Nordpol, Hamburg, Offenbach – Elm: Meteorologe arbeitet im Home-Office für die „Polarstern“

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Elm / 90° 0’ N - Elm? Klar. Aber 90° 0’ N? Wer aufmerksam unsere Wissenschaftsseiten gelesen hat, weiß, dass die Ortsmarke den Nordpol angibt. Dort ist derzeit die Polarstern auf ihrer „MOSAIC“-Expedition. Am Gelingen der Expedition beteiligt, ist Jörg Asmus vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Und dies macht er nicht etwa vom Nordpol oder seinem Arbeitsplatz in Offenbach aus, sondern – aufgrund der Corona-Situation – aus dem Home-Office in Elm.

Von unserem Redaktionsmitglied Tim Bachmann

An Bord der Polarstern sind auch Kollegen von Asmus, die für die Wetterberatung auf dem Schiff zuständig sind. „Verantwortlich dafür sind meine Kollegen aus Hamburg“, erklärt Asmus.

Für die Polarstern werden viele meteorologische Daten bereitgestellt. Unter anderem auch Satellitenbilder. Diese liefern NOAA 20 und Soumi-NPP, zwei sogenannte polnah umlaufende Satelliten, die etwa 100 Minuten für einen Umlauf um die Erde benötigen.

Satellitenbilder wichtig

Für das Forschungsschiff stehen in der Arktis etwa stündlich Satellitenbilder bereit, erklärt Asmus. „Im Vorfeld der Abfahrt der Polarstern in die Arktis war unsere Aufgabe, die Rohdaten von NOAA 20 und Suomi-NPP für die Polarstern so aufzubereiten, dass diese für die Meteorologen des DWD an Bord genutzt werden können. Meine Aufgabe war, die Arbeiten zu koordinieren“, so Asmus.

Für die Wetterüberwachung sind Satellitenbilder sehr wichtig, da es nur sehr wenige konventionelle Beobachtungen in der Arktis gibt. Der DWD liefert zudem umfangreiche Informationen der numerischen Wettervorhersage an die Polarstern.

Regelmäßige meteorologische Messungen

Umgekehrt führt das Forschungsschiff regelmäßig meteorologische Messungen durch, zum Beispiel mit Radiosonden, die weltweit verbreitet werden. „Die Meldungen stehen mir hier im Home-Office zur Verfügung“, so Asmus.

Die Satelliten erstellen in 22 Spektralkanälen im sichtbaren und infraroten Bereich Bilder von der Erde. Asmus kombiniert die Spektralkanäle und erstellt somit sogenannte Farbkompositbilder. In diesem Fall werden mehrere Kanäle kombiniert, um zu erkennen, wo Eis (rötliche Farbtöne) und wo Wolken sind (bläuliche Farbtöne).

Sogar Eisschollen erkennbar

Beim genauen Hinsehen lassen sich sogar Eisschollen erkennen. Die farbigen Zahlen in dem Bild sind Temperaturmessungen von Wetterstationen, Bojen und Schiffen. Die grauen Zahlen sind die Angaben zu Längen- und Breitenkreisen. „Dieses Falschfarbenbild funktioniert nur am Tag, deshalb ist das Bild am oberen Rand dunkel“, erklärt Asmus.

„In der Polarnacht ist ein spezieller Spektralkanal auf beiden Satelliten wichtig, das sogenannte Day-Night-Band. Es ist ein sehr empfindlicher Spektralkanal im sichtbaren Bereich, der insbesondere bei Mondlicht Bilder liefert. In diesen Bildern konnte die Position der Polarstern anhand der Beleuchtung des Schiffes und des Messfeldes gut erkannt werden. Auch hier sind die Eisschollen gut zu erkennen.“

Erde streifenförmig abgetastet

Da die polnah fliegenden Wettersatelliten die Erde streifenförmig abtasten, ist nicht das ganz Bild ausgefüllt. „Die Polarstern befindet sich im farbigen Bild im unteren Drittel des Bildes, dort wo die „-13“ steht. Im Gebiet, in dem sich die Polarstern befindet, ist es bedeckt“, so Asmus. Während der Messungen waren es minus 13 Grad, zudem meldete die Polarstern Wind mit 20 Knoten aus Nordost.

Das Satellitenbild wurde am Mittwoch von NOAA 20 aufgenommen, auf Spitzbergen empfangen, zu „EUMETSAT“ nach Darmstadt geschickt und von dort wiederum über einen Kommunikationssatelliten zum DWD in Offenbach geschickt. „Nachdem die Daten des Satelliten in Offenbach empfangen waren, wurden die Rohdaten für die meteorologischen Arbeitsplätze meiner Kollegen, in diesem Fall für den Seewetterdienst beim DWD in Hamburg, aufbereitet.

Kleiner Beitrag für das Gelingen der Expedition

Die vorbereiteten Satellitenbilder werden dann wiederum zum Alfred-Wegener-Institut nach Bremerhaven geschickt, der sie seinerseits per Satellitenverbindung zur Wetterstation auf der Polarstern weiterleitet.“

„Das heißt, dass auch ein Elmer, der beim Deutschen Wetterdienst arbeitet, einen ganz kleinen Beitrag für das Gelingen der Expedition liefert“, sagt Diplom-Meteorologe Asmus – und lächelt.

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