr 1684 stammten, geschehen ist, ist nicht bekannt, wie es laut Schlüchterns Stadtarchivar Bernd Ullrich in den Kirchenbüchern vermerkt ist.

Eines der ältesten Gotteshäusern der Region

Er berichtet, dass die Wallrother Kirche bereits im Jahr 1480 gebaut wurde. Erwähnt wurde der Ort unter dem Namen „Wesilhilderode“ erstmals 1167. Die Wallrother Kirche zählt zu den ältesten Gotteshäusern der Region. Wegen des umgebenden sumpfigen Geländes stellte der Bau der Kirche damals eine große Herausforderung dar.

Es wurde deshalb vermutlich auch kein Friedhof, wie damals üblich, auf dem Gelände um die Kirche herum angelegt. Das Gebäude und der Kirchgarten waren Klosterbesitz. Während des dreißigjährigen Krieges wurde die Kirche schwer beschädigt.

Von Hand läuten 1964 eingestellt

Im Jahr 1544 wurde erstmals in Hintersteinau eine Pfarrei eingerichtet, wozu auch Wallroth gehörte. 1719 wurden die Dörfer Wallroth, Breitenbach und Kressenbach zu einem neuen Kirchspiel mit Sitz in Wallroth zusammengeschlossen. 1733 wurde ein Pfarrhaus erbaut. Dieses ist zurzeit wegen Bauschäden nicht bewohnbar – der Hausschwamm treibt sein Unwesen.

Im Jahr 1810 erklang erstmals eine Orgel in der Wallrother Kirche. Über all die Jahre gab es immer wieder eine Reihe von Renovierungsarbeiten am Gotteshaus. Laut Chronik zum Beispiel in den 1930er Jahren und ebenso nach dem Krieg in den 1950er und auch 1960er Jahren. Seit 1964 müssen die Glocken übrigens nicht mehr von Hand geläutet werden. Ein elektrisches Geläut wurde eingebaut.

Läuten wegen der Schwingungen eingestellt

Bemerkenswert ist, dass die Wallrother Glocken den Krieg unbeschadet überstanden haben. Denn oftmals mussten die Kirchenglocken für militärische Zwecke herhalten. Sie wurden ausgebaut und der Stahl wurde eingeschmolzen, um daraus Kanonen zu bauen. Dennoch ließ ein Bauschaden die Glocken im Jahr 2001 verstummen.

Weil das Gebälk im Kirchturm stark geschädigt war, musste das Läuten wegen der Schwingungen eingestellt werden. Die Glocken wurden per Kran aus dem Turm gehoben und bei Hans Lommer gelagert. Von ihm und von Bernd Ullrich wurden sie gereinigt und mit einem Schutzanstrich versehen, welcher dem Klang nicht schadete.

Immer wieder Bauarbeiten

Im Rahmen der Turmsanierung wurde der alte eiserne Glockenstuhl entfernt und durch einen Glockenstuhl aus Eichenholz ersetzt. Die Kirchengemeinde unter Leitung des damaligen Pfarrers Markus Heider unternahm große Anstrengungen zur Finanzierung der Arbeiten. Sogar ein „Turmfest“ wurde gefeiert. „Die Kirche ist das Wahrzeichen von Wallroth – dies gilt es zu erhalten“, sagte dabei der damalige Bürgermeister Falko Fritzsch.

Weitere Schäden, auch am Kirchenschiff, galt es zu sanieren. Ende 2002 wurden die Glocken wieder eingebaut und konnten zur Weihnachtszeit wieder läuten. In einer Läute-Ordnung ist genau festgelegt, wann welche Glocke zu welchen Anlässe und Zeiten läutet. Beispielsweise ist festgelegt, dass beim heutigen Heiligabend-Gottesdienst alle drei Glocken beim Auszug der Gottesdienstbesucher läuten oder dass beim bevorstehenden Jahreswechsel alle drei Glocken um Mitternacht 15 Minuten lang zu hören sein werden.

Neuer Anstrich 2020

Auch in den Folgejahren gab es immer wieder neue Schäden in der Wallrother Kirche, beispielsweise durch Hausschwamm. Die letzte große Baumaßnahme datiert aus den Jahren 2009/2010 mit der Innensanierung einschließlich künstlerischer Gestaltung des Gotteshauses.

Im Rahmen des Kirchenerhaltungsfonds der Landeskirche war dabei eine Spendenaktion „Klingelbeutel“ der eigenen Kirchengemeinde ins Leben gerufen worden. Es musste ein Kostenaufwand von rund 100.000 Euro geschultert werden. 2018 stand die Neugestaltung des Kirchenvorplatzes an. 2020 soll das Gotteshaus einen neuen Außenanstrich erhalten.

120 Jahre Turmuhr mit Läutewerk

„Auch nach 150 Jahren künden unsere Glocken mit ihrem Klang von der Freude über das Evangelium, rufen zu den Tageszeiten und Stunden zum Gebet im Alltag und sammeln die Gemeinde zum Gottesdienst“, erklärt das Pfarrer-Ehepaar Stefan und Marie Eisenbach. „Die Glocken sind ein Teil unserer dörflichen Kultur. Und viele Menschen verbinden mit ihnen den Begriff Heimat.“

Das Pfarrer-Ehepaar weist noch auf ein weiteres Jubiläum hin: „Die Turmuhr mit Läutewerk wird 120 Jahre alt.“ Diese sei ein besonderes Merkzeichen dafür, dass unsere Zeit in Gottes Händen stehe. Weil die Glocken beim Fest vor 150 Jahren erstmals erklangen, spielen sie heute im Heiligabend-Gottesdienst um 18 Uhr in der Wallrother Kirche eine besondere Rolle.

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