Ein Polizist überprüft das Fahrzeugprofil eines Sportwagens.
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Laut wie ein Jumbo-Jet

„AG TRuP“ - Polizei gründet neue Spezial-Arbeitsgruppe, um Tuner, Raser und Poser zu kontrollieren

  • Sebastian Reichert
    vonSebastian Reichert
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In Offenbach haben Beamte der Polizei-Arbeitsgruppe zur Bekämpfung des Phänomens Tuner, Raser und Poser (AG TRuP) bei einer Kontrolle am Sonntag eine Vielzahl an Verstößen festgestellt. Ein Motorradfahrer war anstatt der erlaubten 70 km/h mit 200 km/h unterwegs. Ein Audi A5 war so laut wie ein startender Jumbo-Jet.

Offenbach - „Unser Ziel ist es, die Verkehrssicherheit zu erhöhen“, erklärte Polizeihauptkommissar Klaus Preis, Leiter der „AG TRuP“. „Durch die neu gegründete Arbeitsgruppe haben wir das Know-how gebündelt, können somit gezielt illegal getunte Kraftfahrzeuge aufspüren und gegen die Verantwortlichen vorgehen.“

Die Gründung der „AG TRuP“ resultierte nach den Angaben der Polizei aus den Feststellungen vermehrter Treffen der Tuner-Raser-Poser-Szene und illegaler Autorennen im Bereich des Polizeipräsidiums Südosthessen sowie zahlreicher Beschwerden von Anwohnerinnen und Anwohnern über unnötigen Lärm sowie verkehrsgefährdenden Fahrweisen von offensichtlich getunten Fahrzeugen.

Offenbach: Polizei gründet Arbeitsgruppe zur Kontrolle der Tuner, Raser und Poser

In Fulda hatte die Polizei die Poser- und Tunerszene zuletzt besonders in der Nacht von Karfreitag auf Ostersamstag im Blick, am sogenannten „Carfreitag“, auch dank eines Instagram-Livestreams. Die Beamten in Fulda sprachen viele Platzverweise aus und zogen Fahrer, die unter Drogeneinfluss am Steuer saßen, aus dem Verkehr. In einigen Fällen kam es an Fahrzeugen zum Erlöschen der Betriebserlaubnis. 

In Offenbach stoppte die Polizei am Sonntagnachmittag auf der Bundesstraße 459 ein Rennmotorrad, das mit circa 200 Stundenkilometern unterwegs war. Die Geschwindigkeitsbegrenzung betrug 70 Stundenkilometer. Der 29-jährige Motorradfahrer überholte andere Verkehrsteilnehmer verkehrsgefährdend. Er muss nun mit einem Strafverfahren wegen des Verdachts eines verbotenen Kraftfahrzeugrennens rechnen.

Im Stadtgebiet von Offenbach hielten die Beamten einen Audi A5 an, bei dem der serienmäßig verbaute Soundgenerator durch technische Veränderung und Aktivierung durch einen Schalter im Armaturenbrett, bei einer durchgeführten Schallpegelmessung deutlich zu laut war. Die Messung ergab eine Lautstärke von 104 anstatt der erlaubten 71 Dezibel. „Der Wagen brachte in diesem Fall die Werte eines startenden Jumbos vor“, sagte Polizeihauptkommissar Klaus Preis.

Ordnungswidrigkeitenanzeigen gab es auch in zwei weiteren Fällen. Bei einem weiteren Motorrad war ein auswechselbares Bauteil eines Schalldämpfers - der Dezibel-Eater - entfernt worden. Zudem betrug der Kennzeichenwinkel anstatt der erlaubten 30, mehr als 50 Grad. An einem Lexus hatte ein 41 Jahre alter Mannes die Seitenscheiben derart foliert, dass diese nur noch eine Lichtdurchlässigkeit von 44 Prozent hatten. Die vorgeschriebene Lichtdurchlässigkeit beträgt 70 Prozent.

Video: Aufgemotzt und Ausgebremst? Der Konflikt zwischen Tuner und Polizei im Bayerwald

Bei einem weiteren Auto erlosch die Betriebserlaubnis, weil Front- und Heckschürzen verbaut waren, für die keine Erlaubnis vorlagen. Den Fahrer erwarten 90 Euro Bußgeld und mindestens ein Punkt in Flensburg.“ Bei einem Motorrad war zur Steuerung der Klappenauspuffanlage wohl eine manuelle Bedienung verbaut - die Betriebserlaubnis. Ein anderer Motorradfahrer durfte nicht weiter fahren, weil er keinen vorschriftsmäßigen Helm trug.

„Wir wollen natürlich nicht alle Tuner über einen Kamm scheren“, erklärte der Leiter der „AG TRuP“. „Es geht uns darum, Verstöße, die die Verkehrssicherheit beinträchtigen und somit eine Gefahr für die Person hinter dem Steuer sowie alle anderen Verkehrsteilnehmer sein können, zu ahnden.“ Das Kontrollergebnis am Sonntag zeige, wie wichtig die Arbeit der „AG TRuP“ für die Sicherheit im Straßenverkehr ist, heißt es abschließend in der Mitteilung des Polizeipräsidiums Südosthessen in Offenbach.

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