Der habilitierte Wettermathematiker Jürgen Steppeler. / Foto: Hanns Szczepanek

Pensionierter Wettermathematiker organisierte Kongress in Bad Orb mit

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Bad Orb - Dr. Jürgen Steppeler ist zwar schon ein paar Jahre im Ruhestand, doch der 74-jährige Wettermathematiker aus Bad Orb hat mit der Pensionierung die Neugier des Wissenschaftlers nicht aufgegeben – ganz im Gegenteil.

Ein äußeres Zeichen dafür ist ein internationaler Kongress von Wettermathematikern, den der ehemalige Mitarbeiter im Deutschen Wetterdienst (DWD) mitorganisiert und nach Bad Orb geholt hat. Tagungsort war diese Woche die König-Ludwig-Stiftung, wo in den drei Tagen zwischen acht und 13 Fachvorträge täglich auf dem Programm standen.

Die Wissenschaftler kamen aus Deutschland, China, Großbritannien, USA, Südkorea, Kanada, Russland, Schweiz, Serbien und Japan. Träger der Veranstaltung waren vor allem die Deutsche Forschungsgemeinschaft und die Freie Universität Berlin.

Erste Temperaturaufzeichnungen 1881

Die Arbeit der Wettermathematiker ist für die Berechnung von Wettermodellen sowie speziell bei der Vorausberechnung klimatischer Entwicklungen wichtig. Während seiner Zeit beim DWD in Offenbach war Steppeler an technisch aufwendigen Verfahren zur Erstellung von Wettermodellen und Klimarechnungen beteiligt, die inzwischen Vorhersagen für Gebiete mit Hunderten Millionen Menschen erlauben.

Ziel der „Mathematik des Wetters“ sei dabei immer, den Vorgängen in der tatsächlichen Atmosphäre so nahe wie möglich zu kommen. Trotz ständiger Verbesserungen durch die Präzisierung von Rechenmodellen und internationalem Wissenstransfer – etwa bei Tagungen wie jetzt in Bad Orb – reichen die verlässlichen Prognosen derzeit nur für einen Zeitraum von etwa sechs Tagen.

„Alles andere basiert auf Erfahrungswerten aus den vergangenen gut 100 Jahren“, gibt der Experte zu bedenken. Erst 1881 begannen regelmäßige Temperaturaufzeichnungen. Wetterbeobachtungen werden aber schon seit Ende des 18. Jahrhunderts aufgezeichnet.

Auch im Ruhestand engagiert

Jürgen Steppeler will mit seiner auch im Ruhestand engagierten Arbeit die mathematischen Fehler in aktuellen Rechenmodellen weiter minimieren helfen, damit Vorhersagen und Klimarechnungen „auf den Cent genau“ erstellt werden können. Denn bei manchen Werten verlören diese durch Rundungen schnell an Genauigkeit. Durch größere Präzision könnten Prognosen wohl auf bis zu zehn Tage erhöht werden.

Der Mathematiker Jürgen Steppeler kommt ursprünglich von theoretischen Physik, hat seine Habilitationsschrift aber in Meteorologie vorgelegt. Er kooperiert mit dem Klima-Servicecenter Gerics in Hamburg, dem Nationalen Zentrum für Atmosphärische Forschung im US-Bundesstaat Colorado sowie mit der Chinesischen Akademie für meteorologische Wissenschaften in Peking. / hgs

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