Blick in den Führerstand des Wasserfahrzeugs, das bis zu seiner Abholung nach erfolgter Versteigerung im Frankfurter Osthafen bereitliegt.
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Blick in den Führerstand des Wasserfahrzeugs, das bis zu seiner Abholung nach erfolgter Versteigerung im Frankfurter Osthafen bereitliegt.

Bis zu 14 Tonnen Last transportieren

Ungewöhnliches Angebot bei Ebay: Landkreis Offenbach versteigert ehemalige Mainfähre

Wer beim Surfen durchs Internet im Auktions- und Verkaufsportal Ebay unterwegs ist, der findet unter den vielen Millionen Artikeln meist immer etwas, was er gar nicht gesucht hat. Zu den zweifellos ungewöhnlichen Auktionsobjekten gehört zurzeit die ehemalige Mainfähre, die der Landkreis Offenbach versteigert. 

Maintal - Die einstige Fähre pendelte über Jahrzehnte zwischen Mühlheim und Maintal-Dörnigheim. Jetzt liegt sie im Frankfurter Osthafen und wird von der Kreisverwaltung Offenbach als „Wagenseilfähre – Fährschiff Baujahr 1963 – fahrbereit, ohne gültiges Fährzeugnis“ noch bis Montag, 7. Dezember, 16.15 Uhr feilgeboten.

Bis Mittwochabend, kurz vor 21 Uhr, waren 53 Angebote verzeichnet. Der Preis lag bei 2010 Euro. Wer am Ende den Zuschlag erhält, muss die Fähre selber abholen und transportieren. Die Gesamtlänge beträgt den Angaben zufolge 25,50 Meter, die Breite 7,80 Meter.

Der maximale Tiefgang liegt bei 75 Zentimetern. Auf der Ladefläche von etwa 67 Quadratmetern können mit dem 46-Kilowatt-Dieselmotor bis zu 14 Tonnen Last transportiert werden.

Ehemalige Mainfähre wird vom Landkreis Offenbach versteigert

In der „Produktbeschreibung“ ist festgehalten, dass der Stand der Technik die 1960 und 1970er Jahre widerspiegele. Es seien verschiedene Reparaturen und Instandsetzungen vorgenommen und der Fährkörper 2020 am Boden erneuert worden.

Das endgültige Aus für die vor rund 120 Jahren eingerichtete Fährverbindung über den Main hatte der Kreistag im Juni dieses Jahres besiegelt. Zwar wäre es möglich gewesen, die Fähre in Eigenregie zu betreiben, doch dafür hatte der Kreisausschuss ein Defizit von jährlich 183.000 Euro errechnet.

Nachdem der Betrieb seit Herbst 2017 geruht hatte, riss Anfang Juli 2019 gleich am ersten Tag der Wiederinbetriebnahme ein Führungsseil. Mit dem Betreiber einigte sich der Landkreis dann auf ein Vertragsende, um einen Rechtsstreit zu vermeiden. Ein neuer Betreiber wurde nicht gefunden.

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Mainfähre muss selber abgeholt und transportiert werden

Der Steuerzahlerbund hatte den Kreis Offenbach wegen der Fähre kritisiert, weil dieser trotz Alternativen zu lange an dem Gefährt festgehalten habe. Das Schiff war 2017 nach vorübergehender Stilllegung für 117.000 Euro instandgesetzt und danach dem neuen Betreiber anvertraut worden. Nach vier Stunden Betrieb wurde es manövrierunfähig.

Der Kreis will die abgegebenen Angebote prüfen, sobald die Auktion beendet ist, sagte eine Sprecherin der Verwaltung dem Hessischen Rundfunk. „Sollte es sich um ein Fake-Angebot handeln, werden wir die Fähre wohl nicht abgeben.“

Auf der Plattform werde aber darauf hingewiesen, dass ein Gebot zum Kauf verpflichte. Wer die Fähre in Betrieb nehmen will, brauche ein Binnenschiffer-Patent sowie eine Fährstellen-Zulassung. (hgs)

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